SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

22. September 2014, 07:06 Uhr

Dutzende Vermisste

Schlauchboot mit Flüchtlingen kentert vor libyscher Küste

Auf dem Mittelmeer hat sich erneut ein Flüchtlingsdrama ereignet. Vor der Küste Libyens kenterte ein Boot mit rund hundert Menschen an Bord, bislang konnten lediglich 55 von ihnen gerettet werden.

Tripolis/Lampedusa - Vor der Küste Libyens ist erneut ein Boot mit Dutzenden Flüchtlingen gesunken. Nach Angaben der italienischen Küstenwache konnte ein Frachtschiff 55 Schiffbrüchige retten. Zehn Leichen wurden geborgen, rund vierzig Flüchtlinge werden noch vermisst.

Das Unglück ereignete sich demnach rund 48 Kilometer vor der libyschen Küste. Das überfüllte Schlauchboot war den Angaben zufolge von dem nordafrikanischen Land in Richtung Italien aufgebrochen, als es in Seenot geriet. Bei der Küstenwache sei ein von einem Satellitentelefon abgesetzter Notruf eingegangen, darauf habe sie den Frachter um Hilfe gebeten. Kurz vor Eintreffen des unter der Flagge Singapurs fahrenden Schiffs sei das Schlauchboot allerdings gekentert.

Die Überlebenden berichteten ihren Rettern, dass etwa hundert Menschen an Bord des Flüchtlingsbootes gewesen seien. Die Küstenwache forderte weitere Schiffe in der Region auf, ihre Route zu ändern und an der Unglücksstelle nach möglichen Überlebenden oder Opfern zu suchen.

Immer wieder geraten Flüchtlinge in Seenot, die aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Ihre Boote sind meistüberfüllt und nicht seetüchtig. Am 10. September waren nahe Malta rund 500 Menschen ertrunken, nur zehn überlebten das Unglück. Seit Jahresbeginn kamen nach UN-Angaben mehr als 2500 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben.

rls/AFP/Reuters/AP

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung