Spanien Boykotts, Streiks und Quarantäne zum Schuljahresstart

Den Start ins neue Schuljahr hatte sich die spanische Bildungsministerin eleganter vorgestellt: Am ersten Schultag ging es in vielen Klassen nicht um Unterricht - sondern um Protest von Eltern und Lehrkräften.
"Wir schicken die Kinder doch nicht in Risikogebiete": Schulkinder am ersten Tag nach monatelanger Schließung in Pamplona

"Wir schicken die Kinder doch nicht in Risikogebiete": Schulkinder am ersten Tag nach monatelanger Schließung in Pamplona

Foto: Alvaro Barrientos / dpa

Zahlreiche Zwischenfälle haben die Wiederaufnahme des Unterrichts nach rund sechsmonatiger Pandemiepause im Corona-Hotspot Spanien überschattet. In der 11.000-Einwohner-Gemeinde Santoña in der nördlichen Region Kantabrien boykottierte der größte Teil der Eltern den Schulbeginn, wie Medien berichteten. Der Ort ist wegen vieler Neuinfektionen derzeit abgeriegelt.

In der Grundschule "Macias Picavea" etwa seien am Montag nur 21 der 500 eingeschriebenen Kinder erschienen, in "Juan de la Cosa" nur sieben von 350. "Es ist nicht logisch, dass bei uns alles zu ist und die Kinder zur Schule müssen", wurde Gloria Izan, Mitglied des "Juan de la Cosa"-Elternrates, von der Zeitung "El País" zitiert.

Auch in anderen Regionen des Landes riefen Elternverbände zum Boykott auf. In mehreren Städten Andalusiens, wo am kommenden Montag der Unterricht wieder beginnen soll, wurde dazu aufgerufen, zum Zeichen des Protests gegen unsichere Bedingungen die Schulranzen an Balkone und Fenster zu hängen. Dabei hatte Bildungsministerin Isabel Celaá die Eltern bereits Ende August vor einem Schulboykott aus Angst vor dem Virus gewarnt. "Die Präsenz in den Klassenräumen ist Pflicht", sagte sie.

Auch Proteste von Lehrkräften

In Madrid, der von den Neuausbrüchen zuletzt am stärksten betroffenen Region Spaniens, protestieren nicht nur die Eltern, sondern auch Lehrerinnen und Lehrer. Sie kündigten für Ende September eine zweitägige Arbeitsniederlegung und Kundgebungen an.

In der Hauptstadt wurde derweil am angesehenen privaten Lycée Français eine Grundschulklasse in Quarantäne geschickt. Ein Schüler sei nach dem Schulbeginn am vorigen Freitag positiv getestet worden, teilten die regionalen Behörden mit.

Die mehr als 410.000 Vor- und Grundschulkinder an den öffentlichen Schulen Madrids kehrten am Dienstag in die Klassenräume zurück. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso versuchte, die Eltern zu beruhigen: "Wir schicken die Kinder doch nicht in Risikogebiete."

In Spanien gilt für Kinder ab sechs Jahren auf dem Schulgelände fast immer und überall eine Maskenpflicht. Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler müssen sich außerdem täglichen Temperaturmessungen unterziehen.

Seit Ende Juni steigt die Zahl der Neuinfektionen in Spanien wieder an. Die Zahl der Ansteckungen seit Ausbruch der Pandemie überschritt am Montag die Marke von 500.000. Sie liegt damit höher als in jedem anderen westeuropäischen Land.

him/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.