Keine Einzelauswertungen von Pooltests mehr an Schulen NRW-Schulministerin Gebauer unter Beschuss

Weil die Labore mit der Auswertung der PCR-Tests nicht mehr hinterherkommen, stellte NRW-Schulministerin Gebauer kurzerhand das Testkonzept an Grundschulen um – und steht deshalb nun in der Kritik.
Die FDP-Ministerin Gebauer wird auf Twitter zum Rücktritt aufgefordert

Die FDP-Ministerin Gebauer wird auf Twitter zum Rücktritt aufgefordert

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Federico Gambarini/ dpa

Die Testlabore in Nordrhein-Westfalen sind überlastet. Deshalb werden Lolli-PCR-Tests an Grundschulen nicht mehr einzeln ausgewertet. Ist die Pool-Probe einer ganzen Klasse oder Lerngruppe positiv, sollen die Kinder am Folgetag in der Schule mit einem Antigen-Schnelltest abgestrichen werden. Alternativ können sie ein negatives Testergebnis einer öffentlichen Teststation vorlegen. So hatte es NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) per Schulmail am späten Dienstagabend verkündet. Umsetzung: am nächsten Morgen.

Eltern, Lehrkräfte und die Opposition im Düsseldorfer Landtag sind entsetzt. Auf Twitter fordern zahlreiche Nutzer den Rücktritt der Ministerin. »Kein Wunder, dass viele Schulen heute symbolisch die weiße Flagge hissen. Sie fühlen sich alleingelassen«, wettert die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Landtag Josephine Paul. »Warum waren Sie nicht vorbereitet?«, fragt der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Kutschaty in Richtung Yvonne Gebauer. »Das ist kein Respekt vor unseren Lehrerinnen und Lehrern.«

»Einmal mehr müssen die Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte die Rechnung für eine nicht sichergestellte Testinfrastruktur tragen«, sagt Ayla Çelik, Vorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW in Nordrhein-Westfalen. Eltern und Beschäftigte verstünden nicht, warum Kinder mit einem positiven Pooltest-Ergebnis in die Schulen gehen sollten. »Dieses Vorgehen bedeutet eine Inkaufnahme weiterer Ansteckungen und Verbreitung des Virus.«

Gebauer verteidigte das neue Vorgehen in einem Interview mit dem WDR . »Es war schlicht und ergreifend notwendig, hier zu schnellen Veränderungen in Bezug auf das Testsystem zu kommen«, sagte die FDP-Politikerin. Gleichzeitig bedauere sie, dass es dadurch »zu weiteren Belastungen für die Schulleitungen, aber auch für die Lehrkräfte und im Besonderen für die Familien gekommen ist.« Sie habe sich das »anders gewünscht«, sagte Gebauer in dem Interview.

olb
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