Miriam Olbrisch

SPIEGEL-Bildungsnewsletter Ihr Kinderlein kommet … bitte gut durch diesen Virenwinter!

Miriam Olbrisch
Von Miriam Olbrisch, SPIEGEL-Bildungsteam

Liebe Leserinnen, liebe Leser, guten Morgen,

na, läuft auch bei Ihnen die Nase? Kratzt der Hals? Immer noch? Schon wieder? Oder ausnahmsweise gerade mal nicht? Wir haben es irgendwie kommen sehen: Schon im Sommer warnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor einem neuen Coronaherbst, dem mittlerweile dritten. Hinzu kommt eine Grippewelle, außerdem haben sich gerade sehr viele Kinder mit dem RS-Virus angesteckt. Die Folge: Unterricht fällt aus, weil natürlich auch Lehrkräfte krank werden. Und wenn unterrichtet wird, dann oft nur mit halber Klassenstärke.

Dabei wollten wir doch jetzt, wo die Pandemie (hoffentlich) in die endemische Phase übergeht, endlich die Lernlücken aus den letzten beiden Coronawintern aufholen. Mein Eindruck ist: Deutschlands Schulen sind auf die erneute Krankheitswelle – wieder – nicht gut vorbereitet. Dazu hatte ich letzte Woche einen Kommentar geschrieben . Verraten Sie uns gern, wie Sie die jetzige Situation an Ihrer Schule oder in Ihrer Familie erleben. Wir freuen uns über E-Mails an bildung@spiegel.de .

Untersuchung beim Kinderarzt

Untersuchung beim Kinderarzt

Foto: Science Photo Library / IMAGO

Immerhin: Die Kultusministerinnen und Kultusminister gehen davon aus, dass der Coronaspuk nun ein Ende haben wird. Letzte Woche einigten sie sich darauf, dass Jugendliche im Abschlussjahrgang 2023 keine Nachteile aus der »pandemiebedingten Ausnahmesituation« erfahren sollen. Die Länder dürfen auch diesmal wieder Prüfungserleichterungen für das Abitur, den Mittleren und den Ersten Schulabschluss beschließen – allerdings »letztmalig«, wie die Politikerinnen und Politiker ausdrücklich betonen . Halleluja!

Das war die letzte Ausgabe der Kleinen Pause für dieses Jahr. Wir wünschen Ihnen fröhliche Festtage und erholsame Weihnachtsferien. Wir lesen uns wieder in 2023!

Herzliche Grüße

Miriam Olbrisch
für das Bildungsteam des SPIEGEL

Feedback & Anregungen? 

Das ist los

1. Wenn die Basis bröckelt

Deutschlands Grundschulen werden ihrem Bildungsauftrag nicht mehr gerecht, allen Kindern die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen zu vermitteln. Zu diesem vernichtenden Urteil kommt ein 16-köpfiges Wissenschaftsgremium, das im Auftrag der Kultusministerkonferenz (KMK) arbeitet. Die Fachleute meckern aber nicht nur, sie haben auch einen ganzen Strauß konstruktiver Vorschläge aufgeschrieben, wie sich die Misere beheben ließe. Meine Kollegin Silke Fokken hat das Papier analysiert .

2. Husten, Schnupfen – Krankenhaus?

Kinderintensivstation in Essen

Kinderintensivstation in Essen

Foto:

Fabian Strauch / DER SPIEGEL

Bis zu 40 Prozent der Schülerinnen und Schüler fehlen derzeit krankheitsbedingt, bei den Kitas in der Hauptstadt sind es sogar 75 Prozent – diese alarmierenden Zahlen hat der »Tagesspiegel« zusammengetragen . Was die derzeitige Corona-Grippe-RSV-Welle für die Kinderkliniken bedeutet, hat ein Team des SPIEGEL recherchiert. Den Bericht kann man in der aktuellen Ausgabe oder auf S+ nachlesen .

3. Lesen, lesen, lesen – aber bitte analog!

Kinder, die selten oder nie ein Buch in die Hand nehmen, haben einen vergleichsweise kleinen Wortschatz. Zu diesem – zugegeben, wenig überraschenden – Ergebnis kommt eine Forschergruppe von der Technischen Universität Dortmund. Was mich erstaunt hat: Selbst Kinder, die viel am Bildschirm lesen, schneiden kaum besser ab.

Vielleicht ist das noch einmal ein Anstoß, zu Weihnachten das eine oder andere Buch zu verschenken. Agnes Sonntag, Buchexpertin vom Kindermagazin »Dein SPIEGEL«, hat eine Liste mit tollen Schmökern zusammengestellt.

4. Und sonst noch?

Bettina Stark-Watzinger Anfang Dezember im Bundestag

Bettina Stark-Watzinger Anfang Dezember im Bundestag

Foto:

Michael Kappeler / dpa

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat einen neuen Vorschlag: Lehrkräfte sollten »leistungsorientiert« bezahlt werden, sagte sie in einem Interview. Woran sie die Leistung der Lehrkräfte messen möchte, ließ die FDP-Ministerin offen. Heinz-Peter Meidinger, Präsident des Deutschen Lehrerverbands, unterstützt die Idee. Ihm schwebt eine Leistungsprämie in Höhe von zehn Prozent des Gehalts vor.

