Blitzeis Hunderte Glätteunfälle - drei Tote

Sprühregen und Blitzeis haben zahlreichen Autofahrern auf Deutschlands Straßen Probleme bereitet - und zu Hunderten Unfällen geführt. In Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Bayern starben drei Männer. Besonderes Glück hatten hingegen die Fahrgäste eines Busses in Hessen.

DPA

Hamburg - Gefrierender Regen und Blitzeis haben am Donnerstag für Chaos auf Deutschlands Straßen gesorgt. Drei Männer kamen bei Unfällen in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Bayern ums Leben: Ein 78-Jähriger verunglückte tödlich, als sein Wagen in Nastätten in einer Kurve von der Straße abkam und gegen einen Baum prallte. Der Mann war in seinem Autowrack eingeklemmt und starb noch an der Unfallstelle.

In Brandenburg ereigneten sich laut Polizei in der Nacht mindestens 113 Glätteunfälle. Dabei starb ein 57 Jahre alter Beifahrer auf der Bundesstraße 96 nahe Golßen. Auf der Autobahn 13 gab es nach einem Unfall zwischen Teupitz und Groß Köris einen kilometerlangen Stau. Dort war die Autobahn gesperrt, weil ein Lastwagen gegen die Leitplanke geprallt und sein Tank aufgerissen war. Ein 51-Jähriger fuhr im bayerischen Coburg mit seinem Auto gegen einen Baum am Straßenrand. Das Fahrzeug fing nach Polizeiangaben Feuer. Der Fahrer konnte zwar aus dem brennenden Wagen gezogen werden, erlag jedoch noch an der Unfallstelle seinen schweren Verletzungen.

Einen besonders großen Schrecken bekam der Fahrer eines Busses, der im mittelhessischen Greifenstein in ein Wohnhaus krachte. In der Hauswand bildeten sich durch den Aufprall mehrere Risse und ein Loch. Das Gebäude ist aber nicht einsturzgefährdet und weiter bewohnbar, wie die Polizei in Gießen mitteilte. Verletzte habe es bei dem Glätteunfall nicht gegeben. Die Zerstörung hingegen sei enorm: Die Polizei schätzt den Sachschaden auf rund 110.000 Euro, davon etwa 60.000 Euro am Bus.

Auch im Landkreis Fulda war Vorsicht geboten: Alle Schulen blieben wegen Glatteis am Donnerstag geschlossen. "Es ist zu gefährlich", sagte ein Polizeisprecher. Die Straßen in Osthessen seien spiegelglatt. "Auf den Nebenstraßen geht gar nichts mehr." Das Glatteis habe alleine im morgendlichen Berufsverkehr in der Region 40 Unfälle verursacht. Viele weitere Unfälle hätten die Beamten gar nicht erst aufnehmen können: "Wir können nicht mehr überall hinfahren", so der Sprecher.

In den Notaufnahmen der hessischen Krankenhäuser meldeten sich drei- bis viermal so viele Fußgänger mit Knochenbrüchen wie an anderen Tagen. "Die Hauptdiagnosen: Unterarm-, Handgelenks- und Sprunggelenksfrakturen", so ein Sprecher der Frankfurter Uni-Klinik.

Im südlichen Sachsen-Anhalt wirbelte das Wetter den Berufsverkehr durcheinander. Die Polizei registrierte innerhalb von sechs Stunden mehr als 190 Karambolagen. Sie appellierte an die Kraftfahrer, langsamer zu fahren und einen möglichst großen Sicherheitsabstand zu halten. Wer auf sein Fahrzeug verzichten könne, solle es stehen lassen.

In Sachsen waren Rettungsdienste und Feuerwehr im Dauereinsatz. Fast 100 Karambolagen auf siegelglatter Fahrbahn meldete die sächsische Polizei allein in der Region Chemnitz und im Erzgebirge. In der Landeshauptstadt Dresden ereigneten sich am Vormittag rund 140 Unfälle - sonst zählt die dortige Polizei im Jahresdurchschnitt täglich 43.

Auf den Autobahnen kam der Verkehr stellenweise zum Erliegen. Auf der A4 (Chemnitz-Erfurt) gab es zwischen den Anschlussstellen Wüstenbrand und Schmölln im Osten Thüringens nach Unfällen in beiden Richtungen Stau. In Dresden war die A17 Richtung Prag zwischen den Tunneln Altfranken und Coschütz gesperrt.

Eisregen behinderte in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz den Verkehr, verursachte jedoch überwiegend Blechschäden. Wegen einsetzenden Regens am Morgen kamen auch Fußgänger nur mit viel Geduld voran. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) mitteilte, soll die Glatteisgefahr im Laufe des Tages wegen steigender Temperaturen wieder abnehmen. Dafür wird es turbulent: Sturmtief "Lukas" macht sich auf den Weg nach Deutschland.

sar/dapd/dpa

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