Umfrage der Bertelsmann Stiftung Große Mehrheit der Familien ist auf Kitaplatz angewiesen

Für viele Eltern sind Kitas unverzichtbar – das gilt laut einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung unabhängig von der Coronakrise. Neben den Entwicklungschancen für die Kinder seien oft finanzielle Gründe entscheidend.
Kita in Nordrhein-Westfalen (Archiv): Viele Eltern sind überzeugt, dass ein Kitabesuch die Entwicklung des eigenen Kindes fördert

Kita in Nordrhein-Westfalen (Archiv): Viele Eltern sind überzeugt, dass ein Kitabesuch die Entwicklung des eigenen Kindes fördert

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Wie dankbar viele Eltern sind, wenn ihre Kinder in die Kita können, ist wohl nie zuvor so deutlich geworden wie in der Corona-Pandemie mit all ihren Einschränkungen. Die große Bedeutung von Erzieherinnen und Erziehern für die Gesellschaft war den meisten Eltern jedoch schon vor der Krise klar – das geht aus einer Umfrage der Bertelsmann Stiftung hervor, die an diesem Montag veröffentlicht wird.

Hierfür wurden im Januar und Februar 2019 mehr als 4600 Eltern zu den Themen Teilhabe, Informationsbedürfnis und eigener Beteiligung an und in der Kita befragt. Die große Mehrheit (94 Prozent) war demnach davon überzeugt, dass ein Kitabesuch gut für die Entwicklung des eigenen Kindes ist. Es könne dort Neues entdecken und Kontakte zu anderen Kindern knüpfen.

Eltern wollen ihre Kinder aber nicht nur wegen deren Entwicklung betreuen lassen, sondern vor allem aus finanziellen Gründen, wie 70 Prozent der Befragten angaben. Für Familien in Ostdeutschland und Alleinerziehende spielen die finanziellen Gründe demnach noch öfter eine Rolle bei der Entscheidung, ihr Kind betreuen zu lassen.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Im Jahr 2019 wurden laut der Bertelsmann Stiftung bundesweit 34,4 Prozent der Kinder unter drei Jahren und 92,7 Prozent der Über-Dreijährigen in einer Kita oder Kindertagespflege betreut. Zehn Jahre zuvor lag die Quote bei Unter-Dreijährigen mit 17,4 Prozent bei knapp der Hälfte, bei Über-Dreijährigen bei 91,7 Prozent.

  • In östlichen Bundesländern gaben 83,5 Prozent der befragten Eltern an, dass sie ihr Kind betreuen lassen müssen, damit sie selbst Zeit haben, Geld zu verdienen. In Westdeutschland waren es 66,7 Prozent. Finanzielle Gründe wurden auch von Alleinerziehenden häufiger genannt (77,1 Prozent).

  • Weniger als die Hälfte der befragten Eltern (42,2 Prozent) gaben an, dass ihr Kind ein Jahr alt war, als es das erste Mal regelmäßig in einer Kita betreut wurde.

  • Die befragten Eltern aus den ostdeutschen Bundesländern gaben ihre Kinder im Durchschnitt mit einem Jahr und sechs Monaten regelmäßig in die Kita. In westdeutschen Bundesländern lag der Durchschnitt bei zwei Jahren und einem Monat.

  • Je höher das monatliche Nettoeinkommen und die Bildung der Eltern, desto früher wurden deren Kinder regelmäßig in einer Kita betreut.

  • Ein Großteil der Eltern gab an, mit dem Feedback ihrer Kita zur Entwicklung des Kindes zufrieden zu sein (89,9 Prozent).

  • Fast zwei Drittel aller Eltern (60,3 Prozent) wurden von den Erziehern häufig oder immer darüber informiert, wie der Tag des Kindes in der Kita war.

Von Januar bis März 2019 führte die Bertelsmann Stiftung zum dritten Mal die bundesweite Elternbefragung ElternZoom durch. In Kooperation mit Infratest dimap wurden Eltern von Kita-Kindern zu den Themen Teilhabe, Informationsbedürfnis und Beteiligung an der Kita befragt.

Laut der Bertelsmann Stiftung fehlt es allerdings weiterhin an Betreuungsplätzen in den Kitas. Zudem können die Erzieherinnen und Erzieher nicht ihrem Bildungsauftrag nachkommen, weil zu wenig Personal da sei. Sie müssen ihre Kapazitäten nutzen, um zumindest ihre Aufsichtspflicht erfüllen zu können. Im Westen betreut eine Fachkraft durchschnittlich 3,6 Kinder unter drei Jahren, im Osten sind es 5,7 Kinder.

»Die Kita gilt längst als eine Bildungseinrichtung, in die Eltern ihre Kinder gerne geben wollen. Doch es fehlt an Plätzen, Fachkräften und kindgerechter Qualität«, sagt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Damit alle Eltern unabhängig von ihrem Wohnort ihre Kinder gut und verlässlich betreuen lassen können, müssten insbesondere die Krippenplätze weiter bedarfsgerecht ausgebaut werden, fordert die Stiftung.

Wichtig seien bundeseinheitliche Standards für kindgerechte Personalschlüssel. Das »Gute-Kita-Gesetz«,  mit dem der Bund die Länder seit Januar 2019 mit 5,5 Milliarden Euro bei der Verbesserung der Qualität in den Kitas unterstützt, sollte nicht im Jahr 2022 auslaufen, sondern ab 2023 verstetigt werden. Die Kitas bräuchten eine langfristige und verlässliche Finanzierungsbeteiligung des Bundes.

kha
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