Blutiger Häftlingsaufstand Islamisten ergeben sich

Bei einer Revolte muslimischer Extremisten in einem Gefängnis in der philippinischen Hauptstadt Manila sind drei Aufseher und zwei Häftlinge getötet worden. Nach stundenlangen Verhandlungen gaben die Aufständischen schließlich auf. Unter den Gefangenen befinden sich auch die ehemaligen Entführer der Göttinger Familie Wallert.


Soldaten tragen einen angeschossenen Gefängniswärter: Blutbad hinter Gittern
AFP

Soldaten tragen einen angeschossenen Gefängniswärter: Blutbad hinter Gittern

Manila - "Sie haben zugestimmt, ihre Waffen niederzulegen", sagte der Anwalt der Gefangenen. Nach einem missglückten Ausbruchsversuchs am Morgen hatten etwa zehn Häftlinge das Zentrum des Gebäudes besetzt. Als Anführer des Aufstands gilt ein Mitglied der moslemischen Extremisten-Organisation Abu Sayyaf, die Verbindungen zur Qaida von Osama Bin Laden unterhält.

Die Polizei hatte sich bereits auf eine Stürmung des Gefängnisses vorbereitet. Die Behörden seien jedoch schließlich auf die Forderungen der Meuterer eingegangen, berichteten Unterhändler. Die Aufständischen hatten unter anderem eine Beschleunigung ihrer Gerichtsverfahren verlangt.

Nach Angaben eines Gefängniswärters stach ein Häftling bei der Frühstücksausgabe mit einem spitzen Metallgegenstand auf einen Wachmann ein. Anschließend nahm er ihm seine Waffe ab und erschoss zwei weitere Beamte. Nach Polizeiangaben starben bei dem Schusswechsel auch zwei Gefangene. Anschließend verschanzten sich rund zehn Häftlinge im zweiten Stock des Gebäudes. Per Telefon nahmen sie Kontakt zu einem örtlichen Radiosender auf und forderten, mit moslemischen Politikern zu sprechen.

"Sie wollen eine schnelle Verhandlung, denn einige von ihnen sind bereits seit 2001 inhaftiert", sagte einer der muslimischen Mittelsmänner, nachdem er mit dem Sprecher der aufständischen Häftlinge gesprochen hatte. Zusätzlich forderten die Gefangenen Garantien für ihre Sicherheit und die Achtung ihrer Menschenrechte sowie die Erlaubnis, mit den Medien zu sprechen. Die Meuterer besaßen nach Polizeiangaben mindestens drei Pistolen und möglicherweise noch weitere Waffen, die von Freunden und Verwandten eingeschmuggelt worden sein könnten. Während der Verhandlungen umstellten Augenzeugen zufolge schwer bewaffnete Polizisten das Gefängnis. Hubschrauber und Spezialfahrzeuge waren im Einsatz.

Von den insgesamt 400 Häftlingen des Gefängnisses sind nach Polizeiangaben vermutlich 130 Abu-Sayyaf-Mitglieder. Die meisten sind wegen Entführung und Mordes angeklagt. Der Polizeichef Manilas sagte allerdings, dass nicht alle von ihnen an dem Ausbruchsversuch beteiligt und viele umgehend zur Aufgabe bereit gewesen seien.

Die Polizei vermutet, dass die Revolte von Alhamser Limbong angeführt wurde. Er muss sich wegen der Entführung von Touristen vor Gericht verantworten und wird verdächtigt, eine US-Geisel enthauptet zu haben. Zudem soll er Drahtzieher eines Bombenanschlags in Manila sein, bei dem im vergangenen Jahr mindestens 116 Menschen getötet wurden. Ein weiterer Insasse des Gefängnisses ist der Geiselnehmer "Commander Robot", der 2000 zusammen mit anderen Mitgliedern der Abu Sayyaf 21 Touristen wochenlang gefangen gehalten hatte. Unter den Entführten war damals auch die Göttinger Familie Wallert.

Die Sicherheitsmaßnahmen in philippinischen Gefängnissen sind schon häufiger in die Kritik geraten. Vor knapp einem Jahr konnten bei einem Massenausbruch auf der im Süden gelegenen Basilan-Insel 50 Häftlinge entkommen, nachdem sie ihre bewaffneten Wachen überwältigt hatten. Unter den Flüchtigen waren ebenfalls mehrere Mitglieder der Abu Sayyaf.



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