Schätze in der Notre-Dame Die Rettung des kupfernen Hahns

Im Louvre lagert nun eine der wichtigsten Reliquien der Christenheit: die Dornenkrone. Der Zustand anderer Schätze von Notre-Dame ist unklar - doch immerhin ist ein wichtiger Hahn aufgetaucht.

Fabien Barrau/ AFP

Notre-Dame bleibt wohl auf Jahre geschlossen, bedeutende Schätze der Kathedrale sind anderswo in Paris untergebracht - etwa im Louvre. Das Museum beherbergt nun die Dornenkrone, die Jesus bei seiner Kreuzigung getragen haben soll. Auch ein Nagel und ein Stück Holz, die vom Kreuz Jesu stammen sollen. Der französische Kulturminister Franck Riester teilte auf Twitter mit, dass diese und weitere Reliquien in das Museum gebracht worden seien.

Sie waren laut Riester zuvor von Mitarbeitern der Feuerwehr, des Kulturministeriums und des Rathauses aus der brennenden Kathedrale gerettet worden. Danach seien sie im Amtssitz der Bürgermeisterin zwischengelagert worden.

In Notre-Dame waren etliche wertvolle Kunstwerke und Reliquien versammelt. Wie groß ist der Schaden? Wo lagern sie nun? Der Überblick.

Gerettete Gegenstände

Neben der Dornenkrone, dem Nagel und dem Holz ist laut Minister Riester auch die Tunika von Saint Louis gerettet worden. Sie sei inzwischen ebenfalls im Louvre. Der französische König Ludwig IX. soll sie getragen haben. Er wird auch Ludwig der Heilige genannt.

Außerdem blieben Riester zufolge die Grands Mays verschont. Dabei handelt es sich um großformatige Ölgemälde, die der Kathedrale zwischen 1630 und 1707 von der Zunft der Goldschmiede zu Ehren der Jungfrau Maria geschenkt wurden.

Die Kunstwerke hätten keinen Brand-, sondern nur Rauchschaden genommen, sagte Riester. Man werde sie wahrscheinlich am Freitag in den Louvre bringen, wo sie restauriert werden sollen.

Auf der Spitze der Kathedrale thronte vor dem Brand ein kupferner Hahn. Zunächst war man davon ausgegangen, dass er bei dem Einsturz zerstört wurde. Doch dann wurde er in den Trümmern entdeckt, wie "Le Parisien" und "Le Figaro" berichten. Bei dem Finder handelt es sich laut "Le Parisien" um einen Restaurator. Der Präsident des Verbandes der französischen Bauindustrie, Jacques Chanut, twitterte ein Bild des Funds. "Unglaublich", schrieb er dazu. Der Finder habe die richtige Intuition gehabt.

In den Hahn sind drei Heiligtümer eingelassen: ein Stück der Dornenkrone, eine Reliquie des heiligen Dionysius und eine Reliquie der heiligen Genoveva, der Schutzpatronin von Paris. In welchem Zustand diese Schätze sind, ist den Berichten zufolge unklar.

Wahrscheinlich unversehrt

Notre-Dame ist mit drei Fensterrosen verziert, sie gehören zu den wichtigsten Kunstwerken der Christenheit. Das Nord- und das Südfenster haben einen Durchmesser von 12,9 Metern. Sie haben Riester zufolge zumindest keinen "katastrophalen" Schaden genommen. Laut einem Feuerwehrsprecher sind sie in gutem Zustand. Nur die Strukturen, die sie stützen, seien ein Risiko.

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Notre-Dame: Neue Heimat für die Dornenkrone

Von dem ehemaligen Hochaltar war auch vor dem Brand nur noch die Mensa erhalten. In deren Mitte steht der Volksaltar aus Bronze. Über seinen Zustand gibt es noch keine gesicherten Angaben. Erste Bilder zeigen lediglich, dass er noch steht. "Le Monde" berichtet, der Altar sei allem Anschein nach nicht zerstört worden.

Zustand unklar

Die Kathedrale besitzt mehrere Orgeln, wobei die Hauptorgel auf der Westempore zu den größten und bekanntesten weltweit gehört. Sie hat über hundert Register und fast 8000 Pfeifen. Über ihren Zustand gibt es keine gesicherten Angaben.

Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf den langjährigen Organisten der Kathedrale, Philippe Lefebvre, dass die große Orgel zwar nicht gebrannt habe, aber nun von Schutt und Staub bedeckt sei. Olivier Latry, ebenfalls Organist, sagte "Le Monde", dass die Orgel nicht allzu sehr gelitten habe.

Der Kulturminister Riester hingegen sagte der Zeitung, die Hauptorgel schien "ziemlich betroffen zu sein". Für eine Einschätzung sei es jedoch noch zu früh.

Über dem Altar erhebt sich die Pietà des französischen Bildhauers Nicolas Coustou. Bilder aus dem Inneren des Gotteshauses zeigen, dass die Marmorskulptur wohl nicht beschädigt ist. Doch dafür gibt es bisher keine offizielle Bestätigung.

Der Brand war am Montagabend auf dem Dachboden von Notre-Dame ausgebrochen und hatte sich schnell ausgebreitet. Stundenlang kämpften die Einsatzkräfte gegen die Flammen, 400 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Große Teile des Dachstuhls wurden zerstört. Erst am Dienstagvormittag war der Brand vollständig gelöscht.

jpz/dpa/AFP

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