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17. März 2019, 18:50 Uhr

Erste Ermittlungsergebnisse

Blackbox-Daten weisen Parallelen zwischen verunglückten Boeings auf

Nach dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine verdichten sich die Hinweise auf technische Probleme. Der Flugschreiber zeigt offenbar Ähnlichkeiten zur verunglückten indonesischen Maschine desselben Typs.

Nach ersten Ermittlungsergebnissen ähneln die Flugschreiberdaten der am vergangenen Sonntag abgestürzten Ethiopian-Airlines-Maschinen denen der im vergangenen Oktober verunglückten indonesischen Lion-Air-Passagiermaschine. Die "eindeutigen Ähnlichkeiten" würden noch näher untersucht, sagte die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Mogesam am Sonntag. Gleichzeitig kündigte sie die Veröffentlichung eines vorläufigen Untersuchungsberichts "in 30 Tagen" an.

Bei dem Absturz der äthiopischen Maschine vom Typ Boeing 737 MAX 8 vor einer Woche waren 157 Menschen ums Leben gekommen, bei dem Lion-Air-Unglück mit einer Maschine desselben Typs 189 Menschen.

Die Flugschreiber des äthiopischen Unglücksflugzeugs wurden seit Freitag von der französischen Luftsicherheitsbehörde BEA ausgewertet, am Sonntag wurden die Ergebnisse den äthiopischen Behörden übergegeben. Sie seien in gutem Zustand und hätten die Auswertung "von fast allen erfassten Daten" ermöglicht, so die Ministerin.

Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein werden. Auch US-Experten sind an der Untersuchung beteiligt.

Weil es bereits der zweite Crash desselben Flugzeugtyps innerhalb von fünf Monaten war, erließen Luftfahrtbehörden rund um die Welt bis zur Klärung der Unglücksursache ein Flugverbot für die Boeing 737-Max-Reihe. Die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Flugzeuge müssen am Boden bleiben.

Für Boeing sind die Zweifel an dem Kassenschlager - der US-Konzern hat noch fast 5000 offene Bestellungen für die Flugzeugreihe - ein ernsthaftes Problem. Der Aktienkurs fiel vergangene Woche drastisch.

Videoanalyse des Luftfahrtexperten Elmar Giemulla:

Gedenken an die Opfer

In Addis Abeba gedachten am Sonntag Tausende mit einem Trauergottesdienst der 157 Todesopfer. Im Rahmen der Zeremonie wurden 17 leere Särge in der Kathedrale zur Heiligen Dreifaltigkeit beigesetzt. Jeder Sarg, eingehüllt in die Flagge des ostafrikanischen Landes, stand symbolisch für eines der äthiopischen Opfer.

Die Identifikation der sterblichen Überreste werde bis zu sechs Monate dauern, erklärte die Verkehrsministerin. Die Behörden hätten DNA-Proben von den Angehörigen eingesammelt. Mit diesen würde ein internationales Expertenteam nun an der Identifikation arbeiten, sagte sie. Unter anderem wegen der Wucht des Aufpralls gilt eine Identifikation der sterblichen Überreste als extrem schwierig.

cbu/lie/AFP/dpa

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