Prognose der Kultusminister In zehn Jahren hat Deutschland eine Million Schüler mehr

In Deutschlands Klassenzimmern wird es voller: Die Kultusminister rechnen insgesamt mit mehr als elf Millionen Schülern bis 2030. Nur eine Schulform profitiert nicht von dem Zuwachs.
Schülerinnen und Schüler in Hannover (Archivbild)

Schülerinnen und Schüler in Hannover (Archivbild)

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Holger Hollemann/ DPA

Knapp eine Million mehr Schülerinnen und Schüler: Damit rechnet die Kultusministerkonferenz (KMK) bis zum Jahr 2030. Die KMK veröffentlichte die Prognose am Freitag. In den kommenden zehn Jahren wird demnach die Schülerzahl bundesweit auf rund 11,7 Millionen ansteigen.

Der Zuwachs um 986.700 Schülerinnen und Schüler bis 2030 bedeutet ein Plus von 9,2 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr, als 10,8 Millionen Kinder und Jugendliche die Schulen besuchten. Der Trend zeigt an allen Schulformen nach oben – mit einer Ausnahme: Lediglich bei den berufsbildenden Schulen rechnen die Ministerien mit einem Rückgang der Schülerzahlen.

So wird die Zahl der Absolventinnen und Absolventen allgemeinbildender Schulen laut KMK im Berechnungszeitraum um drei Prozent von 795.000 auf dann 819.000 leicht ansteigen. An beruflichen Schulen dagegen wird diese Zahl um fünf Prozent von 963.000 auf 916.000 sinken.

Laut der Prognose gibt es große Unterschiede in der regionalen Entwicklung:

  • In den ostdeutschen Flächenländern wird die Schülerzahl von knapp 1,45 Millionen im Jahr 2019 nur geringfügig auf 1,48 Millionen im Jahr 2030 steigen.

  • In den westdeutschen Ländern soll es im selben Zeitraum eine Zunahme von 8,5 auf 9,3 Millionen geben – ein Zuwachs von 9,8 Prozent.

  • Noch stärker fällt das erwartete prozentuale Wachstum in den Stadtstaaten aus: Mit einem Anstieg von 15,1 Prozent auf 918.000 Schülerinnen und Schüler ist hier das prognostizierte Plus am größten.

Die jetzt vorgestellte Vorausberechnung der Schüler- und Absolventenzahlen ist für die KMK eine wichtige Planungsgrundlage: Die Daten werden genutzt, um den Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern für die kommenden Jahre abzuschätzen.

Diese sogenannte Lehrereinstellungsbedarfsrechnung für die Bundesländer soll nun erarbeitet und im Dezember vorgestellt werden. Dabei ist längst klar, dass sich die Schulen und die Kultusministerien für die kommenden Jahre auf einen massiven Lehrermangel einstellen müssen, der schon heute deutlich zu spüren ist.

"Wir haben die Lehrkräfte, die wir brauchen, nach aktuellem Stand weder in den Schulen noch in der Lehrerausbildung", sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE): "Wir sehen jetzt schon, wie zum Beispiel in Berlin über die Hälfte der Neueingestellten keine originär ausgebildeten Lehrkräfte sind."

Die Schülerprognose ist außerdem Basis für die Planung von Schulbauten: Auch da haben die Länder großen Nachholbedarf.

him/dpa