Bluttaten in Colorado Vier Tote nach Schießereien vor US-Kirchen - Wachmann tötet Schützen

Mindestens vier Tote, mehrere Verletzte: Im US-Bundesstaat Colorado ist das Entsetzen nach zwei Bluttaten vor kirchlichen Einrichtungen groß. Ein Schütze wurde von einem Wachmann erschossen. Noch ist offen, ob es sich in beiden Fällen um denselben Täter handelt.


Denver - Nach zwei tödlichen Bluttaten im US-Bundesstaat Colorado untersucht die Polizei einen möglichen Zusammenhang zwischen den Schießereien. Wie die Beamten offiziell bestätigten, ist unter den Toten der mutmaßliche Todesschütze von Colorado Springs. Der Täter sei auf dem Parkplatz vom Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma erschossen worden, nachdem er das Feuer auf Besucher der Kirche eröffnet hatte. Hinweise auf ein mögliches Motiv des Mannes liegen bislang nicht vor.

Im Abstand von wenigen Stunden hatten sich gestern zwei Schießereien in Colorado Springs und in Arvada, einer Vorstadt von Denver, ereignet. Beide Städte liegen etwa 100 Kilometer auseinander. Ein Polizeisprecher sagte, es sei nicht auszuschließen, dass es sich in beiden Fällen um denselben Täter handele.

Schüsse während der Weihnachtsfeier

Beim ersten Vorfall in Arvada erschoss ein etwa 20 Jahre alter Mann kurz nach Mitternacht einen 26-jährigen Mann und eine 23-jährige Frau im Zentrum der Missionsbewegung Youth With a Mission (YWAM). Im Zentrum werden junge Menschen aus aller Welt als Missionare ausgebildet. Zwei weitere Mitarbeiter der Einrichtung wurden nach Polizeiangaben verletzt.

Zu dieser Zeit fand in dem Gebäude gerade eine Weihnachtsfeier statt. Der Täter soll zur Waffe gegriffen haben, nachdem er nach einer Schlafgelegenheit gefragt hatte und abgewiesen worden war: Als ihm eine Mitarbeiterin sagte, man habe keinen Platz für ihn, drückte er die Tür auf und eröffnete das Feuer auf die Partygäste.

Etwa zwölf Stunden später eröffnete ein Mann auf dem Parkplatz einer Kirche in Colorado Springs das Feuer auf Gläubige. Ein Mensch starb, vier weitere wurden verletzt, bevor ein Wachmann den Schützen tötete. Der Schütze soll mit einem schwarzen Mantel bekleidet, habe gegen 13 Uhr Ortszeit die Eingangshalle der Kirche in Colorado Springs betreten und wahllos auf Kirchgänger geschossen haben, berichtete ein Augenzeuge.

Zum Zeitpunkt des Schusswechsels befanden sich nach Angaben des Pastors Brady Boyd rund 7000 Gläubige in dem riesigen Gemeindehaus. "Viele, viele Leben wurden in unserer Kirche durch die schnelle Reaktion einiger engagierter Helfer gerettet", sagte er CNN.

Einige der Verletzten schweben nach Angaben des Polizeichefs von Colorado Springs, Richard Myers, in der Nacht noch in lebensbedrohlichem Zustand. Außerdem seien in der Kirche "verdächtige Gegenstände" gefunden worden. Einzelheiten nannte er jedoch nicht.

Die New Life Kirche ist vor rund einem Jahr mit einem Skandal in die Schlagzeilen geraten: Gründer Ted Haggard wurde entlassen, nachdem ein Prostituierter ausgesagt hatte, drei Jahre lang mit dem Geistlichen bezahlten Geschlechtsverkehr gehabt zu haben. Haggard gab heimliche "sexuelle Unsittlichkeiten" zu. Der Kirche gehören rund 10.000 Mitglieder an.

Gewalttaten mit Schusswaffen sind in den USA auch wegen der liberalen Waffengesetze keine Seltenheit. Am Mittwoch hatte ein mit einem halbautomatischen Gewehr bewaffneter Teenager in einem Einkaufszentrum in Nebraska acht Menschen getötet, bevor er sich selbst erschoss. In den USA mit ihren 300 Millionen Einwohnern befinden sich nach Behördenangaben 200 Millionen Schusswaffen im Besitz von Privathaushalten.

amz/reh/AFP/AP/Reuters/dpa



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