Nach Corona-Schulschließungen Lehrerverband fordert bundesweite Erfassung von Lernlücken

Lernstandserhebungen in mehreren Fächern und verschiedenen Jahrgangsstufen fordert Lehrerpräsident Meidinger. Er warnt zudem vor dauerhaft schlechten Leistungen und fordert ein verbindlicheres Aufholprogramm.
Schülerinnen und Schüler in NRW (Archivbild)

Schülerinnen und Schüler in NRW (Archivbild)

Foto: Marcel Kusch / dpa

Viele Wochen und Monate waren die Schulen wegen Corona geschlossen, der Distanzunterricht war vielerorts geprägt von Technikausfällen. Nun fordern Lehrervertreter, bundesweit zu erfassen, wie groß die Lernlücken sind.

»Viele Schülerinnen und Schüler haben nach zweieinhalb Schuljahren in der Pandemie noch immer massive Lernrückstände«, sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. »Spätestens Anfang des nächsten Schuljahres brauchen wir bundesweit vergleichbare Lernstandserhebungen, um den Handlungsbedarf ehrlich einschätzen zu können«, forderte er.

Das Aufholprogramm von Bund und Ländern habe an dem Problem bislang wenig geändert. Das liege auch daran, dass die Zusatzangebote oft nicht flächendeckend zur Verfügung stünden und nicht die Schüler erreicht hätten, die die Nachhilfe besonders dringend benötigten.

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Sinnvoll wären nach Meidingers Worten Erhebungen in Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache, möglicherweise auch in den Naturwissenschaften. »Wichtig wäre zudem, dass diese Tests in bestimmten, für eine erfolgreiche weitere Schullaufbahn entscheidenden Klassenstufen stattfinden: Beispielsweise in der dritten, in der sechsten Klasse, in der achten und in der zehnten Jahrgangsstufe.«

Es gehe nicht um aufwendige Klausuren, sondern um unbenotete Kurztests, die eine grundsätzliche Einschätzung ermöglichten. Klar sei aber jetzt schon: »Das Aufholprogramm muss weiterlaufen, und es muss vor allem verbindlicher werden. Es darf nicht sein, dass viele besonders betroffene Kinder und Jugendliche gar nicht davon profitieren«, sagte der Lehrerpräsident. Er warnte zudem davor, sich dauerhaft auf schlechtere Leistungen einzustellen. Es sei zwar richtig, dass die Länder derzeit mit großzügigen Regelungen bei Versetzungen und Abschlüssen auf die pandemiebedingten Lernrückstände reagierten. Das müsse sich aber wieder ändern. »Wir riskieren sonst, dass das Leistungsniveau der Schulabgänger generell abgesenkt wird.«

Hamburg hatte bereits im vergangenen Jahr als erstes Bundesland eine Lernstandserhebung vorgestellt. Demnach hatten besonders Schülerinnen und Schülern an Brennpunktschulen große Lernlücken.

kha/AFP