"Unrichtige Gesundheitszeugnisse" Polizei durchsucht Praxis von "Querdenken"-Wortführer Bodo Schiffmann

Bodo Schiffmann ist eine Leitfigur der Corona-Verschwörungstheoretiker. Nun wurde die Praxis des HNO-Arztes durchsucht - er könnte Patienten ohne Untersuchung von der Maskenpflicht befreit haben.
Bodo Schiffmann: Patienten mit Maskenattest waren womöglich nie in der Praxis

Bodo Schiffmann: Patienten mit Maskenattest waren womöglich nie in der Praxis

Foto: Markus Scholz / DPA

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln gegen den Arzt und prominenten Redner der Verschwörungsbewegung "Querdenken", Bodo Schiffmann. Wie die Staatsanwaltschaft Heidelberg mitteilte , erließ das Amtsgericht Heidelberg einen Durchsuchungsbeschluss für die Praxisräume eines Sinsheimer Arztes. 

Dass es sich dabei um Schiffmanns Praxis handelt, bestätigte ein Staatsanwalt auf SPIEGEL-Anfrage zunächst nicht. Schiffmann selbst teilte jedoch in einer Videobotschaft  mit, dass in seiner Praxis eine Durchsuchung stattgefunden habe.

Patienten wurden womöglich nie untersucht

Den Ermittlern zufolge soll der Arzt in mindestens drei Fällen unrichtige Gesundheitszeugnisse ausgestellt haben. "Diese befreiten aus medizinischen Gründen von der derzeit bestehenden Pflicht, einen Mund- und Nasen-Schutz zu tragen", hieß es.

Es bestehe jedoch der Verdacht, dass die Personen nie durch den Arzt untersucht worden seien und bei ihnen keine Gründe für eine Befreiung von der Maskenpflicht bestanden. Die angeblich untersuchten Menschen würden nämlich mehrere Hundert Kilometer von der Praxis entfernt wohnen.

Schiffmann selbst teilte in dem Video mit, bei einem der Atteste handle es sich um eine Fälschung. In zwei Fällen sei nicht nachvollziehbar gewesen, ob die Patienten in der Praxis in Behandlung waren. In einem weiteren Fall hätten die Ermittler eine Patientenakte abfotografiert.

Der HNO-Arzt verbreitet seine Videos etwa über YouTube, wo er mit seiner Praxis, der "Schwindelambulanz Sinsheim", einen Kanal mit Tausenden Abonnenten betreibt. Im Messengerdienst Telegram folgen ihm gut 98.000 Leute. Schiffmann war zuletzt zu einer der führenden Figuren der verschwörungstheoretischen "Querdenken"-Demonstrationen geworden und hatte mehrmals auf Veranstaltungen der Reihe gesprochen.

fek
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.