Schulen und Corona Umstieg auf Digitalunterricht fiel Deutschland besonders schwer

Kein gutes Zeugnis für Deutschlands Schulen in der Coronakrise: Nur jeder zehnte Schüler erlebte einen reibungslosen Wechsel zum digital gestützten Fernunterricht. Das zeigt eine neue internationale Umfrage.
Jana (11) beim Unterricht am Küchentisch im März 2020

Jana (11) beim Unterricht am Küchentisch im März 2020

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VLADIMIR SIMICEK/ AFP

Die Bilanz des digitalen Fernunterrichts an deutschen Schulen nach der Schließung im März fällt einer neuen Umfrage zufolge miserabel aus: Gerade einmal bei jedem zehnten Schüler lief der Wechsel zum Lernen über das Internet reibungslos. Das ist das Ergebnis einer Umfrage unter Eltern in Deutschland, Australien, Großbritannien, Italien, Kanada, Mexiko und Singapur.

Demnach ist den Schulen in Deutschland der Übergang zum Onlineunterricht in der Coronakrise deutlich schwerer gefallen als Bildungseinrichtungen in den sechs anderen Ländern: Deutschland landete im direkten Vergleich der beteiligten Bildungssysteme auf dem letzten Platz.

Allerdings berichteten selbst in Singapur, dem Land mit dem besten Wert, nur 30 Prozent von einem problemlosen Übergang zum Onlineunterricht, gefolgt von Australien (25 Prozent), Mexiko und Großbritannien (jeweils 19 Prozent) sowie Kanada (16 Prozent) und Italien mit 14 Prozent.

Die Umfrage

Die Untersuchung wurde im Auftrag des US-Technologieunternehmens Citrix durchgeführt. Erhoben wurden die Daten vom Meinungsforschungsinstitut One Poll im Juli und August 2020.

In Deutschland meinten 50 Prozent der befragten Eltern, die Schulen seien "gar nicht" vorbereitet gewesen. Deshalb sei der Fernunterricht während der Krise auch nur provisorisch durchgeführt worden. 48 Prozent der Eltern in Deutschland fanden, die Schule ihrer Kinder sei auf den Fernunterricht vorbereitet gewesen: Zehn Prozent hielten die Schule für sehr gut vorbereitet und immerhin 38 Prozent der Eltern meinten, die Schulen ihrer Kinder seien hinreichend vorbereitet gewesen, weil beispielsweise bereits einige Systeme für den Fernunterricht im Einsatz gewesen seien.

In der Umfrage benannten die Eltern auch die Bereiche, in denen ihrer Meinung nach Verbesserungsbedarf besteht:

  • 53 Prozent sprechen sich für mehr und bessere Lehrerfortbildungen für Fernunterricht aus,

  • eine bessere Organisation des Fernunterrichts wünschen sich 48 Prozent,

  • und 45 Prozent wünschen sich mehr direkte Interaktion mit Lehrkräften über Videokonferenzen.

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20 Prozent der Eltern allerdings äußerten grundsätzliche Skepsis: Sie halten Onlineunterricht generell für keine gute Methode für ihre Kinder.

Unter den befragten Studierenden spricht sich fast die Hälfte (49 Prozent) für ein hybrides Modell aus Präsenz- und Onlineveranstaltungen aus. Zwölf Prozent würden gern ihr gesamtes Studium nach der Coronakrise online fortsetzen.

Hinweis der Redaktion: In einer älteren Textversion konnte der Eindruck entstehen, Deutschland sei beim Umstieg auf den Digitalunterricht weltweit abgeschlagen. Da es sich um eine vergleichende Umfrage in insgesamt sieben Ländern handelt, haben wir die missverständlichen Formulierungen korrigiert.

him/dpa
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