Predigten zu Weihnachten Deutsche Bischöfe rufen Russland und Ukraine zum Dialog auf
Dom St. Martin zu Mainz
Foto: Manngold / IMAGOWährend der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zu den Feiertagen mit weiteren russischen Angriffen rechnet und die Bevölkerung zu besonderer Wachsamkeit aufrief, haben führende deutsche Bischöfe in ihren Weihnachtspredigten Dialogbereitschaft beider Konfliktparteien angemahnt.
So rief der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, etwa in seiner Ansprache im Limburger Georgsdom die Bürgerinnen und Bürger beider Länder trotz des völkerrechtswidrigen Überfalls durch Russland zu gegenseitigen Gesprächen auf. »Auch wenn die Unterstützung des völkerrechtswidrig überfallenen Landes durch alle benötigten Güter weitergehen muss, braucht es gleichzeitig jetzt schon Friedensinitiativen«, sagte er am Sonntag in seiner Weihnachtspredigt.
Der Krieg und die brutalen Menschenrechtsverletzungen säten Hass und werden dem Bischof zufolge »über Generationen hinweg wieder und wieder Gewalt provozieren«. Deshalb müsse man sich fragen, wie jetzt schon die Saat des Friedens ausgestreut werden könne.
Hier, so Bätzing, sei auch die einzelne Christin und der einzelne Christ in Deutschland gefragt, schließlich lebten hierzulande viele Menschen aus der Ukraine wie auch aus Russland. »Gehen wir auf sie zu und sprechen wir mit ihnen über Licht und gemeinsame Perspektiven mitten in der Finsternis von Krieg und Zerstörung«, appellierte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, verteidigte in seiner Weihnachtspredigt im Dom in Speyer den »Einsatz von Macht und Gewalt, gegebenenfalls auch von Waffen«. Dieser ist nach den Worten des Bischofs von Speyer nötig, »um unschuldiges Leben, Menschen- und Völkerrecht, Würde und Freiheit zu verteidigen«. Dies hätten in diesem Jahr selbst jene gelernt, »die politisch bisher immer anderer Auffassung waren«, sagte Wiesemann dem vorab verbreitetem Redetext zufolge. »Die Wahrheit von der gewaltbereiten Verteidigungsnotwendigkeit des sonst Schutzlosen – sie trifft das Drama des Menschen in dieser Welt.«
Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte mit Blick auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine, es sei viel diskutiert worden über Krieg, Verteidigung und über Hilfe für ein bedrängtes Volk, dem die Vernichtung drohe. Auch Christen seien ernüchterter geworden in der Einschätzung des Selbstverteidigungsrechts eines angegriffenen Volkes. »Aber ich meine auch, wir haben uns auffallend schnell an Gewalt in Tat und Wort gewöhnt.« Das gelte auch für das alltägliche Miteinander.
Auch Bayerns evangelischer Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm warnte in seiner Weihnachtsbotschaft vor einem vollständigen Abbruch der Beziehung mit Russland. »Wir alle beklagen das Leid, das die illegale und verwerfliche Invasion der Ukraine durch die russische Armee über die Menschen dort bringt. Und wir verurteilen den Terror, der mit der Bombardierung der ukrainischen Infrastruktur für die Bevölkerung dort verbunden ist«, sagte der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). »Aber das darf nicht den kompletten Beziehungsabbruch bedeuten. Es kann nicht sein, dass die Militärlogik alles bestimmt.«
Der Hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung erinnerte am Sonntagmorgen an »die Gemeinschaft stiftende Kraft der Weihnachtsbotschaft«. »Als Menschen sind wir aufeinander angewiesen. Wir sind bestimmt, füreinander da zu sein«, sagte er am ersten Weihnachtsfeiertag nach einer Mitteilung in dem Gottesdienst in der Frankfurter Katharinenkirche. Darauf weise die biblische Geburtsgeschichte Jesu hin. »Das Kind in der Krippe ist angewiesen darauf, dass seine Eltern für es da sind. Maria und Josef sind aufeinander angewiesen und darauf, dass andere für sie da sind.« Von Jesus Christus und seinem Leben gehe deshalb die Botschaft aus: »Seid füreinander da! Sucht Frieden auf Erden.« Das Gebiet der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) umfasst auch Teile von Rheinland-Pfalz.
Der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Thorsten Latzel, sagte an Heiligabend in seiner Predigt in Düsseldorf, die Weihnachtsgeschichte rufe zu tatkräftiger Hilfe im Hier und Jetzt auf. »Es kommt darauf an, dass wir helfen, wenn Menschen aus der Ukraine, Syrien, Afghanistan zu uns fliehen, die auch nicht wissen, wo sie ihr Kind hinlegen sollen, wo es Windeln für sie gibt. Maria heißt dann Djamila oder Oleksandra. Oft sind sie ohne ihren ›Josef‹ unterwegs, weil der das Land nicht verlassen durfte, kämpfen muss.«