Transsexuelle Hochzeit Ja, er ist schwanger

Der Bräutigam erwartet ein Kind, die Braut wurde als Junge geboren: Alexis Taborda und Karen Bruselario sind nach eigenen Angaben das erste Hochzeitspaar Transsexueller, das sich keiner operativen Geschlechtsumwandlung unterzogen hat. Glückwunsch!

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In Argentinien hat erstmals ein Bräutigam hochschwanger den Bund der Ehe geschlossen. Alexis Taborda wurde zwar als Frau geboren und hat sich auch keiner Geschlechtsumwandlung unterzogen, wird von den Behörden aber auf eigenen Wunsch als Mann geführt.

Seine Braut Karen Bruselario wiederum kam nicht mit ihrer jetzigen Identität als Frau zur Welt, sondern als Junge. Das Paar, das sich durch das Engagement für die Rechte Transsexueller kennengelernt hatte, heiratete am Freitag in Victoria im Nordosten des Landes standesamtlich.

Argentinien war 2010 das erste lateinamerikanische Land, das die Homo-Ehe einführte. Zwei Jahre später verabschiedete es ein Gesetz, das es Transsexuellen erlaubt, mit dem Geschlecht geführt zu werden, dem sie sich selbst zugehörig fühlen.

Taborda und Bruselario sind nach eigenen Angaben das erste Hochzeitspaar Transsexueller, die sich beide keiner operativen Geschlechtsumwandlung unterzogen haben. Mit der standesamtlichen Hochzeit sei "ein Traum für uns wahr geworden", sagte der 26-jährige Taborda, der in vier Wochen ein Mädchen zur Welt bringen soll. Es sei "ein sehr emotionaler Tag" gewesen.

Das Paar wünscht sich allerdings auch eine kirchliche Hochzeit und hat daher seinen Fall Papst Franziskus bereits in einer E-Mail geschildert. Das Oberhaupt der katholischen Kirche, das wie Taborda und Bruselario aus Argentinien stammt, hat bislang allerdings noch nicht geantwortet.

otr/dpa



insgesamt 30 Beiträge
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theresarain 30.11.2013
1. Süß!
Ein wirklich hübsches Paar - Gratulation!!! Auch an Argentinien, das anscheinend in dieser Frage toleranter ist als Deutschland. Es wäre überfällig, dass auch hierzulande Menschen ihr amtlich geführtes Geschlecht wählen dürfen, ohne sich dafür zwingend einer Operation unterziehen zu müssen.
calli0pe 30.11.2013
2. Änderung des Geschlechtseintrags
@theresarain: Dies ist in Deutschland seit 2011 bereits der Fall. Nach einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts (BvR 3295/07) sind § 8 Abs. 1 Nr. 3 u. 4 des Transsexuellengesetzes verfassungswidrig und nicht anwendbar. Damit sind die Voraussetzungen zur Vornamensänderung (zwei unabhängige psychiatrische Gutachten) nun identisch mit denen zur Personenstandsänderung. Sprich: es muss nicht mehr zwingend operiert werden.
annoo 30.11.2013
3. Mich würde interessieren
was jemanden bewegt, als geborene Frau ein Mann werden zu wollen und gleichzeitig den Wunsch zu haben, Kinder zu bekommen. Mich irritiert diese Vorstellung. Ansonsten finde ich diese Verdrehung der Geschlechterrollen, die einem schon fast intellektuelles Nachdenken abverlangt (äh, wer ist nun die Frau, wer der Mann - und, warum noch mal?!?) fast schon witzig. Schön, dass die beiden sich gefunden haben.
SamZidat 30.11.2013
4. Es soll auch Männer geben
die gerne Vater werden möchten. Und da das auf herkömmliche Art hier nunmal nicht geht, muß man halt nehmen was da ist. Dass solche Ehen selten sind hat übrigens mehr mit Gesetzen zu tun, die nicht nur in Deutschland verlangen oder lange verlangt haben, daß wer schon so den Geschlechterfrieden stört, gefälligst mindestens zwangssterilisert sein muß, ehe sie oder er das Recht auf ein passendes rechtliches Geschlecht bekommt.
cucco 30.11.2013
5. Kleidertausch
Eigentlich folgen beide Partner ihrer geburtlichen Bestimmung: der männliche Partner zeugte mit dem weiblichen Partner ein Kind. Beide haben die richtigen Geschlechtsteile für diese Vorhaben. Da sie ien Paar sind, nehmen wir auch an, dass sie Freude an ihrem Intimleben haben, und zwar mit der Funktion ihrer Geburtsbestimmung. Lediglich ihr Temperament ist grundverschieden vom Geschlecht. So äussert sich derjenige, der als Mann nach aussen hin erscheinen möchte, als habe er ( bzw. sie) die Initiative in der Partnerschaft.
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