Studie »Jugend in Deutschland« Geld überholt Spaß als Leistungsmotivator

Klima, Corona und jetzt auch noch der Krieg: Die Jugend befindet sich im Dauerkrisenmodus, wie eine Studie zeigt. Die Lage hat die Kriterien für die Jobwahl offenbar bereits verändert.
Die Zukunft werde als riskant erlebt, »man kann gar nicht mehr einschätzen, was passiert und was die Zukunft bringt«

Die Zukunft werde als riskant erlebt, »man kann gar nicht mehr einschätzen, was passiert und was die Zukunft bringt«

Foto: IMAGO

»Junge Menschen wollen Spaß, Sinn und Sicherheit. Der Dreiklang war in den letzten Jahren wirklich stabil. Spaß stand an der Spitze«, sagt Simon Schnetzer, Autor der Studie »Jugend in Deutschland« , die halbjährlich untersucht, wie 14- bis 29-Jährige auf aktuelle politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ereignisse reagieren. Der Spaß, das zeigt die repräsentative Befragung, ist nun in den Hintergrund getreten.

Die Generation befinde sich im Dauerkrisenmodus, sagt Schnetzer. Nach Corona und der Klimakrise ist nun der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hinzugekommen.

Informationen zur Studie »Jugend in Deutschland«

68 Prozent der Jugendlichen bereitet der Krieg in Europa Sorgen – und die anderen Krisen bleiben bestehen. »Der Krieg verdrängt sie nicht«, sagt Schnetzer. 55 Prozent der Befragten sorgen sich weiter wegen des Klimawandels, ein ähnlicher Wert wie bei der Befragung im Herbst 2021.

Der Krieg stelle alle Zukunftsaussichten der Jugend infrage und zerstöre ihr bisheriges Sicherheitsgefühl, analysiert das Autorenteam aus Schnetzer und dem Bildungsforscher Klaus Hurrelmann. Das habe direkte Auswirkungen auf die Jobpräferenz. Geld überholt demnach Spaß als wichtigsten Leistungsmotivator. Die Gründe dafür sehen die Studienautoren in den krisenbedingten wirtschaftlichen Zukunftssorgen.

»Natürlich wird Geld wichtiger durch die Inflation«, sagt Nico Tremmel bei der Vorstellung der Studie. Tremmel ist Schülersprecher in Sinsheim und wurde gemeinsam mit anderen Jugendlichen ergänzend zu der Onlineerhebung als sogenannter Trendscout befragt, um Annahmen der Forscher zu diskutieren. Es habe ihn überrascht, dass der finanzielle Aspekt nun die wichtigste Rolle bei der Berufswahl spiele.

Spaß, das stellt Schnetzer klar, hat bei jungen Menschen aber immer noch einen genauso hohen Stellenwert wie bei den vorangegangenen Erhebungen. »Geld hat sich darüber gelegt.«

Corona beeinflusst das Verhalten der 14- bis 29-Jährigen weiterhin. Sie zählten zum »Team Vorsicht« und seien in ihrer Mehrheit bereit, die Hygienemaßnahmen weiter zu befolgen und Rücksicht auf vulnerable Bevölkerungsgruppen zu nehmen, so die Studie.

Die psychische Gesundheit in der jungen Generation hat sich demnach weiter verschlechtert. Stress, Antriebslosigkeit und Erschöpfung seien die drei am häufigsten berichteten Belastungen. Sofia Tahri, Studentin und Jugendrätin und ebenfalls als Trendscout von den Forschern befragt, sagte bei der Vorstellung der Studie, das Ergebnis habe sie schockiert, allerdings könne sie das aus ihrem persönlichen Umfeld bestätigen, dort herrsche eine Art Antriebslosigkeit. Die Zukunft werde als riskant erlebt, »man kann gar nicht mehr einschätzen, was passiert und was die Zukunft bringt«.

Studentin Tahri und Schülersprecher Tremmel fordern, an den Schulen mehr Hilfen bei psychischen Problemen und zur Alltagsbewältigung anzubieten.