Jugendstudie Generation spaßbefreit

Die Jugend ist ernsthafter und besorgter geworden, attestiert eine aktuelle Studie den 14- bis 17-Jährigen. Die Generation will bürgerlicher Durchschnitt sein - Party und Action spielen kaum eine Rolle.
Jugendliche mit Smartphones: Wo ist der Spaß geblieben?

Jugendliche mit Smartphones: Wo ist der Spaß geblieben?

Foto: Ute Grabowsky/ Photothek via Getty Images

Hauptsache, normal und sicher: Die Jugend von heute wünscht sich, in der Mitte der Gesellschaft zu stehen und bürgerlicher Durchschnitt zu sein. Ein guter Job, eine Familie mit Kindern, Gesundheit, Wohlbefinden und ein Freundeskreis sind dieser Generation wichtiger, als ihr eigenes Ding zu machen oder erfolgreich zu sein. Zu dem Schluss kommt die alle vier Jahre erscheinende Sinus-Jugendstudie , die die Lebenswelten von 14- bis 17-Jährigen untersucht.

Die Forscherinnen und Forscher machen zwar insgesamt sieben verschiedene Jugendtypen aus, von denen einige auch aus dem bürgerlichen Leben ausscheren wollen. Doch eines haben sie gemeinsam, was sie von früheren Jugendgenerationen unterscheidet: Die Jugendlichen sind ernster geworden. Ernsthafter und besorgter.

Diese Prototypen gibt es

Die bescheidenen, natur- und heimatorientierten Familienmenschen mit starker Bodenhaftung.

Typische Aussage: "Ich glaube, ich werde ein typischer Mittelklassedeutscher, also mein Ziel ist es so, ich bin ein Mensch so, wie quasi meine Eltern jetzt leben. So ein Einfamilienhaus irgendwo auf dem Dorf, am besten auch in Schleswig-Holstein immer noch und dann so, ich gehe halt arbeiten, aber nicht Fulltime-Job, sondern Dreiviertelstelle oder so, dass ich auch viel in meiner Freizeit mache, mit meinen Kindern machen kann. Ich möchte ganz gerne Kinder haben, und dass ich dann einfach ein gelassener Mensch bin. Ein Mensch, der nichts Besonderes ist, sondern einfach ein Durchschnittsdeutscher."
(männlich, 16 Jahre, Migrationshintergrund)

"Fast scheint es, als sei der Jugend der Spaß abhandengekommen", schreibt das Team aus sechs Autorinnen und Autoren im Fazit der Studie. Glamour, Party und Konsum seien für die Jugendlichen heute nicht mehr so wichtig, egal welchem Milieu man sie zuordne.

Hedonismus sei nicht mehr typisch für die Jugend, aber auch Provokation und Abgrenzungen kommen kaum noch vor. "Die Ära generationsprägender Jugendkulturen beziehungsweise Jugendsubkulturen ist endgültig vorbei", so das Forschungsteam.

Die Grundstimmung der Jugendlichen: gedämpft optimistisch

Für die Studie haben die Forscherinnen und Forscher des Sinus-Instituts für Markt- und Sozialforschung unter anderem im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung 72 Jugendliche ausführlich und teils wiederholt befragt. Die Ergebnisse sind zwar nicht statistisch repräsentativ, doch die Methode macht die Perspektiven und Nöte der Jugendlichen so anschaulich wie bei kaum einer anderen Studie.

Bei den Jugendlichen stehen die Werte Leistung und Selbstverantwortung wie schon in der Vorgängerstudie von 2016 hoch im Kurs. Allerdings habe die Skepsis gegenüber dem neoliberalen Wettbewerbsparadigma zugenommen. Die Grundstimmung der Jugendlichen sei: gedämpft optimistisch.

Denn die Jugendlichen haben zahlreiche Zukunftsängste, analysieren die Forschenden:

  • Die Generation ist nicht sonderlich zufrieden. Zwar sei niemand absolut unzufrieden, aber auch kaum jemand enthusiastisch. Besonders bildungsferne Jugendliche befürchten, dass ihnen der soziale Abstieg droht.

  • Egal aus welchem Bildungsmilieu sorgen sich Jugendliche, wie der Übergang ins Erwachsenenleben und den Beruf gelingt.

  • Der Klimawandel und Umweltschutz beschäftigen die Generation sehr. Gleichzeitig haben die Jugendlichen nicht das Gefühl, dass diese Probleme von der älteren Generation ernst genug genommen werden. Dem stehen die Jugendlichen der Studie zufolge weitgehend ohnmächtig und zunehmend verdrossen gegenüber. Viele hätten das Gefühl, nichts ausrichten zu können, und sind wenig motiviert, Missstände anzuprangern. Zwar steige das politische Interesse, nicht aber die Bereitschaft, sich zu engagieren.

  • Außerdem machen sich viele Jugendliche Sorgen, wie sich das Thema Migration entwickelt. Trotz überwiegender Akzeptanz von Vielfalt in der Gesellschaft verunsichert die anhaltende Zuwanderung weite Teile der Jugend. Im Vergleich zur Vorgängerstudie vertritt heute aber ein kleinerer Teil der Jugendlichen strikt einseitige Positionen für oder gegen Asyl- und Flüchtlingsmigration. Die Mehrheit der Befragten sieht heute sowohl positive als auch negative Aspekte.

  • Weitere Sorgen, die immer wieder angesprochen werden, sind der erlebte Leistungsdruck in der Schule oder der Arbeitswelt, der notorische Zeitmangel, befürchtete Misserfolge sowie die unterschwellige Angst, einem Freund oder der Familie könnte etwas Schlimmes passieren.

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Die Befunde der Jugendstudie lassen oft schon einen Schluss auf einen zukünftigen Wertewandel in der gesamten Gesellschaft zu, heißt es im Forschungsbericht. Die Jugendlichen seien dafür eine Art Frühindikator. So ließ sich in den Vorgängerstudien das Ende der "deutschen Spaßgesellschaft" bereits am Rückgang des jugendtypischen Hedonismus erkennen. Der Trend setzt sich nun offenbar fort hin zur bürgerlich-ernsten Gesellschaft.

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