Schulen im Corona-Modus Kinderärzte gegen verlängerte Weihnachtsferien

Wissenschaftler raten dringend zu Schulschließungen, Schulministerien und Kinderärzte halten dagegen. Der Ton zwischen Befürwortern und Kritikern eines Bildungs-Lockdowns wird schärfer.
Vorgezogene Schulferien oder nicht? Der Streit geht weiter (Symbolbild)

Vorgezogene Schulferien oder nicht? Der Streit geht weiter (Symbolbild)

Foto: Herbert Neubauer / dpa

In der Debatte über das weitere Vorgehen zur Eindämmung des Coronavirus haben sich Kinderärzte gegen eine Verlängerung der Weihnachtsferien ausgesprochen. Geschlossene Schulen, Kindergärten und Kitas sollten »nur als allerletzte Maßnahme im Rahmen eines allgemeinen Lockdowns« erwogen werden, teilten die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie am Mittwoch mit.

Man sei »dezidiert gegen eine Verlängerung der Weihnachtsferien in den Januar hinein«, heißt es in der Stellungnahme . Sie wird vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützt. Die Daten aus Deutschland gäben keinen Anlass, Schulschließungen als »taugliches und angemessenes Mittel« zur Pandemiebekämpfung anzusehen.

Die belastenden Folgen selbst kurzfristiger Schulschließungen auf das Wohlbefinden und die Zukunftsperspektiven von Kindern würden in der Debatte zu wenig berücksichtigt, so die Ärztinnen und Ärzte.

Die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina, aber auch die EU-Kommission hatten dazu geraten, eine Verlängerung der Schulferien oder des Onlineunterrichts nach den Feiertagen zu erwägen, um das Infektionsrisiko zu begrenzen. Die Politik in Deutschland hatte dagegen zuletzt – anders als im Frühjahr – das Ziel ausgegeben, Kitas und Schulen offen zu halten.

Entsprechend scharf fielen die Reaktionen einiger Schulministerinnen zu den Leopoldina-Vorschlägen aus. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) kanzelte die Idee vorgezogener Weihnachtsferien ab dem 14. Dezember als »untauglich« ab. Die vorgeschlagene zeitweise Aussetzung der Schulpflicht werde es mit ihr nicht geben, sagte Gebauer im Landtag. Ihr sei völlig unverständlich, wie eine solche Äußerung von einer Akademie der Wissenschaft vertreten werden könne.

Auch Susanne Eisenmann, CDU-Kultusministerin in Baden-Württemberg, erteilte den Ideen der Wissenschaftsakademie eine Absage. »Diesen drastischen Schritt der flächendeckenden Schulschließungen wollen wir weiterhin zwingend vermeiden, weil wir aus der Zeit im Frühjahr gelernt haben«, sagte sie.

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern attestierte sie außerdem eine gewisse Realitätsferne: »Manche Forderungen zeigen, dass die Leopoldina bei den Corona-Maßnahmen nicht ganz auf der Höhe der Zeit zu sein scheint.«

him/dpa