Und noch einmal Bettina Stark-Watzinger: Die Bundesministerin hat sich mit Karin Prien (CDU), der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, auf Bestreben der »ZEIT«-Redaktion zu einem lesenswerten Streitgespräch getroffen . Die Spannung zwischen den Frauen, respektive zwischen Bund und Ländern, trieft förmlich aus jeder Zeile.

Der Bürgerrat Bildung und Lernen hat einen Offenen Brief verfasst . Darin fordern die Kinder und Jugendlichen unter anderem ein neues Schulfach namens »Lernen fürs Leben« und einen späteren Unterrichtsbeginn ab 9 Uhr. Der Bürgerrat Bildung und Lernen ist ein Gremium aus zufällig ausgelosten Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus ganz Deutschland, die Ideen für ein zukunftsfähiges Bildungssystem entwickeln.

Zahl der Woche

169,3 Milliarden Euro

haben Bund, Länder und Kommunen in Deutschland im Jahr 2021 für Bildung ausgegeben – und damit rund 3,3 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Das meldet das Statistische Bundesamt . Knapp die Hälfte der öffentlichen Bildungsausgaben (48,9 Prozent) floss in Schulen, ein knappes Viertel in die Kindertagesbetreuung.

Debatte der Woche

Garderobe in einer Kindertagesstätte (Symbolbild): »Kapazitätsauslastung« ist kein Argument

Garderobe in einer Kindertagesstätte (Symbolbild): »Kapazitätsauslastung« ist kein Argument

Foto: Friso Gentsch / dpa

Kinder, bitte zusammenrücken!

Wenn Eltern keinen Betreuungsplatz für ihre Kleinkinder bekommen, weil das Personal fehlt, können Kitas künftig die Gruppen für eine gewisse Zeit überbelegen. Die Eltern haben schließlich einen Rechtsanspruch. Das hat diese Woche das Verwaltungsgericht in Mannheim entschieden. Meine Kollegin Silke Fokken sieht diese Entwicklung kritisch:

Kitas sollen die Bildung in Deutschland retten. So lautet, grob verkürzt, das Mantra aus Politik und Wissenschaft. Eine gute Idee! Wie sehr Anspruch und Wirklichkeit allerdings auseinanderklaffen, illustrieren zwei Meldungen aus der vergangenen Woche.

Den Grundschulen gelingt es nicht mehr, allen Kindern die Grundlagen in Deutsch und Mathematik zu vermitteln. Zu diesem Ergebnis kommt die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz. Es bestehe dringend Handlungsbedarf. Die Kommission fordert unter anderem eine Art Kitapflicht für Kinder mit Sprachdefiziten.

Nur: Bevor Kitas ansatzweise die Bildung retten könnten, müssten sie erst mal selbst gerettet werden. In den Einrichtungen herrscht eklatanter Personalmangel, Plätze sind vielerorts knapp, und in fast keinem Bundesland werden Studien zufolge zumindest den Vorgaben nach kindgerechte Betreuungsschlüssel eingehalten.

Am Dienstag verkündete nun ein Gericht, fehlende Kapazitäten infolge des Personalmangels seien kein Grund, Eltern einen Kitaplatz zu verweigern. Gruppen dürften vorübergehend überbelegt werden. Wenn der Staat in den vergangenen Jahren also nicht die nötigen Voraussetzungen geschaffen hat, um den Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz umzusetzen, müssen das nun Kinder und Kitabeschäftigte ausbaden. Es ist die billigste Art, mit dem Problem umzugehen – und die schäbigste .

Wie denken Sie darüber? Wir freuen uns über Zuschriften an bildung@spiegel.de .

Die skurrile Nachricht zum Schluss

House of Lords: Nur 44 Prozent der scherzhaft als Westminster Class of 2022 bezeichneten Parlamentarier erreichten das erwartete Niveau in Mathematik

House of Lords: Nur 44 Prozent der scherzhaft als Westminster Class of 2022 bezeichneten Parlamentarier erreichten das erwartete Niveau in Mathematik

Foto: Kirsty Wigglesworth / dpa

Abgeordnete aus dem britischen Parlament haben einen Test für Sechstklässler in England nachgeschrieben – und dabei durchschnittlich schlechter abgeschnitten als die bereits im Sommer geprüften Zehn- und Elfjährigen. Nur 44 Prozent bestanden die Matheprüfung, in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung fiel rund die Hälfte durch.

Das war’s für dieses Mal. Haben Sie ein Thema auf dem Herzen, das wir uns einmal genauer anschauen sollten? Dann schreiben Sie gern an bildung@spiegel.de  – das Team der »Kleinen Pause« dankt für Ihr Interesse!

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.