SPIEGEL ONLINE

Tödliche Explosion in Blankenburg "Ein Bild der Verwüstung"

Bewusstlose Menschen lagen zwischen Glassplittern, ein Hausbewohner kam ums Leben: Die Folgen einer Detonation in Sachsen-Anhalt sind enorm. Inzwischen gibt es eine Theorie, wie es dazu gekommen sein könnte.

Bei einer Explosion in einem Mehrfamilienhaus in Blankenburg im Harz ist ein Mensch getötet worden. Die Detonation wurde möglicherweise durch in einer Wohnung gelagerte Gasflaschen ausgelöst.

In der betroffenen Wohnung seien neben Flüssiggasbehältern Geräte zum Heizen mit Gas gefunden worden, sagte Frank Götze von der Polizei im Harzkreis auf einer Pressekonferenz. Das Haus sei nicht ans Gasnetz angeschlossen gewesen, sondern werde mit Fernwärme beheizt.

Den Ermittlern zufolge ist es möglich, dass Mieter durch eigene Gasgeräte Kosten sparen wollten, weil ihnen die Fernwärme zu teuer sei. Hinweise auf Sprengstoff habe die Polizei in dem Haus bislang nicht gefunden, sagte Götze.

Die Polizei korrigierte eigene Angaben, wonach sich in der Wohnung auch Weltkriegsmunition befunden habe. Dies habe sich nicht bestätigt. Der Tote sei vermutlich der 78 Jahre alte Mieter der Wohnung, von der die Explosion ausgegangen sei. Seine Ehefrau erlitt demnach schwere Verletzungen, zudem gab es 14 weitere Menschen mit mittleren und leichten Verletzungen.

Den Einsatzkräften vor Ort bot sich nach den Worten des Blankenburger Bürgermeisters Heiko Breithaupt "ein Bild der Verwüstung". Seit dem Morgen waren dem CDU-Politiker zufolge mehr als 200 Einsatzkräfte vor Ort, um das Feuer zu löschen, Menschen zu retten und Betroffene zu betreuen. Bei Eintreffen der Einsatzkräfte lagen drei Menschen augenscheinlich bewusstlos vor dem Haus, wie Einsatzleiter Alexander Beck von der freiwilligen Feuerwehr sagte.

Zunächst war die Polizei von mindestens 25 Verletzten ausgegangen. Später korrigierten die Ermittler diese Angaben nach unten: Zwei Bewohner seien mit Brandverletzungen in ein Spezialkrankenhaus nach Halle geflogen worden. Zudem erlitten demnach drei Bewohner schwere und zehn Menschen leichte Verletzungen. Vier Polizisten zogen sich beim Rettungseinsatz Rauchvergiftungen zu.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Facebook, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Die Situation am Unglücksort blieb unübersichtlich. Der Getötete konnte auch Stunden nach der Explosion nicht geborgen werden. Man könne sich nur Meter für Meter in dem schwer beschädigten Gebäude fortbewegen, hieß es. Insgesamt sind in dem Haus 50 Bewohner gemeldet.

Das Technische Hilfswerk soll die Statik des Hauses prüfen, um zu klären, welche Wohnungen weiter genutzt werden können. Sämtliche Hausbewohner mussten zunächst in Sicherheit gebracht werden. Bis auf eine Familie fanden alle bei Angehörigen Unterschlupf - die Familie soll in eine Notunterkunft kommen.

Polizei, Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren mit zahlreichen Kräften im Einsatz. Eine benachbarte Kita wurde vorsichtshalber evakuiert, die Kinder blieben aber unverletzt und konnten von den Eltern abgeholt werden.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff zeigte sich bestürzt über das Unglück. "Meine Gedanken sind bei den Opfern und bei ihren Angehörigen, ich spreche ihnen mein Mitgefühl aus", erklärte der CDU-Politiker. Er sprach allen Rettungskräften für ihren professionellen Einsatz seinen Dank aus.

wit/mxw/dpa/AFP