Schulen in Mecklenburg-Vorpommern "Volle Kraft in den Präsenzunterricht"

Als erstes Bundesland begann Mecklenburg-Vorpommern nach den Sommerferien wieder den Unterricht. Die Vorsitzende der Schulleitungsvereinigung erklärt, wie es bisher klappt - und was fehlt.
Ein Interview von Annette Großbongardt
Hinweisschild in Grundschule Lankow

Hinweisschild in Grundschule Lankow

Foto: Jens Büttner/ dpa

SPIEGEL: Seit Montag gehen die Schüler in Ihrem Bundesland wieder jeden Tag zur Schule, als erste in Deutschland. Wie klappt das bisher?

Heike Walter: Die Schulen geben ihr Bestes, um den Schülern möglichst viel an Normalität zu vermitteln. Aber an einigen Schulen gab es am Montag Corona-bedingt noch gar keine Stundenpläne. Die Zeit reichte nicht, denn der neue Hygieneplan der Schulbehörde kam erst zehn Tage vor Ferienende. Erst dann konnten wir die Räume und den Einsatz der Lehrer planen.  

SPIEGEL: Am Freitagvormittag wurden bereits zwei Schulen wieder geschlossen, weil in einem Fall ein Schüler und im anderen eine Lehrerin positiv getestet wurden. Stellt das die Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle infrage?

Walter: Nein, mit solchen Fällen war ja zu rechnen, damit müssen wir leben. Die Reaktion an den beiden Schulen finde ich richtig: Erstmal schließen, testen, die Kontaktwege nachvollziehen, und wenn die Lage dann klar ist, ist man vielleicht in ein paar Tagen damit durch und kann die Schule wieder aufmachen.

SPIEGEL: Am zweiten Schultag hat sich die Landesregierung plötzlich zu einer Maskenpflicht außerhalb der Klassenräume entschieden, wie finden Sie das?

Walter: Es ist gut, dass die Schüler mehr Mundschutz tragen müssen. In den Schulbussen ist das allerdings kaum kontrollierbar. Andererseits brauchen wir mehr Flexibilität, etwa damit ein Lehrer in der Pausenaufsicht auch mal die Maske abnehmen kann. Schüler in festen Gruppen dürfen das bereits. 

SPIEGEL: Als besonders schwierig gilt die Lage der Abschlussklassen, weil sie viel Prüfungsstoff versäumt haben. Sollten das Abitur oder andere Prüfungen angepasst werden? 

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Walter: Ich bin nicht dafür, von vorneherein Anforderungen herabzusetzen, schauen wir doch erst mal, was geht. Gerade die höheren Jahrgänge können viel im Selbststudium erarbeiten. Mehr Sorgen bereiten mir die jetzigen Zweitklässler, die im letzten Corona-Halbjahr wesentliche Teile des Schreibe- und Lesenlernens nicht abgeschlossen haben. Auch in Mathematik fehlen wichtige Grundlagen.

SPIEGEL: Wie können Sie das auffangen?

Walter: Wir brauchen Geld, um Zusatzkräfte einzustellen, die sich um betroffene Schüler kümmern. Diese Kräfte könnten auch einige der Lücken schließen, die dadurch entstehen, dass 400 Lehrerinnen und Lehrer als Angehörige von Risikogruppen jetzt zu Hause bleiben.

SPIEGEL: Diese Lehrer sollen von daheim aus arbeiten - wie geht das?

Walter: Sie können unterstützen oder etwa Schüler betreuen, die selbst zu Hause bleiben müssen. Aber wir legen jetzt volle Kraft in den Präsenzunterricht.

SPIEGEL: Derzeit steigen die Infektionszahlen wieder. Sind die Lehrkräfte vorbereitet, erneut auf Fernunterricht zu wechseln, wenn Jahrgangsstufen in Quarantäne müssen oder gar Schulen wieder geschlossen werden?

Walter: Dafür liegen keine fertigen Pläne in der Schublade, aber uns wird dann schon etwas einfallen. Das Problem ist die mangelnde Digitalisierung. Wir haben vielerorts noch nicht einmal Breitband, um Videoschalten möglich zu machen. Bei uns sind Lehrer mit dem Fahrrad losgefahren, um Aufgaben zu verteilen. Das Ministerium hat inzwischen eine digitale Lernplattform zu Verfügung gestellt. Aber bis gestern konnten sich noch nicht mal alle einloggen.

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