Angeblicher Nazi-Zug in Polen Polizei verstärkt Patrouillen in Walbrzych

Der polnische Ort Walbrzych hat ein Problem: Seit dort Hinweise auf einen Nazi-Zug aufgetaucht sind, kommen Möchtegern-Schatzsucher in Scharen. Die Polizei patrouilliert verstärkt, ein Krisenstab wurde eingerichtet.

Polizeipatrouille in Walbrzych: Krisenstab eingerichtet
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Polizeipatrouille in Walbrzych: Krisenstab eingerichtet


Normalerweise freut sich wohl jede Stadt über mehr Touristen. Doch der polnische Ort Walbrzych bekommt in diesen Tagen verstärkt Besuch von Menschen, die offenbar auf das große Schatzsucherglück hoffen.

Ein Deutscher und ein Pole hatten vor einer Woche über einen Anwalt von dem Fund berichtet und die Georadaraufnahme vorgelegt. Für die Herausgabe von Informationen zum genauen Fundort verlangten sie eine Belohnung - und wandten sich zunächst an die Behörden der nächstliegenden Stadt Walbrzych (Waldenburg) in Niederschlesien. Die Stadt hatte den Fall nach Warschau weitergereicht.

In einem unterirdischen Versteck wird zwischen den Kilometerpunkten 60 und 65 der angebliche Zug vermutet. Über dessen Ladung wird nicht nur in Polen heftig spekuliert.

Da in der Umgebung seit Tagen Möchtegern-Schatzgräber auftauchen, verstärkte die Polizei ihre Patrouillen. Auch Zivilstreifen seien im Einsatz, hieß es. Bei der Bezirksverwaltung in Breslau tagte ein Krisenstab, um über das weitere Vorgehen zu beraten. Behörden warnten Schatzsucher vor möglichen Minen in den unterirdischen Tunneln.

Zudem beschäftigt ein mysteriöser Brand die Behörden. Mitten auf der Strecke, wo der Zug vermutet wird, brach in der Nacht ein Feuer aus. In dem unzugänglichen Waldgelände, durch das die Bahnstrecke zwischen Walbrzych und Breslau verläuft, wurden etwa 200 Quadratmeter Wald zerstört, teilte die Feuerwehr mit. Der Vorfall ereignete sich bei Kilometerpunkt 61.

Polnische Medien sprechen von einem "touristischen Boom" in den vergangenen Tagen. In Walbrzych seien zum Wochenende extra Touren für ausländische Gäste angeboten worden. Das nördlich der Stadt gelegene Schloss Ksiaz (Schloss Fürstenstein) sei ein zentraler Anlaufpunkt für Touristen und Schatzsucher, schreibt das US-Magazin "Forbes". Die Nationalsozialisten errichteten während des Zweiten Weltkriegs ein Tunnelsystem unterhalb des Schlosses.

Die Legende besagt, dass ein mit Gold beladener Nazi-Zug gegen Ende des Zweiten Weltkriegs in einem Tunnel in der Region verschwunden sein soll. Beweise gibt es dafür keine.

Polens stellvertretender Kulturminister Piotr Zuchowksi hatte am Freitag gesagt, er sei "zu 99 Prozent" sicher, dass in der Gegend um Walbrzych ein gepanzerter Nazi-Zug gefunden worden sei. "Ich habe die Georadarbilder gesehen, und das sieht in der Tat wie eine Panzerung aus."

ulz/dpa

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