Bischof appelliert an Katholiken "Tretet nicht aus"

Die Christenheit feiert das Pfingstfest - und der Papst schweigt zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Anders der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Sein Appell an die Gläubigen: "Tretet nicht aus."

Bamberger Erzbischof Schick: Die Gläubigen sollten sich nicht entmutigen lassen
dpa

Bamberger Erzbischof Schick: Die Gläubigen sollten sich nicht entmutigen lassen


Hamburg/Rom - Papst Benedikt XVI. hat die Gläubigen zu Pfingsten an den Wert der Kirche "als Hort der Einheit und Menschlichkeit in einer zerrissenen Welt" erinnert. Im Gegensatz zu dem "Feuer" jener Diktatoren, die in allen Epochen und auch im 20. Jahrhundert verbrannte Erde hinter sich gelassen hätten, zerstöre der von der Kirche entfachte "Brand des Glaubens" nicht, sagte Benedikt am Sonntag im Petersdom.

Zum Missbrauchsskandal der katholischen Kirche äußerte er sich nicht. Dies tat dagegen der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Er appellierte an die Katholiken, trotz der Missbrauchsfälle nicht aus der Kirche auszutreten. "Tretet nicht aus, sondern auf", sagte er laut seiner vorab veröffentlichten Predigt. Trotz der Vorfälle, die die katholische Kirche in den vergangenen Monaten erschüttert hätten, sollten sich die Gläubigen nicht entmutigen lassen - und sich nicht von der Kirche abwenden.

Auch der Vorsitzende der österreichischen Bischofskonferenz, Christoph Kardinal Schönborn, thematisierte den Missbrauchsskandal. Die katholische Kirche könne nach den "schlimmen Wochen" nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Der Wiener Erzbischof erinnerte beim Pfingsthochamt im Wiener Stephansdom an die zahlreichen Kirchenaustritte der vergangenen Monate und forderte eine "innere Erneuerung" von Kirche und Gesellschaft, heißt es in einer Mitteilung der Erzdiözese.

Katholische Kirche bittet Briten um Spende

Einen besonderen Beigeschmack hat das diesjährige Pfingstfest in Großbritannien: Die britischen Katholiken wurden zu einem Kollektenbeitrag für den bevorstehenden Papstbesuch gebeten. Damit soll ein Fehlbetrag von umgerechnet rund 3,5 Millionen Euro gedeckt werden. "Wir möchten jeden in der katholischen Gemeinde dringend bitten, für diesen Besuch zu beten und die Kollekte so großzügig wie machbar zu unterstützen", hieß es in einem gemeinsamen Aufruf der englischen und schottischen Erzbischöfe. Mit den Einnahmen sollen drei Messen unter freiem Himmel bezahlt werden.

Die römisch-katholische Kirche muss für den Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI. knapp die Hälfte der Kosten, insgesamt 15 Millionen Pfund, zahlen. Die andere Hälfte übernimmt die Staatskasse. Kirchengegner hatten im Vorfeld kritisiert, dass die britischen Steuerzahler für den Besuch eines religiösen Oberhaupts aufkommen müssen. Nur jeder zehnte Brite fühlt sich den Katholiken zugehörig.

Papst Benedikt XVI. wird das Vereinigte Königreich vom 16. bis 19. September besuchen. Empfangen wird er dabei von Queen Elizabeth II. in ihrer Residenz Holyrood Palace im schottischen Edinburgh. Daneben wird der Papst auch in Glasgow, London und Coventry sein. Der Besuch ist der erste eines Papstes auf der Insel seit 28 Jahren.

wal/dpa



insgesamt 316 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
mad man walking, 24.05.2010
1. ....
" .... Die Römisch-Katholische Kirche muss für den Staatsbesuch von Papst Benedikt XVI. knapp die Hälfte der Kosten, insgesamt 15 Millionen Pfund, zahlen. Die andere Hälfte übernimmt die Staatskasse. ..." Welche eine bodenlose Frechheit ! Gibt es in England keine Bedürftigen, die das Geld besser gebrauchen können ??? Wenn Hr. Ratzinger meint verreisen zu wollen, dann soll er das auch gefälligst selber bezahlen !
Arthi, 24.05.2010
2. schön schön
Zitat von sysopDie Christenheit feiert das Pfingstfest - und der Papst schweigt zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Anders der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Sein Appell an die Gläubigen: "Tretet nicht aus." http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,696453,00.html
Natürlich möchten die Sektenoberen keine "Schäfchen" verlieren. Immerhin schön zu lesen das die Briten schlauer werden und die Sekte wenigstens die Hälfte für den Besuch ihres Sektenfürsten zahlen muss. Es war wohl geplant diesen Besuch komplett auf Kosten britischer Steuerzahler zu schmarotzen, wie es normalerweise so üblich ist.
hojas 24.05.2010
3. Kein Wunder
dass der Appell kommt - dem scheinheiligen PAck geht es doch nur um die Kirchensteuer. Und dass man als mündiger Christ irgendwas bei dem Haufen bewirken kann ist weder vorgesehen noch erwünscht. Die Bande ekelt mich an.
schmic79 24.05.2010
4. Austreten! Je mehr, desto besser! JETZT!
>Im Gegensatz zu dem "Feuer" jener Diktatoren, die in allen Epochen und auch im 20. Jahrhundert verbrannte Erde hinter sich gelassen hätten, zerstöre der von der Kirche entfachte "Brand des Glaubens" nicht, sagte Benedikt am Sonntag im Petersdom. Scheinbar ist der Papst jetzt komplett geistig umnachtet - zu viel Weihrauch geschnüffelt? Liebe Kurien-Kardinals-Marionette Benedikt, sagt dir das Wort "Inquisition" etwas? Ach wie, die Ungläubigen wurden da nicht gefoltert und gemordet? Nur leicht mit mit Gänsefedern gekitzelt und lachten sich dann leider zu Tode? Keine "verbrannte Erde"? Auch nicht bei den Opfern der Genossen Mixa's? Ich rate jedem Katholiken, JETZT austreten. Nur so kann man ein Zeichen setzen und was an diesem verkrusteten System ändern. Endlose Diskussionen auf Kirchentagen oder in der Gemeinde? Da kann man auch mit 'ner Parkuhr reden.... ist genauso effektiv. Nur an den Mitgliedszahlen - sprich: am Geld, der Kirchensteuer - merkt das "früher erfolgreichste Wirtschaftsunternehmen der Welt" (=Kirche), daß die Basis nicht mehr so weiter will....
androlski 24.05.2010
5. Auf geht's!
Zitat von sysopDie Christenheit feiert das Pfingstfest - und der Papst schweigt zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. Anders der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Sein Appell an die Gläubigen: "Tretet nicht aus." http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,696453,00.html
Der Papst hat sich nun wirklich häufig genug - bei verschiedenen Gelegenheiten - und auch sehr erschüttert geäussert. Häufiger ist hier nicht mehr. Was vielmehr Not tut, ist die Bereitschaft zum Wandel. Und da ist Benedikt wohl nicht der Richtige. Da kann man von einigen deutschen Bischöfen - allen voran vielleicht Ludwig Schick - am Meisten erwarten. Erneuerung von innen; dafür ist Deutschland doch prädestiniert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.