Nach Flugzeugabsturz in Äthiopien Boeing vor US-Gericht verklagt

Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien wurde der Luftfahrtkonzern Boeing jetzt in den USA verklagt. Boeing habe das Flugsteuerungssystem für das Modell 737 Max 8 fehlerhaft entworfen.

Maschine des Modells 737 Max 8
Stephen Brashear / Getty Images / AFP

Maschine des Modells 737 Max 8


Der US-Luftfahrtriese Boeing ist nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien von Angehörigen eines Todesopfers verklagt worden. DieKläger fordern Schadensersatz wegen eines angeblichen Defekts der Unglücksmaschine vom Typ 737 Max 8. Das geht aus der Klageschrift hervor, die beim US-Bundesgericht für den nördlichen Bezirk von Illinois eingereicht wurde.

Demnach klagten die Angehörigen eines ruandischen Staatsbürgers, der bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war. Die Klage unterstellt Boeing, das automatisierte Flugsteuerungssystem des Modells 737 Max 8 fehlerhaft entworfen zu haben. Eine Stellungnahme von Boeing lag zunächst nicht vor. Der Konzern steht nach dem Absturz, bei dem insgesamt 157 Menschen ums Leben kamen, massiv in der Kritik.

Ende Oktober war bereits ein baugleiches Flugzeug in Indonesien abgestürzt, auch hier folgten etliche Klagen. Laut Unfallermittlern spielte eine umstrittene Steuerungssoftware von Boeing eine entscheidende Rolle beim Absturz in Indonesien. Der Bordcomputer soll die Nase des Jets automatisch immer wieder nach unten gedrückt haben, während die Crew vergeblich versuchte gegenzusteuern. Beim jüngsten Crash in Äthiopien gilt die Software ebenfalls als eine mögliche Ursache. Bei den beiden Abstürzen starben insgesamt 346 Menschen.

mal/dpa/Reuters



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heinrich.busch 28.03.2019
1. Das tragische Ereignis
wird jetzt zur Nagelprobe. VW musste wegen schwindeln 15 Milliarden zahlen.Was wird Boing für 350 Tote zahlen. Meine Prognose sagt deutlich weniger, denn ein America First Unternehmen wird nicht so hart bestraft
artist69 28.03.2019
2. Immer die tollen VW Vergleiche
VW hat nicht geschwindelt, VW hat jahrelang die Behörden verarscht und höchst illegal gehandelt. Es sind schon mehrere, auch US amerikanische Autobauer vor VW in Amerika mit hohen Strafen belegt worden. Nur so dummdreist wie VW war bisher niemand. Boeing wird sicher mit voller Härte angegangen, machen Sie sich mal keine Sorgen. Das Land, wo Konzernbetrüger ungeschoren davon kommen heißt Deutschland.
hansriedl 28.03.2019
3. Boeing erhielt anhaltend illegale Subventionen von USA
Das Urteil macht den Weg für Vergeltungsmaßnahmen seitens der Europäischen Union frei, die den Fall vor 15 Jahren angestoßen hatte: Im Boeing-Fall geht es unter anderem um gegen WTO-Regeln verstoßende Steuer- und andere Begünstigungen im US-Bundesstaat Washington. Von der Washingtoner Reduzierung der Unternehmenssteuer habe Boeing so stark profitiert, dass sie im Konkurrenzkampf um Aufträge mit Airbus 2013 und 2014 in Dubai, Kanada und Island zum Zuge kamen und dem europäischen Rivalen damit Schaden zufügten. Das Gremium gab der EU darüber hinaus anders als 2017 unter anderem Recht, dass staatliche Unterstützung für Forschung- und Entwicklung die Fertigstellung des Dreamliners Boeing 787 beschleunigte. Die EU ist zuversichtlich, dass die WTO bei ihrer bisherigen Linie bleibt und erneut feststellt, dass illegale Subventionen an Boeing nicht wie gefordert abgebaut wurden. Sie will ebenfalls Schadenersatz in Milliardenhöhe geltend machen.
Bernd.Brincken 28.03.2019
4.
Es ist richtig, Boeing wegen konstruktiver Fehler anzuklagen, anstatt die Aufmerksamkeit auf den Nebenschauplatz der Zertifizierung zu richten. Der Hersteller ist verantwortlich gegenüber den Kunden, im engeren und weiteren Sinne. Und da hier gleich mehrere Mängel vorliegen, gehen die Fragen weiter nach oben im Management.
Hajojunge 29.03.2019
5. Die Steuerungssoftware mag fehlerhaft sein
Sie wurde aber nur zum Ausbügeln aerodynamischer Mängel des betagten B 737-Konzeptes eingesetzt und zunächst weder den Airlines noch den Piloten kommuniziert. Die vergrößerten Triebwerke, zudem noch näher und weiter vorn an den Tragflächen angebracht, können bei bestimmten Manövern mit ihrem Auftrieb zum Strömungsabriß führen. Eine hastig gestrickte Krampflösung, nur um dem Airbus A320 NEO etwas entgegenzusetzen. Auch ein Softwarepatch am MCAS (Might Aircraft Crash Suddenly) ändert daran nichts.
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