Bohrinsel-Havarie in Russland Zahl der Toten steigt auf 16

Die Bohrinsel war vor Sibirien in Seenot geraten und innerhalb von 20 Minuten gesunken: Bislang wurden 16 Todesopfer geborgen, 14 Arbeiter gerettet. Noch gelten über 30 Menschen als vermisst. Ihre Überlebenschancen in der kalten See sind gering.

Russische Bohrinsel "Kolskaja": Am Wochenende innerhalb von 20 Minuten gesunken
REUTERS

Russische Bohrinsel "Kolskaja": Am Wochenende innerhalb von 20 Minuten gesunken


Moskau - Rettungsmannschaften haben nach dem Untergang einer Bohrinsel vor der russischen Küste bisher 16 Leichen im eisigen Pazifik gefunden. Das teilten die Behörden am Montag mit. Schiffe und Hubschrauber suchten weiter nach den jetzt noch 37 Vermissten. Für sie soll es aber angesichts fünf Meter hoher Wellen und niedriger Wassertemperaturen nur noch wenig Hoffnung geben. Zudem behindert ein starker Sturm die Rettungsarbeiten.

Die Plattform war am Samstag gesunken. Zunächst waren in der aufgewühlten See rund 200 Kilometer vor der Insel Sachalin vier Tote entdeckt worden. In der Nacht zum Montag bargen Suchmannschaften zwölf weitere Opfer. Das teilte das regionale Zivilschutzministerium laut Angaben der Agentur Interfax mit.

Auf der Bohrinsel waren ursprünglich 67 Menschen. 14 von ihnen waren nach dem Unglück am Samstagmorgen gerettet worden. Wie ein Sprecher des örtlichen Katastrophenschutzministeriums sagte, wurden am Montag zwei Rettungsboote gefunden. Sie waren jedoch leer.

Keine Zeit für eine koordinierte Rettung

Die Generalstaatsanwaltschaft leitete Ermittlungen gegen den Kapitän des Eisbrechers ein, der die Bohrinsel trotz Sturmwarnung von der Halbinsel Kamtschatka nach Sachalin schleppen wollte. Während der Fahrt hatten Eis und Wellen die Luken der Plattform beschädigt und die in Seenot geratene "Kolskaja" innerhalb von 20 Minuten sinken lassen.

Die Mannschaft habe keine Zeit gehabt für eine koordinierte Rettung, sagte ein Behördensprecher. Unklar sei auch, warum die Arbeiter während des Schleppmanövers auf der Plattform blieben.

Die vor der sibirischen Ostküste zwischen Japan und Kamtschatka gelegene Insel Sachalin befindet sich mehr als 10.000 Kilometer von Moskau entfernt. Der Zeitunterschied zur Metropole beträgt sieben Stunden.

wit/dpa/AFP



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