Personalnot an Schulen Zahl der Lehramtsabsolventen um 13,8 Prozent gesunken

An vielen Schulen sind Stellen nicht besetzt. Händeringend warten Lehrkräfte deshalb auf neue Kollegen. Zwar schlossen zuletzt mehr Studierende ein Lehramtsstudium ab, dennoch sind es weniger als vor zehn Jahren.
Kinder im Klassenraum: Vielerorts mangelt es an Lehrkräften (Symbolbild)

Kinder im Klassenraum: Vielerorts mangelt es an Lehrkräften (Symbolbild)

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Wolfgang Ebener/ DPA

Angesichts der Personalnot an Schulen in Deutschland ist die Hoffnung auf Lehrernachwuchs groß. Zuletzt gab es bei den Lehramtsabsolventinnen und -absolventen einen positiven Trend, auf lange Sicht gesehen sind die Zahlen der neu ausgebildeten Lehrkräfte jedoch rückläufig, wie das Statistische Bundesamt  anlässlich des Weltlehrertages am 5. Oktober mitteilt.

Im vergangenen Jahr haben demnach rund 28.900 Lehramtsstudierende ihre Abschlussprüfungen im Master oder 1. Staatsexamen bestanden. Das waren 3,8 Prozent mehr Lehramtsanwärterinnen und -anwärter als im ersten Coronajahr 2020. Damals waren es 27.900. Pandemiebedingt waren viele Prüfungen ins Folgesemester verschoben worden.

Im Zehnjahresvergleich ist die Zahl der Lehramtsabsolventinnen und -absolventen mit einem Masterabschluss oder dem 1. Staatsexamen den Angaben zufolge allerdings deutlich zurückgegangen: um 13,8 Prozent.

Zu Schuljahresbeginn hatten mehrere Lehrerverbände vor einer immensen Personallücke in den Lehrerzimmern gewarnt. Nach Schätzungen des Deutschen Lehrerverbandes fehlten nach den Sommerferien in allen Bundesländern zusammen einige Zehntausend Lehrerinnen und Lehrer. Die Unterrichtsversorgung habe sich in allen Bundesländern verschlechtert, sagte Verbandspräsident Heinz-Peter Meidinger. »Bundesweit gehen wir von einer echten Lücke von mindestens 30.000, vielleicht sogar bis zu 40.000 unbesetzten Stellen aus«, sagte er.

Anlässlich des Weltlehrertages forderten mehrere Lehrergewerkschaften die Politik zu massiven Investitionen in den Bildungsbereich auf. Perspektivisch werde die Personallücke bis 2035, wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) nach eigenen Berechnungen warnt, auf bis zu 160.000 anwachsen. Dies gelte, wenn der Personalbedarf für bereits beschlossene pädagogischen Reformmaßnahmen Ganztag, Inklusion und die Unterstützung von Kindern in herausfordernden sozialen Lagen in die Kalkulation einbezogen werde.

Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), forderte, die Politik müsse den Lehrkräfteberuf wieder attraktiver machen. »Lange Arbeitszeiten und hohe Arbeitsverdichtung führen häufig in die Krankheit: Das schreckt junge Leute bei der Berufswahl ab«, so Finnern. »Wir müssen den Teufelskreis aus hoher Belastung durch Lehrkräftemangel und Lehrkräftemangel durch hohe Belastung durchbrechen. Dafür sollen beispielsweise die Arbeitszeit gesenkt, die Klassen kleiner und der Gesundheitsschutz verbessert werden.«

fok
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