Zur Ausgabe
Artikel 67 / 132
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

SOCIETY Bloß Dom Perignon?

aus DER SPIEGEL 50/1998

Wir waren ein Dutzend«, erinnert sich Gunter Sachs, und am Ende stellt er fest, daß sie nun tot seien, »mausetot wie die Musketiere«. Im Buch aber leben sie noch einmal auf, und zwar so Champagner-prickelnd, Ferrari-schnell und Bardotgeküßt, wie man sie in den Fünfzigern und Sechzigern aus der Ferne bestaunt hat: die Playboys.

Wilfried Rott, Kulturchef des SFB, hat mit Lust am sardonischen Kommentar und pikanten Detail »Das süße Leben der Playboys« (FAB Verlag, Berlin; 176 Seiten; 28 Mark) ausgebreitet. Vom glutäugigen Parvenü Porfirio Rubirosa zum Prasser Ali Khan, vom überschäumenden Teddy Stauffer bis - natürlich - zum ultimativen Gunter Sachs wird noch einmal die Geschichte der Kultfigur erzählt, die den Daseinssinn im Genuß fand. Die Playboys lebten eine wundervolle Dialektik: Sie sammelten Frauen wie Trophäen und wurden bald selbst zur Beute der Frauen. Sie waren Angeber, die der Nachkriegsgeneration einbleuten, wie schön Gammeln sein kann, wenn es auf hohem Niveau betrieben wird. Ihre Verschwendungssucht war obszön, die Tarnung vergebens: Arndt von Bohlen und Halbach wollte sich vorm aggressiven Neid der siebziger Jahre mit der grünen Sinnfassade des Landmanns schützen - er versagte kläglich damit.

Rott hält den Playboy so hoch, daß selbst ausgewiesene Luxus-Schlingel den Ansprüchen nicht genügen. Wenn Alfonso Prinz zu Hohenlohe damit angibt, daß er zu einer privaten Schmusestunde Dom Perignon eingegossen habe, fragt er trocken: »Für was Besseres hat's nicht gereicht?« Heute wimmelt es in St. Tropez nur so von Möchtegern-Lebemännern, die offenen Hemds mit dem Ferrari im Stau stecken. Der wahre Playboy, eine Kunstfigur, die vom bestaunten Abstand zur Gesellschaft lebte, ist verschwunden. Weil es zu viele sein möchten.

Zur Ausgabe
Artikel 67 / 132
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.