Wegen Coronakrise Bundesweit 165 Schulen komplett geschlossen

Experten befürchten in der Coronakrise flächendeckende Schulschließungen. Laut einem Medienbericht mussten bereits etliche Schulen wegen der Pandemie den Präsenzbetrieb einstellen.
Leeres Klassenzimmer: "Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis: nein"

Leeres Klassenzimmer: "Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis: nein"

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Michael Weber / imago images

Vor wenigen Tagen schlug der Deutsche Lehrerverband (DL) Alarm: Wenn die Politik das Thema Corona in den Schulen jetzt nicht angehe, drohten flächendeckende Schulschließungen, hatten die Pädagogen gemahnt . Der von Bundesregierung und Ländern vereinbarte teilweise Shutdown, der ab Montag für den gesamten November gilt, nimmt die Schulen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Ministerpräsidenten hatten die Entscheidung damit begründet, dass man die Familien nicht wieder unter Stress setzen wolle durch die Betreuung der Kinder. Die Eltern sollen weiter arbeiten können.

Aber Experten bemängeln in der Coronakrise schon länger Versäumnisse zur Sicherheit von Schülern und Lehrern an deutschen Schulen. Konzepte, um Klassenräume sinnvoll und regelmäßig zu lüften, fehlten – genauso wie Pläne, um Abstände einhalten zu können.

"Wir sagen: Schulen offen halten: ja – angepasst an das aktuelle Infektionsgeschehen. Aber Schulen im Vollbetrieb um jeden Preis: nein", so DL-Präsident Heinz-Peter Meidinger in einer Mitteilung. Da sich die Pandemie nicht in kurzer Zeit bewältigen lässt, fordern die Lehrer langfristige Lösungen und verlässliche Handlungsrichtlinien, sonst sei mit Schulschließungen zu rechnen. Die gibt es allerdings bereits.

Einer Umfrage zufolge sind in Deutschland derzeit bereits weit mehr als hundert Schulen komplett geschlossen. Aus Infektionsschutzgründen findet mindestens an 165 Lehreinrichtungen kein Unterricht statt. Allein 135 davon befinden sich in Bayern, wie eine Erhebung der "Welt am Sonntag" unter den 16 Kultusministerien der Bundesländer ergab.

In Hessen findet demnach Corona-bedingt derzeit in sechs Schulen kein Präsenzunterricht statt. In Mecklenburg-Vorpommern sind vier Schulen betroffen, in Schleswig-Holstein zwei. Baden-Württemberg kam zum letzten Stichtag vor den Herbstferien auf 15 geschlossene Schulen. Jeweils eine Schule ist dem Bericht zufolge in Rheinland-Pfalz, Sachsen und Brandenburg geschlossen.

Immerhin musste in manchen Bundesländern keine Schule vollständig heruntergefahren werden. In allen Ländern befinden sich aber einzelne Schüler und Klassen in Quarantäne. Unklar ist laut dem Bericht , wie viele Schüler insgesamt zu Hause bleiben müssen. Bayern meldete mehr als 500.000 Schüler in Quarantäne, in Nordrhein-Westfalen sollen es mehr als 13.500 sein. Niedersachsen meldete  an 52 Schulen eingeschränkten Unterricht, an den allermeisten der rund 3000 Schulen gebe es aber keine Corona-Infektionen.

In vielen anderen Ländern jedoch machten die Kultusministerien keine Angaben, da die Lage aufgrund des zuletzt stark gewachsenen Infektionsgeschehens unübersichtlich ist oder die Zahlen nur verzögert die Landesministerien erreichen. Laut dem Statistischen Bundesamt  gab es in Deutschland im Schuljahr 2019/2020 32.332 allgemeinbildende Schulen.

Unklare Studienlage

Über die Frage, wie häufig sich Kinder mit dem Coronavirus anstecken, diskutieren die Virologen schon länger. Zwar überstehen Kinder die Infektion in den meisten Fällen sehr gut. Aber unklar ist, wie ansteckend sie sind. Hier kommen Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Eine Untersuchung des Helmholtz-Zentrums München hatte kürzlich gezeigt, dass sich in Bayern in den vergangenen Monaten mehr Kinder und Jugendliche mit Sars-CoV-2 ansteckten als angenommen. Die Forscher hatten zwischen Januar und Juli Blutproben von Minderjährigen untersucht. Im Vergleich zu den damals in dem Bundesland gemeldeten Fällen bei bis zu 18-Jährigen sei die Antikörperhäufigkeit, die von einer zurückliegenden Sars-CoV-2-Infektion stamme, etwa sechsmal höher gewesen.

Ungefähr 50 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die in der Studie positiv auf Coronavirus-Antikörper getestet wurden, hatte keine entsprechenden Krankheitssymptome.

joe/dpa
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