Kassel Freispruch für Biologieprofessor im Prozess um Aussagen über Homosexuelle

Die Äußerungen Ulrich Kutscheras seien von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen: Im Berufungsprozess um beleidigende Aussagen über Homosexuelle wurde der Biologieprofessor nun freigesprochen.
Ulrich Kutschera (Archivbild)

Ulrich Kutschera (Archivbild)

Foto: Göran Gehlen / dpa

Der Kasseler Biologieprofessor Ulrich Kutschera hatte homosexuelle Beziehungen mit Kindesmissbrauch in Zusammenhang gebracht. Daraufhin hatten im Jahr 2017 mehrere Menschen – darunter Homosexuelle – den Professor der Uni Kassel angezeigt. Nun wurde Kutschera im Berufungsprozess freigesprochen, wie auch die »Hessenschau« berichtet .

Das Landgericht Kassel habe keinen Straftatbestand als erfüllt angesehen, teilte ein Sprecher am Mittwoch mit. Nach Auffassung der Richter seien die Äußerungen des Professors von der Meinungsfreiheit gedeckt gewesen. In erster Instanz war dieser im vergangenen August vom Amtsgericht Kassel wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von 6000 Euro verurteilt worden.

Kutschera war laut dem Gerichtssprecher nach seiner Verurteilung in Berufung gegangen. Auch die Staatsanwaltschaft rief die zweite Instanz an. Damit habe erreicht werden sollen, dass der Professor auch wegen Volksverhetzung verurteilt wird, erläuterte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde. Die Richter verwarfen aber die Berufung der Anklage.

Kutschera hatte 2017 im Gespräch mit dem Internetportal kath.net zum Thema »Ehe für alle« über homosexuelle Beziehungen hergezogen. Unter anderem hatte er gesagt, er sehe durch das Adoptionsrecht für homosexuelle Menschen »staatlich geförderte Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch auf uns zukommen«. In gleichgeschlechtlichen Ehen lebende Kinder soll Kutschera laut Anklage als »bemitleidenswerte Befruchtungs-Produkte« bezeichnet haben, deren Erziehung in Form »geistiger Vergewaltigung« erfolge.

Die Äußerungen hatten unter Studierenden der Universität Kassel Proteste ausgelöst und auch die hessische Landesregierung sowie das Rektorat der Universität auf den Plan gerufen.

Kutschera hatte im Sommer 2020 seine Zitate verteidigt. Er warf den Kritikern und der Staatsanwaltschaft vor, diese falsch zu verstehen und aus dem Kontext zu reißen. Im Grunde gehe es Kutschera um eines, sagte sein Anwalt: »Er hegt Befürchtungen hinsichtlich psychischer Probleme bei Kindern aus gleichgeschlechtlichen Partnerschaften.«

Über den am Dienstag erfolgten Freispruch hatten zuvor mehrere Medien berichtet. Das erstinstanzliche Urteil ist demnach mit der noch nicht rechtskräftigen Entscheidung des Landgerichts aufgehoben.

kha/dpa