BR-Intendanz Stoiber-Kandidat Fuchs durchgefallen

Thomas Gruber ist vom Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) überraschend zum neuen Intendanten gewählt worden.


Gruber: Neuer Intendant des Bayerischen Rundfunks
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Gruber: Neuer Intendant des Bayerischen Rundfunks

München - Der 58-jährige BR-Hörfunkdirektor setzte sich gegen seinen Mitbewerber, BR-Fernsehdirektor Gerhard Fuchs, 54, mit 26 zu 21 Stimmen durch. Gruber tritt die Nachfolge von Albert Scharf an, der nach zwölfjähriger Amtszeit nicht mehr angetreten war. Der neue Intendant sagte nach seiner Wahl, er habe mit einem knappen Rennen gerechnet. Das Ergebnis sei "für ihn nicht überraschend".

Gruber und Fuchs gelten beide als CSU-nah, allerdings war Fuchs der Favorit von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). Der Regierungschef gratulierte Gruber unmittelbar nach der Wahl in einem Glückwunschschreiben: "Ich bin sicher, Sie werden den bundesweit ausgezeichneten Ruf des Bayerischen Rundfunks und seiner Programme als Intendant weiter festigen und ausbauen."

Der Bayerische Rundfunk gehört mit mehr als 4000 Mitarbeitern zu den größten öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland. Er betreibt fünf Radioprogramme, das Bayerische Fernsehen sowie das Bildungsfernsehen BR Alpha.

Der Chef der CSU-Landtagsfraktion und Rundfunkrat Alois Glück sagte, er hoffe, dass mit der Wahl die Spannungen im Sender überwunden seien. Es habe sich nicht um eine politische Richtungsentscheidung gehandelt: "Gruber ist ein guter Intendant."

Der bayerische Finanzminister Kurt Faltlhauser (CSU), Stoibers Mann im Rundfunkrat, sprach von einer demokratisch knappen Entscheidung. Er selbst habe für Fuchs votiert und sei von dem Ergebnis überrascht. Der SPD-Landtagsabgeordnete Gustav Starzmann erklärte: "Der Rundfunkrat hat als eigenständiges Gremium bewiesen, dass er nicht das getan hat, was Stoiber will." Grubers Vorgänger Scharf, 66, sagte, er habe "große Übereinstimmung" mit Gruber und sei sicher, dass der BR seine Kontinuität wahren werde.

Bei der Wahl waren erstmals in der Geschichte des Bayerischen Rundfunks zwei "hauseigene" Kandidaten angetreten. SPD und Grüne hatten auf die Benennung eines eigenen Bewerbers verzichtet, weil sie dies für chancenlos hielten. Dem Rundfunkrat gehören insgesamt 47 Mitglieder an, davon sind acht von der CSU, vier von der SPD und einer von den Grünen. Die restlichen Mitglieder sind parteilich nicht festgelegt und vertreten als "Graue" die unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen.

Der neue Intendant wird zu den liberalen Vertretern eines unabhängigen Journalismus gezählt. Gruber gilt als zurückhaltend im Umgang mit Mitarbeitern. Der in Eislingen/Fils geborene Gruber studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Technischen Hochschule Stuttgart und an der Universität Erlangen-Nürnberg. Als wissenschaftlicher Assistent am Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrum und am Lehrstuhl für Politik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Erlangen- Nürnberg forschte er unter anderem über das Berufsverständnis von Journalisten und promovierte dort 1975. Von 1978 bis 1981 arbeitete er als Medienreferent in der Staatskanzlei der damals CDU-geführten schleswig-holsteinischen Landesregierung.

Seine BR-Laufbahn begann Gruber 1981 als Assistent des damaligen Fernsehdirektors Helmut Oeller. Drei Jahre später wechselte er in den Programmbereich Familie und Serie im BR-Fernsehen und übernahm dort die Leitung der Redaktion "Familie". 1986 berief ihn Intendant Reinhold Vöth als Leiter der Hauptabteilung Intendanz. 1990 wurde Gruber Leiter des Studios Franken in Nürnberg und war in dieser Funktion zugleich Hauptabteilungsleiter in der Fernseh- sowie der Hörfunkdirektion. Seit 1995 ist er BR-Hörfunkdirektor, 1995 und 1996 war er Vorsitzender der ARD-Hörfunkkommission.



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