Hochschulstart mit Hürden So viele Studiengänge haben einen Numerus clausus

Fach aussuchen, einschreiben, studieren? In manchen Bundesländern ist das gar nicht so einfach im kommenden Wintersemester. Trotzdem haben viele Studienanfänger gute Chancen auf einen Platz – wenn sie flexibel sind.
Studierende im Hörsaal: »Sollte der Wunschstudiengang an der Lieblingshochschule belegt sein, lohnt sich der Blick auf andere Hochschulen«

Studierende im Hörsaal: »Sollte der Wunschstudiengang an der Lieblingshochschule belegt sein, lohnt sich der Blick auf andere Hochschulen«

Foto: Franziska & Tom Werner / Getty Images

Genau 395.039 Erstsemester haben sich zum vergangenen Wintersemester an den deutschen Hochschulen eingeschrieben. Ähnlich hoch dürfte die Zahl im kommenden Herbst sein – doch viele von ihnen müssen dafür eine Hürde nehmen.

Die gute Nachricht: Die Mehrzahl der über 21.000 Studiengänge steht ohne Auswahlverfahren offen, 60,3 Prozent der Studienangebote haben keinen Numerus clausus (NC). Das heißt allerdings im Umkehrschluss: Knapp 40 Prozent der Studiengänge sind zulassungsbeschränkt. Dabei gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Bundesländern und einzelnen Hochschulen.

Das geht aus dem »Check Numerus Clausus«  des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) hervor. Er liegt dem SPIEGEL vor und soll am Mittwoch veröffentlicht werden.

Die meisten Zulassungsbeschränkungen gibt es demnach in Hamburg (64,8 Prozent der Studiengänge), im Saarland (64,1 Prozent) und Berlin (60,8 Prozent). Rechnerisch einfacher ist der Zugang zu einem Studium in Thüringen (20,7 Prozent), Rheinland-Pfalz (24,2 Prozent) und Brandenburg (25,7 Prozent).

Erhebliche Unterschiede zeigen sich auch beim Vergleich einzelner Hochschulstädte. Bei den großen Hochschulorten mit mehr als 17.000 Studierenden sind die Zugangshürden in Saarbrücken (64 Prozent) und Leipzig (61 Prozent) besonders hoch.

Ganz anders ist die Situation in Aachen, wo sogar mehr als 60.000 Studierende lernen: Hier liegt die diesjährige NC-Quote dem CHE zufolge bei nur 25 Prozent.

Und es gibt weitere Faktoren, die Einfluss auf die NC-Quote an den Hochschulen haben:

  • Bestimmte Fächer sind stärker betroffen als andere. So ist in den Rechts-, Wirtschafts-, Gesellschafts- und Sozialwissenschaften bundesweit etwa jeder zweite Studiengang zulassungsbeschränkt. In den Ingenieurwissenschaften dagegen betrifft der Numerus clausus nur etwa ein Drittel der Studiengänge.

  • Die Hochschulart spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: »Studiengänge an Universitäten sind zu einem geringeren Anteil (36,9 Prozent) mit einem NC belegt als die an Hochschulen für angewandte Wissenschaften/ Fachhochschulen (41,3 Prozent).«

  • Geringer ist dagegen der Effekt durch die Art des Studiengangs: Bachelorstudiengänge (40,0 Prozent) und Masterangebote (39,5 Prozent) liegen bei der NC-Quote fast gleichauf.

Die Studie

Der »Check Numerus Clausus« wird vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) herausgegeben. Die Einrichtung versteht sich als Thinktank für Hochschulpolitik. Gesellschafterinnen sind die Bertelsmann Stiftung und die Stiftung zur Förderung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Autorinnen und Autoren des Berichts sind Anna Gehlke, Cort-Denis Hachmeister und Lukasz Hill.

»Gerade nach den herausfordernden letzten beiden Jahren ist es eine gute Nachricht für die Studieninteressierten des aktuellen Abiturjahrgangs, dass ihnen mehr als die Hälfte aller Studienangebote ohne Einschränkung offensteht«, sagt Frank Ziegele, Geschäftsführer des CHE.

Er verweist auf eine langfristig positive Entwicklung: »Es spricht für eine umsichtige Planung von Hochschulen und Politik, dass trotz anhaltend hoher Studierendenzahlen die NC-Quote bei Bachelorstudiengängen seit 2013 um mehr als 11 Prozentpunkte gesunken ist.«

Lassen sich aus den Daten Bewerbungsstrategien für Studienbewerberinnen und -bewerber ableiten? »Sollte der Wunschstudiengang an der Lieblingshochschule mit einem Numerus clausus belegt sein, lohnt sich eigentlich immer der Blick auf andere Hochschulen«, sagt Cort-Denis Hachmeister, einer der Autoren der CHE-Auswertung.

Oft gebe es gleichwertige Studienangebote ohne Zulassungsbeschränkungen, auf die man umsteigen könne – manchmal mit anderem Titel. Und je größer die räumliche Flexibilität der Erstsemester sei, desto entspannter sei die Situation: »Außer in den wenigen bundesweit zulassungsbeschränkten, universitären Studienfächern Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie sowie in Psychologie gibt es praktisch immer auch eine Studienalternative ohne Zulassungsbeschränkung an einer staatlichen Hochschule«, sagt Hachmeister.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.