Handys, Hitzefrei, Essen im Unterricht Was Schüler und Lehrkräfte dürfen - und was nicht

Dürfen Lehrkräfte Kindern die Smartphones wegnehmen - und wie lange? Dürfen Schüler im Unterricht essen? Und was ist mit Hitzefrei? Hier sind Antworten auf typische Schulkonflikte.
Schüler mit Smartphones (Archivbild)

Schüler mit Smartphones (Archivbild)

Foto: Patrick Seeger/ picture alliance / dpa

In den kommenden Wochen enden die Sommerferien auch in den letzten Bundesländern. Es ist ein vorsichtiger Neustart: Auch wenn dieses Schuljahr Unterricht nur unter verschärften Bedingungen und mit vielen neuen Regeln möglich ist und jede Behörde, jede Schule für sich selbst Lösungswege finden musste - manche Fragen bleiben jedes Schuljahr gleich: Was dürfen Lehrerinnen und Lehrer eigentlich? Das Handy wegnehmen? Nach dem Klingeln die Stunde verlängern? Schüler anschreien? Den Gang zur Toilette verbieten?

In einem Kapitel des neuen Buches "Unser Mathelehrer unterrichtet von draußen - damit er dabei rauchen kann!" klären die SPIEGEL-Redakteurinnen Lena Greiner und Carola Padtberg diese Fragen. Es geht um Notengebung, Essen und Trinken, Strafarbeiten und Smartphones im Unterricht - damit Auseinandersetzungen nicht gleich eskalieren oder womöglich vor Gericht landen.

Anzeige
Greiner, Lena, Padtberg, Carola

Unser Mathelehrer unterrichtet von draußen - damit er dabei rauchen kann!: Die lustigsten Storys über Lehrer

Verlag: Ullstein Taschenbuch
Seitenzahl: 224
Für 9,99 € kaufen
Produktbesprechungen erfolgen rein redaktionell und unabhängig. Über die sogenannten Affiliate-Links oben erhalten wir beim Kauf in der Regel eine Provision vom Händler. Mehr Informationen dazu hier

Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Kapitel "Schulrecht - Was Lehrer dürfen und was nicht".

Dürfen Schulen Smartphones komplett verbieten?

Nein. Eine Schulordnung, die es verbietet, Handys oder Smartphones auf dem Schulgelände bei sich zu tragen, ist nicht zulässig, sagt Schulrechtsexperte Rolf Tarneden. Denn Schüler müssen auf dem Schulweg zum Beispiel für ihre Eltern erreichbar sein. Schulen können allerdings festlegen, dass Handys im Unterricht und in den Pausen ausgeschaltet sein müssen beziehungsweise nicht benutzt werden dürfen. Halten Schüler sich nicht daran, können Lehrer die Telefone konfiszieren.

Für wie lange dürfen Lehrer Smartphones einziehen?

Lehrer dürfen Handys vorübergehend einsammeln, wenn Schüler sie entgegen der Schulvorschriften benutzen. Allerdings müssen die Lehrkräfte die Geräte in der Regel spätestens am Ende des Schultages zurückgeben. Es sei denn, sie haben den begründeten Verdacht, dass sich auf dem Smartphone Täuschungsmaterialien oder strafbare Inhalte wie Gewaltvideos befinden. Oder ein Schüler hat bereits häufiger mit dem Handy gestört und zeigt sich uneinsichtig; dann können Lehrer das Telefon bis zum nächsten Tag einbehalten und nur von den Eltern abholen lassen. In einem Fall, der vor Gericht landete, wurde einem Schüler an einem Freitag das Smartphone weggenommen und der Mutter erst am Montag wieder ausgehändigt. Die Berliner Verwaltungsrichter befanden: Das war in Ordnung.

Dürfen Lehrer Smartphones durchsuchen?

Nein. Lehrer dürfen nicht in den Handys ihrer Schüler stöbern und Fotos, Videos, Mail- oder Chatverläufe anschauen, auch nicht, wenn sie dort zum Beispiel verbotenes Bildmaterial vermuten. Die Inhalte eines Handys sind privat. Einzig die Polizei darf Schülerhandys durchsuchen, wenn sie dafür eine richterliche Anordnung hat oder wenn Gefahr im Verzug ist.

Dürfen Schüler im Unterricht essen?

Nur, wenn es die Lehrer erlauben. Sowohl Essen als auch Trinken sowie Kaugummi kauen dürfen vom Lehrer während der Unterrichtszeit untersagt werden. Der Grund: Diese Dinge tragen nicht zum Lernerfolg bei, sondern lenken eher ab - und können durchaus auf die Pause verschoben werden. Allerdings können Lehrer all das ihren Schülern auch gestatten. Für beide Haltungen gibt es gute Gründe. So können gerade Grundschüler beim gemeinsamen Frühstück auch über gesunde Ernährung aufgeklärt werden.

Müssen Schulen im Hochsommer Hitzefrei geben?

Nur, wenn die Schulleiterin das so entschieden hat. Es gibt kein generelles Recht auf Hitzefrei. Und auch wenn die Nachbarschule ihre Schüler nach Hause schickt, muss das die eigene Schule nicht tun. Die Entscheidung hängt von der Beeinträchtigung des Unterrichts ab und wie sehr sich die Räume aufheizen. Grundschulkinder dürfen nur nach Hause geschickt werden, wenn die Eltern zugestimmt haben.

Dürfen Lehrer Schüler umsetzen?

