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07. April 2001, 16:34 Uhr

Blaublütiges

"Mein Edward ist nicht schwul"

Sophie Rhys-Jones hat eine Lawine losgetreten. Nachdem ihre Häme am britischen Königshaus publik wurde, halten sich auch Regierungsmitglieder mit Kritik an den Royals nicht mehr zurück. Sophie versucht derweil, den Schaden zu begrenzen: Sie stellt klar, ihr Gemahl sei hetero.

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London - Es war keine gute Woche für das britische Königshaus. Nach den heimlich aufgenommenen Kommentaren der Gräfin von Wessex, Sophie Rhys-Jones, über Mitglieder der königlichen Familie herrscht Krisenstimmung im Buckingham-Palast. Jetzt äußerten sich auch Regierungsmitglieder kritisch über die Monarchie. Verbraucherminister Kim Howells sagte, alle Royals seien ein bisschen verrückt. "Sie wählen seltsame Partner und kommen mit der modernen Welt nicht gut zurecht", sagte er der Zeitung "Daily Telegraph".

Sophie Rhys-Jones
DPA

Sophie Rhys-Jones

Sophie hatte gegenüber einem als Scheich verkleideten Reporter Permierminister Tony Blair kritisiert und dessen Frau Cherry als scheußlich beschrieben. Sie verriet, dass Prinz Charles seine langjährige Geliebte Camilla Parker-Bowles erst heiraten werde, wenn die 100-jährige Königinmutter gestorben sei. Als Sophie die Falle bemerkte, bot sie der Zeitung "News of the World" im Gegenzug für die Aufnahmen ein Exklusiv-Interview an. Das Interview erschien unter der für die Königsfamilie peinlichen Überschrift "Mein Edward ist nicht schwul". Darin erklärte die Schwiegertochter von Königin Elizabeth II., sie sei bereit, sich falls nötig einer Fruchtbarkeitsbehandlung zu unterziehen.

Details veröffentlicht

Die rivalisierende Zeitung "Mail on Sunday" veröffentlichte dennoch Details aus den Aufzeichnungen. Der Königspalast teilte mit, Sophie habe sich in Briefen bei den betroffenen Familienmitgliedern für ihre Indiskretionen entschuldigt. Die Affäre lässt aber auch eine andere Diskussion wieder hochkochen: Sollten die Steuerzahler jährlich fast acht Millionen Pfund (25 Millionen Mark) für die Royals ausgeben? Allein Edward erhält jedes Jahr 140.000 Pfund (437.000 Mark) aus der Staatskasse, obwohl er in der Thronfolge erst an Rang sieben steht.

In der vergangenen Woche wies der Buckingham-Palast Berichte zurück, wonach Edward mit Steuergeldern finanziert Auslandsreisen zu Werbezwecken für seine Produktionsfirma genutzt habe, die in den sieben Jahren seit ihrer Gründung noch keinen Gewinn gemacht hat. Der konservative Abgeordnete David Davis erklärte, rangniedere Mitglieder der Königsfamilie sollten durchaus ermutigt werden, selbst Geld zu verdienen. Dies solle aber auf eine Weise geschehen, die die Würde der Monarchie nicht untergrabe. "Wenn sie das nicht können, sollten sie den Mund halten", sagte Davis der BBC.

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