Vorgezogene Weihnachtsferien in NRW Gewerkschaften und Alleinerziehende kritisieren Betreuungsproblem

Wer betreut die Kinder, wenn Eltern in NRW an den vorgezogenen Ferientagen noch arbeiten müssen? An den frühen Weihnachtsferien gibt es Kritik, kaum ein Bundesland will nachziehen.
Mehr Zeit zum Plätzchenbacken dank vorgezogener Ferien? Darauf kann sich nicht jeder freuen.

Mehr Zeit zum Plätzchenbacken dank vorgezogener Ferien? Darauf kann sich nicht jeder freuen.

Foto: via www.imago-images.de / imago images/ingimage

Nachdem die nordrhein-westfälische Landesregierung bekannt gegeben hat, die Weihnachtsferien vorziehen zu wollen, wächst die Kritik an dem Plan. Eltern, die am 21. und 22. noch arbeiten müssen, hätten ein Problem, meint die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Aus Sicht der Familien kann die Maßnahme nur dann sinnvoll sein, wenn die Betreuung der Kinder gesichert ist und wenn sie wirklich die Zeit als vorgezogene Quarantäne nutzen, um zum Weihnachtsfest möglichst infektionsfrei zu sein", sagte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern.

Nicola Stroop, Vorständin des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW, wurde noch deutlicher: "Die Ankündigung von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, die Weihnachtsferien vorzuverlegen, ist für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft." Stroop forderte: "Schließungen von Schulen müssen strukturell kompensiert werden, entweder durch einen gesetzlichen Anspruch auf Notbetreuung oder durch finanzielle Ausgleichszahlungen wie ein Corona-Elterngeld."

Gebauer (FDP) hatte am Mittwochabend mitgeteilt, dass am 21. und 22. Dezember kein Schulunterricht stattfinden soll. Die Entscheidung solle helfen, den Familien ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest zu ermöglichen. Damit ist wegen des Wochenendes schon der Freitag, 18. Dezember, der letzte Schultag in NRW in diesem Jahr.

In anderen Bundesländern, in denen die Ferien ebenfalls erst am 23. beginnen, ist eine pauschale Vorverlegung bisher nicht geplant.

In Baden-Württemberg will Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Entscheidung in die Verantwortung der Schulen geben und rief diese auf, die Weihnachtsferien durch bewegliche Ferientage um zwei Tage nach vorne zu verlängern. "Das ist sicher ein kluges Vorgehen, für das vieles spricht", sagte Eisenmann der "Südwest Presse".

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sagte hingegen: "Wir haben dann ein veritables Betreuungsproblem." Familien hätten ihre Pläne für das Jahr mittlerweile abgeschlossen, auch ihre entsprechenden Urlaubsplanungen gemacht.

Niedersachsen hält von einem Vorziehen nichts. Zwischen dem letzten Schultag und Heiligabend lägen dann lediglich fünf Tage – weniger als die Inkubationszeit von SARS-CoV-2 nach den aktuellen Erkenntnissen. "Die Botschaft von Scheinsicherheit zu senden, das können wir so nicht verantworten", sagte eine Ministeriumssprecherin. Sollte sich die Erkenntnislage ändern, schließe man das aber nicht aus.

Auch in Bremen ist die Verlängerung der Ferien derzeit kein Thema, wie eine Sprecherin der Schulbehörde deutlich machte.

sun/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.