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Suche nach MH370 Zwei Stück Treibgut sollen Gewissheit bringen

Zwei große Gegenstände treiben 2500 Kilometer von der australischen Küste im Indischen Ozean, fotografiert von Satelliten. Wrackteile von Flug MH370 - oder die nächste falsche Spur? Die Bergung in dieser Meeresregion wäre schwierig.

Perth - Es sind nur zwei Flecken auf Satellitenbildern. Aber sie sind die beste Spur, die es im Fall des verschwundenen Fluges MH370 gibt. Die Aufnahmen sollen Wrackteile der Boeing zeigen, eines rund 24 Meter, das zweite etwa fünf Meter lang.

Die Fundstelle befindet sich laut der australischen Behörde für Seesicherheit (Amsa)  etwa 2500 Kilometer südwestlich von Perth. Damit wurden die Teile rund 185 Kilometer südöstlich des ursprünglichen Suchgebietes im Indischen Ozean fotografiert. Das Areal war in den vergangenen Tagen von 600.000 auf 305.000 Quadratkilometer eingegrenzt worden.

Experten zufolge lassen die Strömungen in der Meeresregion vermuten, dass die Teile, falls sie vom Flugzeug stammen sollten, rund 300 bis 400 Kilometer westlich ins Wasser gelangt sein dürften.

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Flug MH370: 24 Meter Hoffnung

Foto: Getty Images/ Australian Department of Defence

Vier Militärflugzeuge wurden losgeschickt, um die Gegenstände näher zu begutachten. Am Nachmittag (Ortszeit) erreichte ein norwegisches Handelsschiff den Fundort. Ein Schiff der australischen Marine mit Bergungsausrüstung ist laut Amsa noch Tage von den Teilen entfernt.

Erst die genaue Betrachtung wird zeigen, worum es sich wirklich handelt - die ersten Fundstücke der Maschine, Müll oder etwa verlorene Fracht eines Schiffes. Unwahrscheinlich ist Letzteres nicht: Die Fundstelle liegt an einer wichtigen Schifffahrtsroute, auf der immer wieder Container ins Meer fallen.

Malaysia bezeichnet die Satellitenaufnahmen als "glaubhafte Spur". Jetzt gehe es darum, sie zu erhärten, sagte Verkehrsminister Hishammuddin Hussein. Tatsächlich stellten sich derartige Fotos oft als für die Suche irrelevant heraus, sagte John Young, Chef der Seenotrettung bei Amsa, "selbst wenn sie gut aussehen". Man halte sich deshalb mit Meinungen zurück, bis man aus der Nähe einen Blick darauf geworfen habe. Bislang besteht kein Sichtkontakt zu den Teilen. Laut Amsa sind die Sichtverhältnisse in der Region eher schlecht.

Karte: Die gesichteten Wrackteile im Indischen Ozean

Karte: Die gesichteten Wrackteile im Indischen Ozean

Foto: SPIEGEL ONLINE

Vorsicht bei der Bewertung der Fotos ist geboten: Schon mehrmals schien es Spuren von MH370 zu geben, die sich als falsch herausstellten. Ölspuren im Meer enthielten kein Kerosin. Ein gelbes Objekt, das zunächst für eine Rettungsinsel gehalten wurde, erwies sich als Müll. Chinesische Satellitenbilder zeigten angeblich Trümmer, die aber nie gefunden wurden.

Die Einsatzkräfte hoffen dennoch, dass die beiden Objekte - sollten sie von der Maschine stammen - zu weiteren Fundstücken führen. Immerhin deuten die neuen Fotos auf die ersten möglichen Fundstücke nach der Ausweitung auf zwei mögliche Flugkorridore hin.

Ozean im Suchgebiet ist Tausende Meter tief

Der Verbleib der Maschine ist vollkommen unklar. Sie war nach dem Start in Kuala Lumpur verschwunden, an Bord waren 239 Menschen. Erklärungsansätze gibt es viele - aber bislang bleiben sie alle spekulativ.

Die relativ großen Dimensionen der fotografierten Teile haben manche Beobachter zur Vermutung gebracht, dass die Maschine noch intakt war, als sie auf dem Wasser aufschlug. Dies würde zur Theorie passen, dass die Maschine auf Autopilot weiterflog, bis der Sprit ausging. Auch der Fundort der Teile passt zur Vermutung, dass die Maschine noch einige Stunden weiterflog, bevor sie ins Meer stürzte - das letzte Signal in Form eines "Pings" wurde 7 Stunden und 31 Minuten nach dem Start registriert.

Antworten könnten wohl die Aufzeichnungsgeräte aus der Maschine liefern. Die Black Box und weitere Datenschreiber zu finden und zu bergen, dürfte eine riesige Herausforderung werden.

Die Gegend im Indischen Ozean ist eines der entlegensten Seegebiete der Erde. Das macht die Suche schon schwierig genug - hinzu kommt, dass das Meer dort Tausende Meter tief ist. Das Suchgebiet liegt über einem ozeanischen Rücken, dem sogenannten Naturalist Plateau. Es misst laut Charitha Pattiaratchi, einem Ozeanografie-Professor von der Universität von Westaustralien, etwa 250 mal 400 Kilometer. Die Wassertiefe beträgt etwa 3500 Meter, um das Plateau herum fast 5000 Meter.

Ruf nach Reform des Blackbox-Systems

Deswegen werden nun Forderungen laut, Blackboxes sollten beständig Daten senden - dadurch wäre eine Bergung überflüssig. Experten halten es für möglich, die Informationen in einer Cloud zu speichern. Entsprechende satellitenbasierte Systeme würden allmählich installiert, aber es dauere mindestens noch ein Jahrzehnt, bis sie sich als weltweiter Standard durchgesetzt hätten.

Schon jetzt verfügen die meisten Flugzeuge über das Aircraft Communications Addressing and Reporting System (Acars). Es sendet in regelmäßigen Abständen Daten zu Flugzeug und Motoren. Es wäre auch eine Möglichkeit, diese Datenmenge auszuweiten anstatt Fluginformationen zu streamen.

Das käme wohl auch Fluggesellschaften gelegen. Sie argumentieren, ein Datenstream sei zu teuer und Vorfälle wie Flug MH370 zu selten, um die Zusatzkosten zu rechtfertigen. "Es würde einfach zu viel kosten. Jeden Tag gibt es 93.000 Flüge, und wir haben zwei Vorfälle in den vergangenen fünf Jahren gehabt", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters einen Manager der Luftfahrtindustrie. Gemeint sind Flug MH370 und Air-France-Flug 447.

Mark Rosenker, ehemaliger Vorsitzender der Nationalen US-Behörde für Transportsicherheit, ist dagegen der Ansicht, die Cloud-Lösung würde Ermittlungen beschleunigen und es erlauben, ein Flugzeug zu orten, auch wenn es außerhalb der Reichweite von Radarsystemen an Land sei. Zudem habe auch das derzeitige System seinen Preis. "Wir haben eine 777 und mehr als 200 Menschen verloren. Seestreitkräfte und Flugzeuge als aller Welt suchen nach dieser Maschine. Das ist auch nicht billig", sagte Rosenker.

ulz/AP/Reuters
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