Swantje Unterberg

SPIEGEL-Bildungsnewsletter Wer denkt bei Tests noch an Prüfungen?

Liebe Leserinnen, liebe Leser, guten Morgen,

sie frage ja nur für einen Freund, schrieb die Virologin Isabella Eckerle auf Twitter, aber: »gabs eigentlich schon einen #Pandemie -Film, wo die Erwachsenen dann endlich einen Impfstoff hatten & man dann beschlossen hat, alle #Kinder  mit dem neuen Virus einfach zu durchseuchen?«

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Bei vielen von uns und Ihnen hat sich dieser Film in den vergangenen Wochen nicht nur vor dem inneren Auge abgespielt, seit sich Omikron von Nord nach Süd durch die Republik fräst und kaum eine Schule oder Kita auslässt. »Danke für nichts«, kommentiert Vera Schröder in der »Süddeutschen Zeitung« : Sie kritisiert, dass die Schulen »nach zwei Jahren SCHEISSCORONA« einfach mit Stress und Leistungsdruck weitermachten: »Neun Monate (teil)geschlossene Schulen deutschlandweit, um die Alten zu schützen, und zur Belohnung eine planlose Durchseuchung im darauffolgenden Winter inklusive Leistungsdruck. Als wäre nichts gewesen. Das allerdings haben wir super hingekriegt.«

Dabei kritisierte etwa der Bayerische Elternverband wiederholt, Lehrkräfte versuchten, die entstandenen Lücken mit Übereifer zu schließen. Bei den Kindern werde großer Druck aufgebaut.

Podcast Cover

Umso erstaunlicher, dass das Thema Tests in der politischen Debatte fast nur in puncto PCR oder Schnelltests eine Rolle spielt. Je nach Bundesland wird die Testpflicht reduziert, ausgelagert oder bald ganz abgeschafft. Und Masken? Sollen auch sukzessive verschwinden. (»Das ist los«)

»In der aktuellen Diskussion über zeitnahe Lockerungen von Infektionsschutzmaßnahmen fehlt der Wille zu einer Langzeitstrategie«, kritisiert Virologin Eckerle, die mehr kann als bissige Ironie. Im »Tagesspiegel« plädiert sie  für mehr Schutz und Weitblick: »Die Verantwortung und Wertschätzung Kindern und Familien gegenüber erfordert es nun, besser vorbereitet in den nächsten Winter zu gehen. Es wäre unverzeihlich, wenn sich die aktuelle Situation wiederholen würde.«

Wie geht es Ihnen als Mutter, Vater, Lehrer oder Schülerin? Ich frag nur so, für einen Freund. 😉 Schreiben Sie gern per E-Mail an bildung@spiegel.de .

Für das Bildungsteam des SPIEGEL
Swantje Unterberg

Das ist los

Foto: Frank May / picture alliance

1. Lockerungsübungen in Welle vier

Familien scheinen in einem Paralleluniversum zu leben, kommentiert meine Kollegin Miriam Olbrisch : »Während landauf, landab über Lockerungen diskutiert wird, hat das Coronavirus ihren Alltag noch immer fest im Griff.«

Wie das an Ihrer Schule oder der Ihrer Kinder aussehen wird, hängt – natürlich – davon ab, in welchem Bundesland Sie leben. Tests und Maske könnten mancherorts zumindest bald passé sein. Die Pläne der einzelnen Länder haben wir zuletzt hier zusammengefasst.

2. Digitalisierung dank Apple?

Wenn die Pandemie in Schulen etwas Positives bewirkt hat, dann ist es ein Digitalisierungsschub. Das reicht an vielen Schulen aber bei Weitem nicht, oft sind die Kompetenzen und das Engagement Einzelner gefragt. Doch was ist, wenn Lehrkräfte sich dabei offenbar einem Konzern besonders nahe fühlen? Dieser Frage ist das spendenfinanzierte Recherchezentrum »Correctiv« in seiner Geschichte »Die Apple-Lehrer«  nachgegangen.

