Fernunterricht in Corona-Zeiten Kindern aus finanziell schwächeren Familien fehlen digitale Geräte

Das Lernen zu Hause fällt besonders Schülern aus finanziell schwächeren Familien schwer - unter anderem, weil sie nicht genügend technische Geräte besitzen, wie eine Studie zeigt.
Nicht alle Kinder verfügen über die nötige Ausstattung, um von zu Hause aus zu lernen

Nicht alle Kinder verfügen über die nötige Ausstattung, um von zu Hause aus zu lernen

Foto: Marc Tirl/ dpa

Wie gut digitaler Unterricht in Corona-Zeiten funktioniert, ist oft genug eine Frage der Technik. Wenn Kinder und Jugendliche sich in Videochats austauschen sollen, ausgefüllte Arbeitsblätter per E-Mail zurückschicken oder Lernfilme anschauen, brauchen sie dafür Geräte: Laptops, Tablet- oder Desktop-PCs.

Vor allem Jugendlichen aus finanziell schlechter gestellten Familien fehlt diese Ausstattung häufig. Das geht aus einer Sonderauswertung der internationalen Bildungsstudie ICILS von 2018 hervor, die dem SPIEGEL vorliegt. 36 Prozent der Kinder mit einem niedrigeren finanziellen Status gaben an, dass es in ihrer Familie höchstens eines dieser Geräte gibt. Bei Jugendlichen aus besser gestellten Familien war das nur bei rund 15 Prozent der Fall.

Die "International Computer and Information Literacy Study" untersucht, wie sicher Achtklässler mit digitalen Medien umgehen. Wissenschaftler befragten und testeten dazu rund 46.000 Schülerinnen und Schüler aus zwölf Ländern. Den finanziellen Status maßen die Wissenschaftler am Berufsstand beider Eltern.

"Jugendliche, die nicht über ausreichende Lernmittel verfügen, drohen in Zeiten des Fernunterrichts hinter ihren Klassenkameraden zurückzufallen", sagt Dirk Hastedt, Direktor der International Association for the Evaluation of Educational Achievement (IEA), die die internationale Untersuchung koordiniert.

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"Soziale Ungleichheit nicht vergrößern"

"Anhand der Datenlage wird deutlich, dass wir derzeit und auch im nächsten Schuljahr nicht davon ausgehen können, dass alle Kinder und Jugendlichen ein digitales Endgerät zum Lernen zu Hause nutzen können", sagt die Schulpädagogin Birgit Eickelmann von der Universität Paderborn. Die Professorin verantwortet den deutschen Teil der internationalen Studie. Man müsse zügig an einem Gesamtkonzept arbeiten, um "die sozialen Ungleichheiten durch unzureichende Ausstattung nicht zu vergrößern".

Gleichzeitig werde deutlich, dass selbst in Familien mit mittlerem oder hohem sozioökonomischen Status nicht mehrere Endgeräte zu Hause zur Verfügung stünden, sagt Eickelmann. "In der Konsequenz ist also längst nicht für alle Schülerinnen und Schüler sichergestellt, dass sie in einer Kombination aus Präsenz- und Fernunterricht, den wir sicherlich noch einige Monate durchführen werden, digitale Lerngeräte zu Hause zur Verfügung haben."

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Textes war von "sozial schwächeren Familien" die Rede. Nach mehreren Hinweisen aus der Leserschaft haben wir uns entschieden, die Begrifflichkeit in "finanziell schwach" zu ändern. In der Studie, die auf Englisch erschienen ist, lautet die Formulierung "occupational status".

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