Wetter-Warnung Vorsicht, Blitzeis auf Deutschlands Straßen

Blitzeis hat die Straßen in Deutschland spiegelglatt gemacht: Allein in Baden-Württemberg zählte die Polizei 1073 Verkehrsunfälle. Ein Mann kam ums Leben. Noch immer ist fast im ganzen Land Vorsicht geboten. Am Frankfurter Flughafen mussten mehr als 200 Flüge gestrichen werden.

dapd

Hamburg - Auf deutschen Straßen ist es spiegelglatt, besonders betroffen ist der Südwesten: Die Polizei hat während der Glatteis-Warnung in Baden-Württemberg 1073 Verkehrsunfälle gezählt. Ein Mann sei ums Leben gekommen, berichtete das Lagezentrum des Landesinnenministeriums. Ein Rentner verunglückte in Sulz am Neckar (Landkreis Rottweil) tödlich, als er einen Gehweg streute. Wie die Polizei berichtete, stürzte er auf den Hinterkopf und starb am Nachmittag an seinen Verletzungen.

58 Menschen wurden am Sonntag verletzt, 14 davon schwer. Der Sachschaden betrage mehr als drei Millionen Euro, teilte das Lagezentrum am frühen Morgen mit und verdreifachte damit seine Schätzungen vom Sonntag. Da hatte ein Sprecher auch bereits angekündigt, dass noch mit weiteren Unfällen und Schäden zu rechnen sei. Autobahnen waren wegen des Eises auf einigen Abschnitten gesperrt worden. Die Streudienste waren pausenlos im Einsatz.

Auf den Straßen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen ist es in der Nacht zu zahlreichen Unfällen gekommen. In Schleswig-Holstein wurden laut Polizei bei 15 Karambolagen seit dem Abend sechs Menschen verletzt.

In Niedersachsen gerieten am Morgen viele Autofahrer mit ihren Wagen auf spiegelglatten Straßen ins Rutschen. Zumeist blieb es aber bei Blechschäden. Bei den Unfällen seien nur wenige Menschen leicht verletzt worden, berichteten die Polizeidienststellen im Land. Jubel gab es bei Tausenden Schülern in den Landkreisen Hameln-Pyrmont und Osnabrück: Dort erhielten die Kinder und Jugendlichen an allen allgemein- und berufsbildenden Schulen schulfrei wegen Glatteis.

Am Montagmorgen warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD)noch in fast ganz Deutschland vor Glätte. Ausgenommen war lediglich ein Streifen, der sich von der Nordsee entlang der Elbe über Hamburg nach Mecklenburg-Vorpommern zog.

Glatteis führte am frühen Morgen zur Sperrung der Berliner Stadtautobahn A111 in Richtung Norden. Betroffen war nach Angaben der Verkehrsinformationszentrale der Abschnitt zwischen Am Festplatz und Flughafen Tegel.

Weiterhin Schnee im Westen und in Bayern

Schnee und Eis machen den Autofahrern in Bayern weiter zu schaffen. Allein in Franken kam es in der Nacht zum Montag zu mehr als 25 Glätteunfällen. Laut Polizei in Bayreuth verwandelte Eisregen die Autobahn 9 zwischen den Anschlussstellen Bindlacher Berg und Trockau in eine Rutschbahn. Dort krachte es seit Sonntagabend mindestens 20-mal. Mindestens drei Menschen wurden dabei leicht verletzt. Bei Bayreuth stießen sechs Autos auf vereister Straße zusammen. Verletzt wurde dabei niemand.

Vor allem im Westen, im Mittelgebirgsraum und in der südlichen norddeutschen Tiefebene sollte im Laufe des Tages weiter Schnee fallen. Auch im Süden Bayerns kommen laut DWD Schneefälle auf, die sich nordostwärts ausbreiten. Es sei mit zwei bis sieben Zentimeter Neuschnee zu rechnen, im Nordwesten und im äußersten Südosten könne es sogar bis zu zehn Zentimeter geben. Im nördlichen Mittelgebirgsraum kann es in höheren Lagen auch leichte Schneeverwehungen geben, ebenso im äußersten Norden.

Für den Nordwesten und die Ostseeküste kündigte der DWD Windböen aus östlichen Richtungen an, im äußersten Norden, an der Nordsee und teils auch in Hochlagen der nördlichen Mittelgebirge kann es stürmische Böen oder Sturmböen mit Geschwindigkeiten von bis zu 85 Kilometern pro Stunde geben. Im Laufe des Tages lässt der Wind von Süden her etwas nach, in der Nacht zum Dienstag auch an der See.

Flüge in Frankfurt und München gestrichen

Am Frankfurter Flughafen gibt es weiterhin Störungen im Betriebsablauf. Für Montag seien mehr als 200 Flüge gestrichen worden, sagte eine Flughafensprecherin am frühen Morgen. Bei zahlreichen weiteren komme es zu Verspätungen. Noch schneie es, es müsse weiter enteist werden. Betroffen seien Ziele in allen Teilen der Welt.