3. Und sonst so?

Lehrkräfte können verpflichtet werden, die Coronatests in ihrer Klasse zu beaufsichtigen. Das hat das Verwaltungsgericht Trier entschieden. Ein Gymnasiallehrer aus Rheinland-Pfalz wollte die Coronatests seiner Schülerinnen und Schüler nicht überwachen – er sei Risikopatient. Das Gericht ist dieser Argumentation allerdings nicht gefolgt.

Ebenfalls erfolglos geklagt hat ein Grundschüler aus Bünde. Er wollte erreichen, dass sein Klassenzimmer einen Luftfilter bekommt, damit die Temperatur beim Lüften im Winter nicht unter 20 Grad sinkt. Das Oberverwaltungsgericht in Münster lehnte dies allerdings ab. Die Gesundheitsgefahren durch kalte Raumluft einerseits und das Coronainfektionsrisiko andererseits seien mit den Infektionsschutzvorgaben »angemessen in Ausgleich gebracht«.

Zahl der Woche

1 bis 2

Konkreter geht's nicht, denn die Dunkelziffer ist hoch: Laut Berechnungen des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, sitzen in jeder Schulklasse in Deutschland ein bis zwei Schülerinnen und Schüler, die von sexueller Gewalt betroffen sind. Die Zahl ist nicht neu, aber leider weiterhin aktuell. Neu ist der Podcast »einbiszwei« aus dem Hause des Missbrauchsbeauftragten . Die Journalistin Nadia Kailouli geht im Gespräch mit Kinderschutzexperten, Fahnderinnen, Betroffenen oder Erziehungsprofis unter anderem der Frage nach, was passieren muss, damit Kinder besser geschützt sind.

Der Missbrauchsbeauftragte Rörig und sein Team versuchen seit Jahren, Lehrkräfte für das Thema zu sensibilisieren und an den Schulen Schutzkonzepte zu etablieren. Doch die Bundesländer machen zu wenig mit. Hessen überlegt nun als eines der ersten Länder, die Pflicht, einen solchen Leitfaden gegen sexuelle Gewalt an jeder Schule zu haben, ins Schulgesetz aufzunehmen, wie die »FAZ« berichtet .

Wer sich als Lehrerin oder Pädagoge unabhängig vom Engagement des eigenen Bundeslandes fortbilden will, kann das etwa im Online-»Spiel« »Was ist los mit Jaron«  tun, das ich vor Kurzem hier rezensiert und empfohlen habe.

Debatte der Woche

Foto: Markus Klümper / imago images/Markus Klümper

Nordrhein-Westfalens Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) musste vorige Woche Spott einstecken , als sie die Schulen wegen des Sturms am Donnerstag schließen ließ. »Der Sturm tut mehr für den Schutz der Kinder vor Corona als Gebauer«, stichelte etwa der Linkenpolitiker Jules El-Khatib. Und Publizist Christopher Lauer frotzelte: »Unverständlich, grad bei Kindern gibt es oft kaum Sturmschäden und die Verläufe sind meistens sehr milde.«

Eine Debatte entstand aber schließlich darüber, ob es nach zwei Jahren Pandemie und entsprechender Erfahrung nicht hätte möglich sein müssen, die Schülerinnen und Schüler an dem Tag online zu unterrichten – eine entsprechende Aufforderung gab es aus dem Ministerium nämlich nicht. Während etwa CDU-Politiker Ruprecht Polenz argumentierte, Lehrkräfte könnten den Unterricht nicht per Knopfdruck von analog auf digital umstellen, sagte Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hingegen, es mangele nicht an der Kompetenz der Lehrerinnen und Lehrer, sondern lediglich an der Technik.

Wie sehen Sie das? Schreiben Sie uns gern an bildung@spiegel.de .

Wir verabschieden uns bis zum nächsten Mal, der Newsletter erscheint wieder am 8. März. Das Team der »Kleinen Pause« dankt für Ihr Interesse!

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