7,82 Prozent Zinsen Studierendenwerk kritisiert KfW-Studienkredit
Studierende in einer Vorlesung in Münster: »Dieser hohe Zinssatz ist eine hohe Last«
Foto: Rolf Vennenbernd / dpaDer Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks hat die jüngste Erhöhung des Zinssatzes beim KfW-Studienkredit auf 7,82 Prozent kritisiert: »Die Zinsen beim KfW-Studienkredit laufen aus dem Ruder«, sagte Matthias Anbuhl dem SPIEGEL. »Dieser hohe Zinssatz ist für viele Studierende, die den Kredit in Anspruch nehmen, eine hohe Last.«
Der Studienkredit der öffentlich-rechtlichen Bank hat während der Coronapandemie einen Nachfrageboom erlebt. Allein im ersten Pandemiejahr hat sich die Zahl der Anträge mit 48.600 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.
»Stinknormaler Bankkredit, der teuer bezahlt werden muss«
Zu dem rasanten Anstieg beigetragen haben die damals geänderte Vertragsmodalitäten. Der KfW-Studienkredit wurde während der Pandemie befristet zinsfrei gestellt – ging aber schon davor mit einem deutlich über dem Marktdurchschnitt liegenden Zinssatz von vier Prozent einher.
Andreas Keller, Hochschulexperte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte damals im SPIEGEL-Interview, es handele sich letztlich »um einen stinknormalen Bankkredit, der als zinsloses Darlehen verkauft wird, in Wirklichkeit aber teuer bezahlt werden muss«.
Im Oktober 2022 wurde die zinsfreie Phase beendet und der Zins effektiv auf über sechs Prozent erhöht. Im April dieses Jahres stieg er dann auf effektiv 7,82 Prozent – das sei ein »historischer Höchststand«, teilte das Portal »Studis online« mit, das die Zinsentwicklung der vergangenen Jahre dokumentiert.
»Diese Entwicklung zeigt einmal mehr: Studienkredite sind mit höchster Vorsicht zu betrachten«, sagte Studierendenwerks-Vorstand Anbuhl. Sie müssten das letzte Mittel der Wahl sein, wenn Eltern, Bafög, Nebenjob oder Stipendien nicht griffen, so Anbuhl. »Gerade der KfW-Studienkredit als Angebot einer staatlichen Förderbank muss einen möglichst niedrigen Zinssatz aufweisen«, forderte er, »sonst droht eine hohe Verschuldung.«
Das Bafög müsse dringend mehr Studierenden zugänglich gemacht werden, sagte Anbuhl, damit »endlich wieder mehr als die derzeit elf Prozent der Studierenden vom Bafög profitieren«. Er erinnerte an die im Koalitionsvertrag vereinbarte Bafög-Reform, sie müsse nun rasch kommen.
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts galten im Jahr 2021 knapp 38 Prozent der Studierenden als armutsgefährdet. Durch die hohe Inflation und die Energiepreise werden sie aktuell zusätzlich belastet.