Ja. Lehrer dürfen die Sitzordnung festlegen oder ändern, auch gegen den Willen einzelner Schüler. Wer damit nicht einverstanden ist, kann sich zwar beschweren, dagegen klagen können Schüler aber nicht. Denn es gibt keine gesetzliche Grundlage für den Anspruch auf freie Platzwahl; vielmehr fällt die Zuweisung eines Sitzplatzes unter die "innerschulische Organisation".

Dürfen Lehrer Schüler aus der Klasse schmeißen?

Ja, Lehrkräfte dürfen Schüler, die den Unterricht stören, des Raumes verweisen und sogar eigenhändig rausführen. Dies können sie jedoch nur für ihre eigene Unterrichtsstunde tun. Wenn Schüler für einen ganzen Tag oder länger vom Unterricht ausgeschlossen werden sollen, muss darüber die Schulleitung und eventuell eine Konferenz entscheiden.

Dürfen Lehrer Schüler anschreien?

Jein. Es hängt von der Situation ab. Lehrer dürfen Schüler nicht seelisch verletzen oder entwürdigen. Wenn Lehrer schreien, gilt es zu klären: Passiert das häufiger? In welchen Situationen? Wenn es in einer Ausnahmesituation geschieht, weil beispielsweise Gefahr droht, oder wenn der Lehrer schlicht versucht, die lauten Schüler zu übertönen, ist das wahrscheinlich pädagogisch nicht sehr geschickt, fügt aber den Kindern keinen Schaden zu. Wenn aber Lehrer ständig, scheinbar grundlos und mit demütigenden Worten einzelne Schüler anschreien, ist das sicher ein Fall für die Schulleitung.

Dürfen Lehrer Schüler beleidigen?

Nein, Lehrer dürfen ihre Schüler nicht beleidigen oder herabwürdigen. Ein Satz wie "Würde Dummheit schön machen, wärst Du George Clooney" könnte zu einer Dienstaufsichtsbeschwerde führen; der Schüler könnte den Lehrer auch anzeigen. Sagt der Lehrer allerdings "Du erzählst Unsinn" ist das nicht strafbar, wenn der Schüler sich tatsächlich unsinnig geäußert hat.

Ist Nachsitzen während der Pause in Ordnung?

Lehrkräfte dürfen Schüler während der Pause nachsitzen lassen. Wenn das Nachsitzen länger dauert, also eine Unterrichtsstunde lang, oder am Nachmittag stattfindet, müssen vorher die Eltern benachrichtigt werden. Grundsätzlich ist Nachsitzen als Erziehungsmittel erlaubt, damit Schüler, die gestört oder ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, die Inhalte nachholen können. Oder den Raum sauber machen, den sie verdreckt haben. Häufig sollen Schüler in der Zeit auch schriftlich ihr Fehlverhalten reflektieren. Das ist in Ordnung, allerdings nicht, wenn es nur sinnloses Abschreiben bedeutet, wie hundertmal den Satz aufschreiben "Ich darf andere nicht schlagen". Auch das bloße Absitzen der Zeit ist nicht okay, denn das wäre wie Gefängnis.

Lustige Anekdoten aus der Schulzeit

In "Unser Mathelehrer unterrichtet von draußen - damit er dabei rauchen kann!" sind die lustigsten Schulzeit-Erinnerungen und Lehrer-Anekdoten der SPIEGEL-Leser versammelt - sie berichten von ausgefallenen Hausaufgaben, ekligen Marotten und lustigen Spleens ihrer Lehrer. So guckt manche Klasse ein Schuljahr lang "James Bond", die nächste schleppt Wassereimer wie im bolivianischen Dschungel. Es geht um superengagierte Helden des Klassenzimmers, aber auch um resignierte Käuze vor staubigen Tafeln.

#MeinLehrerIstSeltsam
Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance/dpa

Welche skurrilen Dinge tun oder sagen Ihre Lehrer und Lehrerinnen? Und welche Begegnungen mit liebenswert nerdigen oder exzentrischen Lehrkräften haben Ihre Schulzeit unvergesslich gemacht? Oder ist Ihnen vielleicht selbst einmal etwas Peinliches im Klassenzimmer passiert?

Schicken Sie uns hier Ihre Erinnerungen.  (Mit einer Einsendung erklären Sie sich mit einer anonymen Veröffentlichung auf SPIEGEL.de und in sämtlichen anderen Medien und Produkten der SPIEGEL-Gruppe einverstanden; zudem versichern Sie dadurch, dass sich das Ereignis wie beschrieben zugetragen hat.)

Ein Beispiel? Diese Lehrkraft etwa hat sympathische Fimmel - und eine ökologische Mission:

"Unser Klassenlehrer in der Mittelstufe unterrichtete Bio und Erdkunde. Er war ein richtiger Öko-Freak und später auch Kreisvorsitzender bei den Grünen. Oft erschien er in Gummistiefeln, ansonsten trug er Birkenstock-Latschen, denn sein Lieblingssatz war: 'Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung.' Seine Vorstellung eines Schulausflugs war ein Spaziergang, auf dem wir schleimigen Kröten bei der Überquerung von Straßen helfen sollten, damit sie nicht überfahren würden. Wenn einer von uns im Unterricht müde war, führte er das auf Eisenmangel zurück und empfahl, ein paar rostige Nägel in einen Apfel zu stecken und diesen ein paar Tage später zu essen. Das würde uns schon wieder fit machen. Den Rat hat natürlich nie jemand befolgt."

lgr/cpa