Neuer Anlauf Konsortium soll Missbrauch in katholischer Kirche aufarbeiten

Die katholische Kirche in Deutschland startet einen neuen Versuch, den Missbrauchsskandal in den eigenen Reihen wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dazu beauftragte die Bischofskonferenz ein Forschungskonsortium, dem sieben Professoren angehören.

Missbrauchsbeauftragter Stephan Ackermann (im Februar 2011): "Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche"
DPA

Missbrauchsbeauftragter Stephan Ackermann (im Februar 2011): "Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche"


Bonn - Ein erster Anlauf endete im Streit - jetzt hat die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) ein neues Forschungsprojekt zum sexuellen Missbrauch durch Priester und andere Kirchenverantwortliche gestartet. An Stelle des Kriminologischen Forschungsinstituts Hannover beauftragte die DBK ein aus vier Instituten bestehendes Forschungskonsortium. Das geht aus einem jetzt in Bonn veröffentlichten Konzept hervor.

Der erste Versuch zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals war Anfang 2013 unter gegenseitigen Vorwürfen des Projektleiters Christian Pfeiffer und der Bischöfe gescheitert. Der Missbrauchsbeauftragte der DBK, Bischof Stephan Ackermann, sagte nun zum Neustart, die Bischöfe wollten "Klarheit und Transparenz über diese dunkle Seite in unserer Kirche - um der Opfer willen, aber auch, um selbst die Verfehlungen zu sehen und alles dafür tun zu können, dass sie sich nicht wiederholen".

Leiter des Forschungskonsortiums ist Harald Dreßing vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Insgesamt beteiligen sich sieben Professoren an dem Projekt, darunter nach Angaben des Kölner Domradios auch der Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Heidelberg, Dieter Dölling, sowie der Leiter des Instituts für Gerontologie der Universität Heidelberg, Andreas Kruse.

Ziel der auf dreieinhalb Jahre angelegten Studie ist es laut Dreßing, "den sexuellen Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche sowohl für die Betroffenen als auch für die Öffentlichkeit so transparent wie möglich aufzuarbeiten". Dabei sollten außer Daten aus Kirchenarchiven auch externe Datenquellen einbezogen werden. Dies solle eine vergleichende Analyse mit anderen Formen des institutionellen Missbrauchs ermöglichen.

Dreßing kündigte an, die Erfahrungen der Opfer schon bei der Entwicklung der Forschungsinstrumente, aber auch bei der Interpretation der Ergebnisse durch einen Beirat einzubeziehen. "Dieser Beirat wird Betroffene und Wissenschaftler sowie Vertreter der Kirche umfassen. Er soll das Projekt wissenschaftlich und ethisch begleiten", sagte Dreßing. Das Konsortium gehe der Frage nach, ob es spezifische Strukturen und Dynamiken innerhalb der katholischen Kirche gibt oder gegeben hat, die Missbrauchsdelikte gefördert haben.

rls/AFP/dpa



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