Mutmaßlicher Rechtsextremer KZ-Gedenkstätte will Wachdienste vom Verfassungsschutz prüfen lassen

Der Chef einer Firma, die KZ-Gedenkstätten in Brandenburg bewachte, soll rechtsextrem sein. Wie konnte das passieren? Die zuständige Stiftung ist alarmiert.

Gedenkstätte Sachsenhausen
AP

Gedenkstätte Sachsenhausen


In Brandenburger KZ-Gedenkstätten sollen Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes eingesetzt worden sein, der einem mutmaßlichen Rechtsextremen aus Cottbus gehört.

Das teilte Horst Seferens, Pressesprecher der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, auf Anfrage des SPIEGEL mit und bestätigte damit einen Bericht der "Märkischen Allgemeinen Zeitung". Demnach beauftragte die Stiftung einen Dienstleister für Gebäudesicherheit aus Neuenhagen bei Berlin. Diese Firma wiederum heuerte ein Subunternehmen an, dessen Besitzer aus Cottbus rechtsextrem sein soll.

Eisernes Kreuz, "Vize-Weltmeister '45"

Der Neuenhagener Dienstleister schrieb auf Anfrage des SPIEGEL, dass man die Kooperation mit dem Subunternehmer aus Cottbus beendet habe. Letzterer teilte auf Anfrage des SPIEGEL schriftlich mit, er distanziere sich "in jeglicher Form von Extremismus und Gewalt". Dass er rechtsextrem sei, bezeichnete er darin als "schlichtweg falsch".

Die "Märkische Allgemeine Zeitung" hatte dafür unter anderem als Beleg angeführt, dass der Unternehmer auf Instagram ein T-Shirt mit Eisernem Kreuz und "Vize-Weltmeister '45"-Aufdruck getragen habe oder bei einem Neonazi-Kampfsport-Event unter dem Namen "Black Legion" - so hieß eine Abspaltung des Ku-Klux-Klan - angetreten war.

Es habe keine Beschwerden oder Hinweise gegeben

Laut Pressesprecher Seferens waren die Mitarbeiter des Subunternehmens insgesamt in sechs Schichten tätig; wann und wo genau - ob an der Gedenkstätte Sachsenhausen, an der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück oder an beiden - sei noch nicht klar.

Erst durch eine Anfrage der "Märkischen Allgemeinen Zeitung" sei man darauf aufmerksam geworden und "vollkommen überrascht" gewesen, sagt Seferens. Es habe zuvor keine Beschwerden gegeben, keine Hinweise darauf, "dass es Verbindungen in ein Milieu gibt, das an unseren Orten nicht akzeptabel ist".

Kontakt zum Innenministerium, Unterstützung vom Verfassungsschutz

Schon in der Ausschreibung für den Auftrag, der Anfang 2018 vergeben wurde, habe gestanden, dass der Dienstleister den besonderen Charakter und die besondere Sensibilität der Gedenkstätten zu berücksichtigen habe. Entsprechende Klauseln stünden im Arbeitsvertrag. Zudem habe der beauftragte Dienstleister Subunternehmen nur mit Zustimmung der Stiftung beschäftigen dürfen. "Dies ist hier nicht erfolgt", sagt Seferens.

Die Stiftung hat erste Konsequenzen gezogen. Der Sicherheitsdienst aus Neuenhagen wurde laut Seferens aufgefordert, unverzüglich jeden Kontakt zu dem Cottbusser Subunternehmer zu beenden. Ob man die Zusammenarbeit mit der Neuenhagener Sicherheitsfirma abbreche, sei noch unklar. "Wir prüfen den Sachverhalt derzeit noch, auch juristisch", so Seferens. "Danach werden wir über weitere Schritte entscheiden."

Man stehe zudem in Kontakt mit dem Innenministerium und plane, alle Verträge mit Wachschutzunternehmen für die Gedenkstätten zu prüfen. Den Verfassungsschutz wolle man um Unterstützung bitten.

Mit Material von dpa



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