Coronakrise Streit um Wiedereröffnung der Schulen

Präsenz-, Hybrid- oder doch Fernunterricht? Die Länder ringen um die richtige Schulstrategie für die Zeit nach dem Shutdown. Ein einheitliches Vorgehen ist dabei nicht erkennbar.
Schule außer Betrieb (in Heitersheim, Baden-Württemberg)

Schule außer Betrieb (in Heitersheim, Baden-Württemberg)

Foto: Philipp von Ditfurth / dpa

Die Debatte über eine mögliche Wiedereröffnung der Schulen nach dem 10. Januar spitzt sich zu. Während Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) eine Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts ankündigte, wollen ihre rheinland-pfälzische Amtskollegin Stefanie Hubig (SPD) und Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) vorläufig am Fernunterricht festhalten.

Die Frage der Schulöffnungen soll Thema bei den Spitzenberatungen von Kanzlerin Angela Merkel und den Ministerpräsidenten der Länder kommende Woche sein. Einen Tag zuvor will darüber auch die Kultusministerkonferenz (KMK) diskutieren – doch von einer einheitlichen Linie sind die Länder derzeit ziemlich weit entfernt.

»Auch wenn der Lockdown über den 10. Januar hinaus verlängert wird, sollten Kitas und Grundschulen wieder öffnen für Präsenzunterricht«, sagte Susanne Eisenmann der »Bild«-Zeitung. In diesen Altersklassen sei es unerlässlich, dass Kinder in Kitas gehen und in Schulen lernen.

Ankündigung als »unverantwortlich« kritisiert

Bereits vor einigen Tagen hatte Eisenmann angekündigt, sich unabhängig von den Corona-Zahlen für die Öffnung von Schulen bis zur siebten Klasse und in den Abschlussklassen einzusetzen – woraufhin ihr die baden-württembergische Staatskanzlei auf Twitter widersprach. Auch im Schulbereich hingen sämtliche Maßnahmen vom Infektionsgeschehen ab, hieß es dort.

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In den Streit dürfte auch mit hineinspielen, dass Eisenmann als CDU-Spitzenkandidatin im Frühjahr bei der Landtagswahl Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) herausfordert.

SPD-Chefin Saskia Esken kritisierte Eisenmanns Äußerungen gegenüber der Funke Mediengruppe. Ihr fehle »jede Fantasie dafür«, wie das Ziel, die Sieben-Tage-Inzidenz auf unter 50 je 100.000 Einwohner zu senken, schon zum 11. Januar erreicht werden könne, sagte Esken. »Insofern ist eine Ankündigung, die Schulen nach den Ferien völlig unabhängig von den Inzidenzen wieder zu öffnen, in meinen Augen geradezu unverantwortlich.«

Es müsse »endlich aufhören, dass Präsenzunterricht und digitale Bildung gegeneinander ausgespielt werden«, so die SPD-Vorsitzende. Stattdessen forderte sie einen Plan, um Bildungsgerechtigkeit und Gesundheitsschutz zu verbinden. Sie kündigte einen dritten Schulgipfel von Bund und Ländern noch im Januar an.

»Anhaltend zu hohe Infektionszahlen«

Stefanie Hubig, die derzeit noch Präsidentin der Kultusministerkonferenz ist, sagte der »Rheinischen Post«, dass in ihrem Bundesland bis zum 15. Januar alle Schulen im Fernunterricht blieben. Als Bildungspolitikerin habe sie jedoch das Ziel, »so schnell es geht wieder Schule in der Schule zu ermöglichen – wenn es sein muss, erst mal auch nur für jüngere Kinder und die Abschlussklassen«.

Auch in Hamburg wird der Schulbetrieb nach den Weihnachtsferien und bis Ende Januar erst einmal nur sehr eingeschränkt laufen. »Wir wissen zurzeit nicht, welchen Erfolg der Lockdown haben wird«, sagte Schulsenator Rabe, »aber aufgrund der anhaltend zu hohen Infektionszahlen ist zum jetzigen Zeitpunkt davon auszugehen, dass die Schulen in Hamburg wie in den anderen Bundesländern im Januar noch nicht zum regulären Präsenzunterricht zurückkehren werden.«

Der Hamburger Senat gehe davon aus, dass auch in den folgenden, letzten beiden Januarwochen kein vollwertiger Präsenzunterricht für alle Schüler und Schülerinnen stattfinden wird. Je nach Klassenstufe werde entweder ein Fernunterricht mit Notbetreuung oder ein Wechselunterricht aus Fern- und Präsenzunterricht stattfinden.

Während Schulen zu Anfang der Coronakrise nicht als Pandemietreiber galten, zeichnen neue Studien ein anderes Bild. In den vergangenen Tagen machte vor allem eine Untersuchung aus Hamburg Schlagzeilen, derzufolge sich im September sehr wahrscheinlich mindestens 25 Schüler und Lehrkräfte einer Schule bei einem einzigen Infizierten ansteckten.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt ab einem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen, Klassen zu teilen und zu unterschiedlichen Zeiten zu unterrichten. Derzeit ist dieser Grenzwert in fast ganz Deutschland weit überschritten.

him/AFP