Unterricht im Corona-Modus FDP will Bundesprogramm für Luftfilter an Schulen

Die Debatte über das Lüften kommt ins Parlament: Der Bund soll mobile Lüftungsgeräte für deutschlandweit alle Schulklassen finanzieren, fordert die FDP. Es geht um ein 250-Millionen-Euro-Programm.
Fenster auf, wir machen Unterricht: Oberstufenschülerin in Hamburg

Fenster auf, wir machen Unterricht: Oberstufenschülerin in Hamburg

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Mit Sonderinvestitionen soll die Bundesregierung deutschlandweit die Anschaffung von Luftreinigern für Schulen finanzieren. Das fordert nach SPIEGEL-Informationen die FDP und will dazu in der kommenden Woche einen entsprechenden Antrag im Bundestag einbringen. Mit Luftreinigern in den Klassenzimmern könne "die Menge an Aerosolen so stark reduziert werden, dass in einem geschlossenen Raum auch die Ansteckungsgefahr durch eine hochinfektiöse Person sehr deutlich reduziert würde", heißt es in dem Antrag.

Dagegen störe das regelmäßige Lüften alle 20 Minuten, wie es von der Kultusministerkonferenz (KMK) empfohlen werde, massiv den Unterricht, sei unpraktikabel und werde "im Hinblick auf die kalte Jahreszeit in seiner Wirksamkeit überschätzt". Der Antrag beruft sich auf Studien der Universität der Bundeswehr in München  und der Goethe-Universität Frankfurt.

"Es kann nicht sein, dass unsere Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts alle zwanzig Minuten aufspringen müssen, um die Fenster zu öffnen, abgesehen davon, dass viele Klassenzimmer gar keine Fenster haben", sagt Peter Heidt, der für die FDP im Bundestagsausschuss für Bildung und Forschung sitzt. "Die Kälte und das ständige Aufspringen lassen doch ein konzentriertes Arbeiten gar nicht zu. Dass das nicht funktioniert, sagt einem doch bereits der gesunde Menschenverstand."

Die Kultusminister der Länder hatten sich nach langen Beratungen auf ein Hygienekonzept für den Präsenzunterricht in der Pandemie geeinigt. Das setzt vor allem auf regelmäßiges Stoß- oder Querlüften in den Schulklassen, auch mehrfach während einzelner Unterrichtsstunden. Eltern- und Lehrervertreter hatten diesen Ansatz zum Teil heftig kritisiert.

"Für die kalten Monate werden jetzt Pullover, Schals und Decken zur Grundausstattung der Schülerinnen und Schüler gehören", hatte etwa Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, prognostiziert und das mit der ironischen Empfehlung versehen, dass sich Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler dann eben nach dem "Zwiebelprinzip" anziehen müssten – also während des Unterrichts ihre warme Kleidung zunächst anbehalten und sie dann nach dem Lüften eventuell "nach und nach ausziehen".

Bis zu 250 Millionen Euro soll der Bund nach dem Willen der FDP für die Lüftungsgeräte ausgeben. Das Geld sei im Rahmen des Kommunalinvestitionsförderungsgesetzes noch nicht genutzt worden und könnte jetzt dafür verwandt werden, für alle Schulen Luftfilteranlagen und Trennscheiben aus Plexiglas anzuschaffen, sagt Peter Heidt.

him
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