Corona-Berichterstattung Wissenschaftler wehren sich gegen »Bild«-Zeitung

Eine Allianz von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern wirft der »Bild«-Zeitung gezielte Diffamierungen vor – und ruft zu mehr Sachlichkeit in der Coronapandemie auf.
Wissenschaftliche Labormitarbeiter analysieren Coronatests (Archivbild)

Wissenschaftliche Labormitarbeiter analysieren Coronatests (Archivbild)

Foto: Daniel Karmann / dpa

»Einseitig« und »diffamierend«: Die Allianz der Wissenschaftsorganisationen wehrt sich mit scharfen Formulierungen gegen die Berichterstattung der »Bild«-Zeitung über die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in der Coronapandemie. In einer Stellungnahme der Allianz der Wissenschaftsorganisationen , der Deutschlands bedeutendste Wissenschafts- und Forschungsorganisationen angehören, heißt es, die Zeitung setze ihre »im vergangenen Jahr begonnene einseitige Berichterstattung gegen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fort«.

Anlass für die Kritik ist die »Bild«-Ausgabe vom vergangenen Samstag. Unter dem Titel »Die Lockdown-Macher«  hatte die Zeitung drei Wissenschaftlern vorgeworfen, für die 2G-Vorgaben und den damit einhergehenden Ausschluss von Ungeimpften von Restaurantbesuchen, Einzelhandel und anderen Angeboten in vielen Bundesländern verantwortlich zu sein. Untertitel: »Experten-Trio schenkt uns Frust zum Fest«.

»Dass und auf welche Weise hier einzelne Forscherinnen und Forscher zur Schau gestellt und persönlich für dringend erforderliche, aber unpopuläre Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung verantwortlich gemacht werden, ist diffamierend«, schreibt die Allianz in ihrer Stellungnahme. Sie rief zu mehr Sachlichkeit in Diskussion und Berichterstattung auf.

»Wer so abgebildet wird, muss mit Drohungen und Schlimmerem rechnen«

Der Bericht des Boulevardblatts sei ein Verstoß gegen den Pressekodex, hatten verschiedene Medien zuvor bereits kommentiert. »Die Überschrift war faktisch unwahr: Die drei Coronaforscher hatten weder einen allgemeinen Lockdown gefordert, noch haben sie die Macht, einen Lockdown ins Werk zu setzen«, stellte SPIEGEL-Kollege Mathieu von Rohr am Montagmorgen in der »Lage am Morgen« klar und warnte: »Wer so abgebildet wird, muss mit Drohungen und Schlimmerem rechnen.«

Der »RiffReporter« kommentierte  bereits am Sonntag: »Was ›Bild‹ macht, wird vor dem Hintergrund der Radikalisierung der Szene der Coronaleugner zur Gefahr für die Wissenschaft in Deutschland.« Auch die Wissenschaftsallianz kritisierte nun, die Berichterstattung trage zu einem Meinungsklima bei, in dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler physischer oder psychischer Gewalt ausgesetzt oder mit ihr bedroht würden.

»Wenn wir uns weltweit für Wissenschaftsfreiheit einsetzen, muss sie unbeschränkt auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland garantiert werden«, sagte DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee gegenüber dem SPIEGEL. »Die Berichterstattung der ›Bild‹-Zeitung nimmt inzwischen ein unerträgliches und wissenschaftsfeindliches Ausmaß an.«

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