Schulen und Omikron Lehrerverband warnt vor massiven Beeinträchtigungen

Was passiert mit den Kindern in der vierten Welle? Wegen der neuen Virusvariante dürfen laut Lehrerverband Schulschließungen »kein absolutes Tabu sein«. Die Kultusministerkonferenz setzt hingegen weiter auf Präsenzunterricht.
Schule in Pandemiezeiten (Symbolbild): Noch lange keine Normalität

Schule in Pandemiezeiten (Symbolbild): Noch lange keine Normalität

Foto: Political-Moments / IMAGO

Angesichts der drohenden Ausbreitung der Omikron-Variante hält der Deutsche Lehrerverband erneute massive Beeinträchtigungen für die Schulen für möglich. »Omikron kann leider dazu führen, dass wir doch wieder in Wechselunterricht und Distanzunterricht gehen müssen«, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Bei sehr hohen Inzidenzen unter Schülern dürfen auch flächendeckende Schulschließungen kein absolutes Tabu sein.«

Wenn sich die Omikron-Variante in Deutschland flächendeckend ausbreite, müssten die Schulen reagieren können, forderte der Lehrervertreter. Gerade weil viele Kinder und Jugendliche noch keinen oder keinen ausreichenden Impfschutz hätten, müsse es möglich sein, wieder auf sämtliche Instrumente der Pandemiebekämpfung an Schulen zurückzugreifen.

»Angesichts von Omikron ist es gefährlich, heute zu versprechen, dass es Schulschließungen nie wieder geben wird«, so Meidinger. Mit Omikron werde es vermutlich noch lange dauern, bis man wieder zur Normalität im Schulbetrieb zurückkehren könne.

100.000 Infektionen bei Schülerinnen und Schülern

Sorge bereite zudem, dass trotz aller Ankündigungen die Schulen immer noch nicht umfassend auf Distanzunterricht vorbereitet seien. »Die Digitalisierung bewegt sich nur in Trippelschritten voran. Gerade mal etwas mehr als 50 Prozent der Schulen sind aktuell an schnelles Internet angeschlossen«, kritisierte Meidinger.

Die Kultusministerinnen und -minister der Länder hingegen haben ihren Kurs für offene Schulen in der Coronapandemie bekräftigt. Der kontinuierliche Präsenzunterricht habe für sie weiterhin höchste Priorität, um das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe zu gewährleisten, heißt es in einem am Freitag veröffentlichten Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK). Die KMK hatte am Vortag über die aktuelle Coronalage an den Schulen beraten.

Die neue Variante Omikron gilt als besorgniserregend. Aktuelle Zahlen der KMK zeigen zudem einen weiteren Anstieg von Coronainfektionen an Schulen. In der vergangenen Woche waren laut Daten aus den Ländern mehr als 100.000 Infektionen bei Schülerinnen und Schülern bekannt. Insgesamt gibt es rund elf Millionen Schüler in Deutschland. Einer von 40 Schülern war zuletzt direkt oder indirekt von Corona betroffen, entweder durch eigene Infektion oder durch Quarantänemaßnahmen.

»Das Offenhalten der Schulen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe«, heißt es in dem Beschluss der KMK weiter. Nach den umfangreichen Schulschließungen im letzten und vorletzten Schuljahr müssten nun Erwachsene Verantwortung übernehmen und die verschärften Regeln im öffentlichen Leben konsequent einhalten. »Wo notwendig, müssen weitere Kontakt- und Zugangsbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene einen zusätzlichen Beitrag zur Eindämmung der Pandemie leisten.«

Kritik an dem Beschluss der KMK kommt vom Verband Bildung und Erziehung (VBE). »Auch der VBE ist dafür, Schulen möglichst offen zu halten. Es reicht aber nicht, wenn die KMK-Präsidentin dies als oberste Priorität ständig wiederholt, den Worten aber nicht die notwendigen Taten folgen«, sagte der Bundesvorsitzende der Bildungsgewerkschaft, Udo Beckmann.

Die politisch Verantwortlichen hätten die nun 20 Monate andauernde Pandemie nicht genutzt, um alle technischen Möglichkeiten für einen bestmöglichen Infektionsschutz auszuschöpfen. »Die Konsequenz ist entgegen aller Beteuerungen der KMK, dass immer mehr Schulen geschlossen werden müssen. In Sachsen ist es inzwischen jede vierte«, so Beckmann.

kfr/dpa
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