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02. Juli 2003, 13:31 Uhr

Blutbad in Coburg

Todesschütze kam mit zwei Waffen ins Klassenzimmer

Es war ein Blutbad mit Ankündigung. In der ersten Schulstunde zeigte ein Achtklässler einer Coburger Realschule seinen Klassenkameraden eine Waffe. In der zweiten Stunde feuerte er auf eine Lehrerin. Eine Zweite verletzte er. Dann erschoss sich der Junge selbst.

Polizisten und Mitarbeiter einer Bestattungsfirma tragen den Sarg aus der Schule
DDP

Polizisten und Mitarbeiter einer Bestattungsfirma tragen den Sarg aus der Schule

Coburg - Ein 16-jähriger Schüler der achten Klasse einer Coburger Realschule hat im Schulgebäude gegen 9 Uhr eine Lehrerin angeschossen. Während der Deutschstunde habe er aus seiner Hosentasche eine Waffe gezogen und über den Kopf der Lehrerin auf die Tafel geschossen, meldet die "Tagesschau". Der Schuss habe die Frau nur knapp verfehlt. Den Mitschülern gelang die Flucht aus dem Klassenzimmer. Sie schlossen die Tür hinter ihrem Kameraden ab.

Eine zur Hilfe geeilte zweite Lehrerin, die die Tür wieder öffnete, um dem Schützen die Waffe zu entreißen, wurde am Oberschenkel von einer Kugel getroffen. Dann ging der Jugendliche zu seinem Rucksack, holte eine weitere, großkalibrige Waffe hervor und schoss sich in den Mund, berichtete Kripo-Chef Reinhard Müller am Mittag. Als die übrigen Schüler daraufhin die Tür wieder öffneten, lag der 16-Jährige blutüberströmt auf dem Boden. Für ihn kam jede Hilfe zu spät.

Großaufgebot an Rettungskräften nach den Schüssen in Coburg
DPA

Großaufgebot an Rettungskräften nach den Schüssen in Coburg

Wie es heißt, habe der Jugendliche seinen Schulkameraden die Waffe bereits zu Schulbeginn in der ersten Stunde am Morgen, Biologie, gezeigt.

Die verletzte Lehrerin wurde in ein Krankenhaus gebracht. Es besteht nach Angaben der Polizei keine Lebensgefahr.

Erste Meldungen wonach es weitere Opfer gegeben habe, bestätigten sich nicht. Das Motiv der Tat sei im Moment noch unbekannt, sagte Rainer Prediger von der Polizei Coburg gegenüber n-tv.

Woher der Junge die Waffen hatte, ist bislang unklar. Der Großvater war für die Stadt Coburg als Waffensachverständiger tätig. Auch der Vater soll sich mit Waffen beschäftigt haben.

Näheres will die Polizei am Mittag auf einer Pressekonferenz bekannt geben.

Bayerns Kultusministerin Monika Hohlmeier zeigte sich "tief bestürzt" von der Tat. "Die betroffenen Schüler und Lehrer brauchen jetzt schnell unsere Hilfe", sagte die CSU-Politikerin. Auch den Eltern würde in den nächsten Tagen jede mögliche Hilfe angeboten. "Mein Mitgefühl gilt insbesondere den Angehörigen des toten Schülers und der verletzten Lehrerin." Das bayerische Kriseninterventionsteam mit Schulpsychologen sei auf dem Weg nach Coburg. Die Experten waren bereits nach dem Amoklauf in einem Erfurter Gymnasium im April 2002 im Einsatz.

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