Rassismusdebatte US-Regierung wirft Eliteuni Yale Diskriminierung von Weißen vor

Während Black-Lives-Matter-Proteste in den USA anhalten und sich Schwarze vermehrt gegen Diskriminierung wehren, stellt die Trump-Regierung Weiße als benachteiligt dar - zum Beispiel in Yale.
Gebäude der Uni Yale in New Haven: Hochschule will an Auswahlverfahren seiner Studierenden festhalten

Gebäude der Uni Yale in New Haven: Hochschule will an Auswahlverfahren seiner Studierenden festhalten

Foto: Beth Harpaz/ AP

Nach monatelangen massiven Protesten in den Vereinigten Staaten wegen Polizeigewalt und Rassismus gegen Schwarze ist der Vorwurf brisant: Das US-Justizministerium beschuldigt die Eliteuniversität Yale, sie diskriminiere weiße und asiatisch-amerikanische Studierende bei der Vergabe ihrer Studienplätze.

Eine zweijährige Untersuchung habe ergeben, dass diese bei gleichen Leistungen schlechtere Chancen auf einen Studienplatz hätten als schwarze Bewerber, teilte das Ministerium mit. Damit müsse Schluss sein. Die Uni wehrte sich prompt. Sie bezeichnete den Bericht laut "Washington Post" als "unbegründete, vorschnelle Anschuldigung."

Die Auswahlverfahren erfüllten alle Anforderungen einer vor Jahrzehnten etablierten Rechtsprechung des Obersten Gerichtshofs, hieß es von der Hochschule. Sie betonte, sie werde den Vorwürfen und auch einer angedrohten Klage zum Trotz an ihrem Zulassungsprozess festhalten.

Ethnischer Hintergrund nur ein Kriterium - von einigen Hundert

Bei der Entscheidung, wer in Yale studieren dürfe, werde der "ganze Mensch" betrachtet - nicht nur seine akademischen Leistungen, sondern auch etwa seine Interessen und die Frage, ob er wohl etwas zur Gemeinschaft in Yale und zur Welt beizutragen habe. So heißt es in einer Erklärung der Eliteuni, aus der die "New York Times"  zitiert.

"In diesem einzigartigen Moment in unserer Geschichte, in dem das Thema Rassismus, so viel Aufmerksamkeit geschenkt bekommt, wird Yale nicht nachlassen, sondern sich weiter für eine diverse und gerade deshalb exzellente Studentenschaft einzusetzen", wird Yales Präsident Peter Salovey in dem Bericht zitiert. Von der Uni heißt es, sie prüfe rund 35.000 Bewerbungen pro Jahr. Dabei würden einige Hundert Auswahlkriterien berücksichtigt, der ethnische Hintergrund sei nur eins davon.

Der Trump-Regierung dagegen ist schon länger ein Dorn im Auge, dass Elitehochschulen wie Yale und Harvard bei der Auswahl ihrer Studierenden bewusst auf Diversität setzen. Sie unterstützt deshalb bereits eine Klage gegen Harvard. Dort steht in Kürze die Berufungsverhandlung an einem Bundesgericht an. Eine niedrigere Instanz hatte der Universität ihr Auswahlverfahren ausdrücklich erlaubt.

Schwarze waren an Amerikas Elitehochschulen in den vergangenen Jahren stark unterrepräsentiert und obwohl sich die Hochschulen nun vermehrt Diversität auf die Fahnen schreiben, bilden sie nach wie vor eine kleine Minderheit.

Wie die "New York Times" berichtet, argumentierte Harvard vor Gericht, die Uni lege zwar keine Quoten fest, aber wenn sie echte Vielfalt erreichen wolle, müsse sie der Frage, wie viele Studierende sie mit welchen ethnischen Hintergründen zulasse, etwas Aufmerksamkeit schenken. Ein Verzicht darauf beeinträchtige die "Exzellenz" einer Harvard-Ausbildung.

fok/dpa
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