Wegen gefrierenden Regens war der Flugbetrieb am Frankfurter Flughafen am Sonntag für mehrere Stunden unterbrochen worden. Gegen 16.30 Uhr hatte Deutschlands größter Flughafen alle Starts und Landungen abgesagt. Der Eispanzer auf den Flugzeugen war zunächst zu dick für eine Enteisung. Insgesamt wurden 450 Flüge annulliert. Am Abend gab es wieder erste Starts.

Der Flughafen-Betreiber Fraport empfiehlt Passagieren, sich rechtzeitig vor ihrer Reise bei ihrer Fluggesellschaft zu informieren und möglichst früh einzuchecken. Aktuelle Informationen zu Starts und Landungen unter www.frankfurt-airport.de, Fraport-Telefonnummer für Passagierfragen: 01805/3724636 (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz; maximal 42 Cent pro Minute aus dem Mobilfunknetz).

Die anhaltenden Schneefälle behindern auch den Luftverkehr in Bayern. Auf dem Flughafen München fallen am heutigen Montag 200 Flüge aus. Ein Sprecher des Flughafens rief alle Reisenden dazu auf, sich im Internet zu informieren, welche Verbindungen betroffen sind. Die Lufthansa empfahl ihren Passagieren in München, anstelle von innerdeutschen Flügen auf die Bahn umzusteigen. Das Ticket könne in einen Bahn-Gutschein umgetauscht werden, sagte eine Lufthansa-Sprecherin.

siu/dpa/dapd

Mehr zum Thema


insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tunnelblick79 21.01.2013
1.
Es handelt sich vermutlich um zahlreiche Unfälle. Denn selbst die Angelsachsen würden hier von "Accidents" schreiben, es sei denn, Flugzeuge wären auf die Autobahn gestürzt.
fatherted98 21.01.2013
2. Kein Wunder....
...gestern fuhren im Rhein Main Gebiet unzählige Räumfahrzeuge rum....und keiner war unterwegs....heute morgen war gar nichts geräumt...weder Stadtstrasse, Landstraße und die Autobahn nur teilweise...wahrscheinlich haben die heute alle frei oder die Planung der Verantwortlichen war wieder mal vorbildlich...denn merke: Schnee und Eis schmelzen ja auch irgendwann wieder mal...das Credo vieler Verantwortlichen im Straßendienst.
eisbaerchen 21.01.2013
3. Tja, wäre
Zitat von sysopDPABlitzeis hat im Südwesten Deutschlands zu spiegelglatten Straßen und zahlreichen Crashs geführt: Allein in Baden-Würrtemberg hat die Polizei 1073 Verkehrsunfälle gezählt. Ein Mann kam ums Leben. Noch immer ist fast im ganzen Land Vorsicht geboten. http://www.spiegel.de/panorama/blitzeis-mehr-als-tausend-unfaelle-im-suedwesten-deutschlands-a-878692.html
doch eigentlich ganz schön, wenn der Klimawandel unsere Winter real wärmer machen würde (statt seit 3 Jahren immer kälter), dann würden diese Ereignisse mit enormen volkswirtschaftlichen Verlusten und Verlust von Menschenleben und und und... vielleicht nicht so häufig auftreten (ja ja, der Golfstrom könnte versiegen, tut er aber nachweislich (noch) nicht, ich weiss es...die Gründe müssen wohl oder übel woanders liegen und gefunden werden).
picard95 21.01.2013
4.
Was für ein mieses Wetter. Ich komme gerade aus der Nähe von San Francisco mit durchgehendem Sonnenschein und T-Shirt bzw. Sweatshirtwetter bei einem lauen Lüftchen. Und nun wieder in die graue und kalte Einöde, wo man sich am liebsten zum Winterschlaf bis Anfang April verziehen möchte.
Eva K. 21.01.2013
5. Wetter ist nicht Klima
Zitat von eisbaerchendoch eigentlich ganz schön, wenn der Klimawandel unsere Winter real wärmer machen würde (statt seit 3 Jahren immer kälter), dann würden diese Ereignisse mit enormen volkswirtschaftlichen Verlusten und Verlust von Menschenleben und und und... vielleicht nicht so häufig auftreten (ja ja, der Golfstrom könnte versiegen, tut er aber nachweislich (noch) nicht, ich weiss es...die Gründe müssen wohl oder übel woanders liegen und gefunden werden).
Sie verwechseln Klima mit Wetter, das geht leider vielen so. Die winterlichen Durchschnittstemperaturen sind im langjährigen Mittel gestiegen, daran ändern auch ein paar Tage Schnee nichts. Und wirklich kalt sind - bezogen auf das Rhein-Main-Gebiet - Nachttemperaturen zwischen 0° und -6° sowie Tagestemperaturen zwischen 1° und -3° auch nicht gerade. Das ist doch im Widerspruch zu Ihrem vorherigen Wunsch. Eine winterliche Wetterlage, die noch vor 20 oder 30 Jahren als völlig normal galt und keine nennenswerte Zeitungsmeldung provozierte, beklagen Sie jetzt schon als negatives Ereignis. Das beweist doch nur, wie durchschnittlich warm die Winter in unseren Breiten schon sind.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.