Studie Bildung schützt nicht vor Schrumpfung des Gehirns

Schützen Abitur, Studium und vielleicht noch Promotion davor, dass unser Gehirn im Laufe unseres Lebens zunehmend kleiner wird? Nein, zeigt eine Studie. Bildung habe aber einen anderen messbaren Effekt aufs Gehirn.
»Irgendwann fangen die Gehirne aller Erwachsenen an zu schrumpfen« (Symbolbild)

»Irgendwann fangen die Gehirne aller Erwachsenen an zu schrumpfen« (Symbolbild)

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Stephan Scheuer/ picture alliance/ dpa

Wer nach der Schulzeit weiterlernt, beispielsweise studiert und vielleicht noch den Doktortitel dranhängt, trainiert sein Gehirn und trägt so dazu bei, dass es dem Alter trotzt und den normalen Schrumpfungsprozess stoppt – richtig? Forscherinnen und Forscher aus acht europäischen Ländern haben diese verbreitete Annahme über Jahre untersucht – und sind jetzt zu dem Resultat gekommen: Sie stimmt so nicht.

»Unsere Ergebnisse legen nahe, dass höhere Bildung die Gehirnalterung nicht verlangsamt«, sagt Lars Nyberg von der Universität Umeå in Schweden. Er ist Hauptautor der Studie »Lifebrain« und Mitglied des Forschungskonsortiums, zu dem auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung gehören. Die Ergebnisse wurden zuerst in der Fachzeitschrift »Proceedings of the National Academy of Sciences« veröffentlicht.

Die Forschenden setzen bei der bisher vorherrschenden Meinung an, wonach ein höherer Bildungsabschluss die Schrumpfung des Gehirns  im Erwachsenenalter zumindest verlangsamt oder gar aufhält. Für ihre Studie maßen sie dann das Hirnvolumen von mehr als 2000 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern. Um die Veränderungen zu erfassen, wurden die Gehirne über einen Zeitraum von bis zu elf Jahren bis zu dreimal hintereinander untersucht. Das Alter der Teilnehmenden reichte von 29 bis 91 Jahren.

Die Forschungsgruppe untersuchte die Hirnalterung, indem sie das Volumen der Großhirnrinde und des Hippocampus mithilfe der strukturellen Magnetresonanztomographie (MRT) vermaß. Das Schrumpfen dieser beiden Bereiche des Gehirns ist Teil der normalen Alterung. Die Fachleute wollten herausfinden, wie sich die Gehirne von Erwachsenen im Verlauf des Lebens verändern und ob Bildung dabei eine Rolle spielt. Mit Bildung ist in diesem Fall die Anzahl der Jahre gemeint, die Menschen in der Schule und weiterführenden Bildungseinrichtungen verbracht haben.

Die Ergebnisse zeigten zwar einen positiven Zusammenhang zwischen dem Volumen einiger Bereiche des Gehirns und dem Ausmaß an Bildung, schreibt das Max-Planck-Institut in einer Mitteilung . Jedoch habe das Hirnvolumen bei Erwachsenen mit höheren Bildungsabschlüssen mit dem Alter genauso stark abgenommen wie bei Personen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen.

»Unsere Ergebnisse bedeuten nicht, dass Bildung unwichtig ist«, betont Ulman Lindenberger, Direktor des Forschungsbereichs »Entwicklungspsychologie« am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung. »Bildung ist mit vielen Vorteilen im Leben verbunden. Aber irgendwann fangen die Gehirne aller Erwachsenen an zu schrumpfen, und die Geschwindigkeit dieser Schrumpfung wird nicht davon beeinflusst, wie viele Jahre man in der Schule verbracht hat.«

fok