Bericht des Studentenwerks 120.000 Studierende haben Corona-Nothilfe beantragt

100 Millionen Euro wollte das Bundesbildungsministerium als Nothilfe verteilen, aber nur 65 Millionen Euro wurden von Studierenden abgerufen: Im September ist der Hilfsfonds ausgelaufen, jetzt liegt der Abschlussbericht vor.
Studierende in Frankfurt/Main (Archivbild)

Studierende in Frankfurt/Main (Archivbild)

Foto: Frank Rumpenhorst/ picture alliance/dpa

Seit dem Sommer haben bundesweit fast 120.000 Studierende Corona-Nothilfen bei den Studentenwerken beantragt. Vier Monate lang konnten sie, je nach persönlicher Situation, jeweils bis zu 500 Euro erhalten, mussten dafür aber immer wieder neue Anträge stellen.

Insgesamt seien so zwischen Juni und September 244.000 Anträge auf Soforthilfe gestellt worden, berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe. Demnach wurden 63 Prozent der Anträge bewilligt und 36 Prozent abgelehnt. Bei einem Prozent laufen noch Nachfragen.

Die Zahlen stammen aus dem Abschlussbericht des Deutschen Studentenwerks (DSW), das die Nothilfe im Auftrag des Bundesbildungsministeriums verwaltet und ausgezahlt hatte. Von den 244.000 Anträgen seien 150.000 Fälle bewilligt worden. Ein knappes Drittel der Anträge wurde dem Bericht zufolge von ausländischen Studierenden gestellt.

Nothilfefonds nicht ausgeschöpft

Insgesamt wurden bisher rund 65 Millionen Euro als nicht rückzahlbarer Zuschuss an Studierende überwiesen - deutlich weniger als die 100 Millionen Euro, die das Bundesbildungsministerium für das Programm zur Verfügung gestellt hatte. Das Hilfsprogramm ist Ende September ausgelaufen.

Bei mehr als der Hälfte der abgelehnten Anträge befanden sich die Studierenden dem Bericht zufolge zwar in einer finanziellen Notlage, sie konnten aber nicht nachweisen, dass diese Notsituation eine direkte Folge der Pandemie war. "Für diese Studierenden brauchen wir dringend eine strukturelle Reform der Studienfinanzierung", sagte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Neben dem Nothilfefonds hatte das Bildungsministerium in der Coronakrise auch den Zugang zu Studienkrediten erleichtert. Zehntausende Studierende hatten daraufhin in den vergangenen fünf Monaten neue Kredite bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragt - insgesamt sind Anfragen für fast eine Milliarde Euro an Darlehen eingegangen. Verbraucherschützer und Bildungsexperten hatten diese Kreditangebote scharf kritisiert, weil für sie nach einer zinsfreien Anfangsphase spätestens ab April 2021 mehr als vier Prozent Zinsen fällig werden - deutlich mehr, als auf dem Kreditmarkt derzeit normalerweise verlangt wird.

him/AFP
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