Bin-Laden-Lebenszeichen Die Tricks der Tonband-Fälscher

Die US-Regierung und der Bundesnachrichtendienst (BND) sind sich zwar ziemlich sicher, dass das jüngste Tonband mit Aussagen von Osama Bin Laden echt ist. Stimmenexperten kennen aber auch die vielfältigen Möglichkeiten professioneller Fälscher.

New York ? "Wenn ein Schwindler es darauf anlegen würde, eine Tonbandaufnahme zu fälschen, könnte er damit viele Leute an der Nase herumführen", sagt Michael J. Thieme, Direktor für Spezialprojekte bei der International Biometric Group, einem New Yorker Unternehmen. Ein Mitglied aus der Familie Bin Ladens habe es am leichtesten, ein gefälschtes Tape mit angeblichen Aussagen des Terrorfürsten herzustellen, sind sich Experten sicher, da Stimme und Tonlage am ehesten der von Bin Laden ähneln könnten.

Wenn ein Schwindler versuchte, Bin Laden nachzuahmen, habe er sich zunächst vermutlich mit der Stimme eines seiner Söhne beschäftigt, glaubt Lonnie Smrkovski, ein früherer Chef der Polizei des US-Bundesstaats Michigan. Der Betrüger könne die Stimme des Bin-Laden-Sohnes dann per Computer bearbeitet und anschließend Hintergrundgeräusche dazugemischt haben, um Unterschiede zur echten Stimme des Terrorchefs zu kaschieren, sagte Smrkovski der "New York Times".

Stimmenfälscher seien in den vergangenen Jahren öfter aktiv gewesen, meistens um auf diese Art Aufmerksamkeit zu erlangen. Eine häufig angewandte Praxis sei es, Wörter aus mehreren Reden zusammenzufügen. So habe er einmal mitbekommen, dass jemand ein Tonband mit einer Aufnahme von Richard Nixon zum Verkauf anbot, in dem der frühere US-Präsident zugab, für den Watergate-Skandal verantwortlich zu sein, berichtet Smrkovski. Er habe das Tape gekauft und festgestellt, dass jemand eine ältere Nixon-Aufnahme bearbeitet habe, indem er Hintergrundgeräusche untermischte. "Aber viele Wörter waren zu dicht zusammengeschnitten worden", erinnert sich der pensionierte Polizeichef.

Zum ersten Mal "Pharao"

Experten sind sich deshalb auch relativ sicher, dass die vom arabischen TV-Sender al-Dschasira abgespielte Tonbandaufnahme echt ist. Sie enthält Worte wie zum Beispiel "Pharao", die in früheren Botschaften von Bin Laden noch nicht benutzt wurden. Außerdem erwähnt die Stimme die Anschläge in Bali und auf den französischen Öl-Tanker vor Jemen. Alle dies hätte ein Fälscher also nicht aus seinem "Vokabel-Archiv" verwenden können. Zwar habe sich das Know-how von Computerexperten und Stimmenforschern bei der Identifizierung von Personen in den längsten Jahren erheblich vergrößert, berichten Experten. Aber immer noch gäbe es viele Unwägbarkeiten.

Bei der jüngsten Bin-Laden-Aufnahme dürfte die Arbeit der amerikanischen Geheimdienste dadurch erschwert worden sein, dass die Botschaft über eine Satelliten-Telefonstation an Al-Dschasira übermittelt wurde, was viele Hoch- und Tieftöne "schluckte", anhand derer die Stimme besser hätte identifiziert werden können.

Um zu überprüfen, ob es sich um die echte Stimme Bin Ladens handelte, könnten die Geheimdienstexperten alle bislang existierenden Bänder mit Reden des Terrorchefs zusammengestellt haben. Die auf diesen Aufnahmen zu hörenden Stimmen und Hintergrundgeräusche haben sie dann vermutlich mit dem neuen Tape verglichen, indem sie einen Spezialcomputer mit den Sequenzen fütterten. Der Computer wirft schließlich den Grad der Übereinstimmungen aus.

Die Geheimdienstexperten gehen mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent davon aus, dass das neue Bin-Laden-Tonband echt ist. Zum Vergleich: Bei einer Überprüfung von Fingerabdrücken liegt die Zuverlässigkeitsquote bei mindestens 99,99 Prozent.

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